Book Crossing - lasst die Bücher frei!

Johanna Schoener

"Bücher sind Schiffe, welche die weiten Meere der Zeit durcheilen", schrieb der englische Philosoph Francis Bacon (1561-1626). Im Gegensatz zu Schiffen kommen Bücher aber meist nicht weit rum. Oft werden sie nur einmal gelesen und stauben dann im Ikea-Regal vor sich hin. Ron Hornbaker, Software-Entwickler aus Kansas City, hatte Mitleid mit diesen Bücherschicksalen und erfand vor fünf Jahren das so genannte Book Crossing. 263 Mitglieder zählt die Freiburger "Book Crossing"-Gemeinde. Mit fudder sind es 264 und morgen lassen wir unser erstes Buch frei: "Ein Regenschirm für diesen Tag." Wir sind gespannt: Wer wird es finden?



Gute Reise, Buch!

“Book Crossing” ist nicht schwer: Buch lesen, auf der “Book Crossing”-Webseite registrieren und freilassen. Bei der Registrierung bekommt man eine Identifikationsnummer, die man ins Buch schreibt oder auf einen Aufkleber, den man auf das Buch klebt. Dann setzt man das Buch irgendwo aus. Wenn der Finder sich an die Spielregeln hält, kann er mit der Identifikationsnummer auf der Webseite eintragen, wo und wann er das Buch gefunden und wie es ihm gefallen hat. Danach schickt er es wieder auf die Reise. Auf diese Weise entsteht eine Art Online-Tagebuch von Leseeindrücken und Bücherschicksalen und statt dem überquellenden Ikea-Regal zu Hause hat jeder “Book Crosser” sein eigenes virtuelles Bücherregal, in dem jedes Buch nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern auch selbst (Reise-)Geschichten schreibt.


Mehr als drei Millionen Bücher von knapp fünfhunderttausend Mitgliedern wurden bisher weltweit ausgesetzt, die meisten von ihnen in den USA und in Europa. Aber auch in Ländern wie Namibia, Nicaragua und Nepal gibt es registrierte Mitglieder. Bisher tauchen laut Hornbaker auf der Homepage nur knapp 25 Prozent der freigelassenen Bücher wieder auf. Das stört ihn aber nicht, er mahnt zur Geduld: Bücher reisen schließlich langsam und es braucht seine Zeit, sie zu lesen. Außerdem steigere es die Spannung, wenn vielleicht erst Jahre später das Buch wieder auftauche, man denke an das Prinzip Flaschenpost.



Trotzdem: Es wäre doch auch spannend, wenn in Freiburg ein Buch seine Reise antreten würde und man den weiteren Verlauf tatsächlich im Internet verfolgen könnte. Denn guckt man die in Freiburg bisher ausgesetzten Bücher durch, fällt neben jedem Titel die Zeichnung eines kleinen gelben Buches mit rudernden Armen und Beinen auf, das fleißig vor sich hin läuft, was bedeutet, dass dieses Buch unterwegs und über sein weiteres Schicksal nichts bekannt ist. So zum Beispiel das “Katzenauge” von Margaret Atwood, das vor drei Wochen am 9.August im Waldsee ausgesetzt wurde. “Ich brauche Platz im Regal, also muss Margaret Atwood weichen? Trotzdem eine wundervolle Autorin!”, begründet Ex-BesitzerIn “dusicyon” aus Freiburg die Freilassung. Und was ist aus dem Buch “Der Tuchhändler” von Richard Dübell geworden, welches Sara Daniels aus Konstanz am 25. August am Freiburger Bahnhof liegen gelassen hat? Immerhin gehört dieses Buch zu denen, die schon die zweite Etappe ihrer Reise antreten, denn Sara hatte es selbst bereits gefunden.

Wer schickt unser fudder-Buch auf die Reise?

  Wir sind gespannt, wie es unserem fudder-Buch “Ein Regenschirm für diesen Tag” von Wilhelm Genazino ergehen wird. Morgen, Dienstag, lassen wir das Buch kurz vor der Mittagspause in der Nähe der fudder-Redaktion (Bertoldstraße, beim Uniseum) frei und hey, einen Regenschirm kann man in diesen Tagen doch echt gebrauchen, oder?   Den Finder bitten wir zweierlei: Hinterlasse auf Bookcrossing.com ein, dass du das Buch gefunden hast. Und melde dich doch in unserem fudder-Artikel in den Kommentaren ;-)