Bosse im Jazzhaus: Eine Band, die ihr eigenes Ding macht

Gina Kutkat & Janos Ruf

Eine bestimmte Mutter darf sich ganz besonders freuen. Auch wenn die Musik von Bosse eigentlich eher etwas für Töchter ist. "Heute Abend spielen wir jeden einzelnen Song für die Mutti von Schlagzeuger Chris. Sie kommt aus Freiburg und steht im Publikum", sagt Axel Bosse. Ob es nun an der Familienangehörigen im Publikum liegt oder nicht: Was Bosse und seine Musiker am Montagabend im Jazzhaus abliefern, ist die ehrliche Vorstellung einer Band, die ihr eigenes Ding macht.


Im Sommer war Bosse im Vorprogramm von Juli auf dem Zelt-Musik-Festival in Freiburg zu sehen gewesen, am Montagabend ist das Jazzhaus fast ausverkauft. Etwa 550 Mittzwanziger bis Enddreißiger tanzen, singen und feiern den gebürtigen Braunschweiger, der in der Vergangenheit auch mal ohne Plattenvertrag dastand. Bosse hat für seine Träume geackert, und genauso ackert er jetzt auf der Bühne. Er hüpft, tanzt, hetzt von einer Seite zur anderen, singt, spielt Gitarre, spricht mit dem Publikum, rast von einem Song zum nächsten.  Da schwitzt man schon vom Zuschauen.


Text und Musik gehen hier eine Symbiose ein. „Liebe ist leise“ und „Drei Millionen“ aus dem vorletzten Album „Taxi“ retten sich durch die sensiblen Zeilen aus der Belanglosigkeit. „In deiner Stadt leben drei Millionen / Und du bist heute Nacht unterwegs / Um zu schauen ob unter diesen drei Millionen / jemand ist, der dich versteht“. Die neueren Songs aus dem aktuellen Album „Wartesaal“ sind nachdenklich und mit einem Hang zur Melancholie versehen. Auch live fallen Moll-Akkorde und  Piano-Begleitung zwischen stampfenden Tanznummern  wie „Roboterbeine“ auf. Bosses Band rockt fröhlich daher, die Gitarren klingen auch mal verzerrt, das Schlagzeug treibt bei den schnellen Nummern stetig nach vorne, und in dieser Band spielt endlich mal wieder eine Frau am Bass.

Verschwitze T-Shirts, glückselige Gesichter und Menschen, die sich in den Armen liegen, bestimmen das Bild des Abends. Da tut es gut, dass sich die Band zwischendurch immer mal wieder zurücknimmt. Das allgemeine Wohlbehagen durchbricht Bosse zwar nie, es wird aber ernster und zaghaft zurückhaltend bei Stücken wie „Die Nacht“ oder „Yipi“. „Wenn ich nachts nicht schlafen kann / Dann hat das nur mit dir zu tun / Du lauerst nur im Dunkeln“, heißt es da. Unumgängliches Schicksal, Menschen, die einen nachts wachhalten, und ein Haufen Träume  – seine Themen hat Bosse als mal mehr, mal weniger erfolgreicher Musiker aufgesammelt. Nun bringt er sie mit seiner Band auf die Bühne und wechselt  auch mal zu einem Akustik-Set mit Cajon und Akkordeon.

Den Poprahmen verlässt er dabei nie. So zählt zu Bosses musikalischen Vorbildern Heather Nova, für die er den Song „Der Sommer ist noch lang“ schrieb. „Jahrelang habe ich ihr Management genervt, weil ich ein Duett mit ihr wollte“, erzähtl er, „vor zwei Wochen rief sie mich an und hat zugesagt.“

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