Bombensuche Uniklinik: Viel Buddeln um nichts

Aljoscha Harmsen

Der Samstag als Warteschleife: Über acht Stunden lang warteten Journalisten und Klinikpersonal auf den Fund einer Bombe auf dem Baugelände des Klinikums, um am Ende in eine leere Grube zu schauen. Beobachtungen zu einem Entschärfer, der nach umfangreichen Grabungen ohne Bombe nach Hause fuhr.



Die Wahrscheinlichkeit, einen Blindgänger zu finden, schätzt Entschärfer  Klaus-Peter Olsson (58) vor Beginn der Grabungen 50 zu 50 ein. Wäre unter der Baustelle einer gewesen, hätte er bis zu 500 Kilogramm Sprengstoff beinhaltet, schätzt Olsson. Er ist Feuerwerker des baden-württembergischen Kampfmittelbeseitigungsdienstes.


"Wir hatten keine Messergebnisse! Das Luftbild war eindeutig, aber wir konnten nichts messen", erklärt Olsson. Dass auf dem Klinikgelände überhaupt eine Bombe vermutet wurde, lag daran, dass auf Luftaufnahmen vom 27. November 1944 ein Krater an jener Stelle zu sehen war.



Grund für ein Bombardement auf dem Gelände des heutigen Klinikums sei eine wichtige Bahnschiene für den Güterverkehr gewesen, die in der Nähe verlief und noch heute verlaufe, erklärte Eva Wagner, Pressereferentin der Uni-Klinik. Aufgrund der heftigen Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs muss bei jeder Baustelle in Freiburg das Baugelände mit Luftaufnahmen alliierter Luftangriffe abgeglichen werden.

Um festzustellen, ob sich wirklich eine Bombe auf dem Baugelände befindet, werden besondere Metalldetektoren, so genannte Gradiometer, eingesetzt. Aber Störsignale über der Ausgrabungsstelle sorgten dafür, dass die Entschärfer nicht sagen konnten, ob wirklich eine Bombe da ist.



"Wir haben um 8.15 Uhr mit den Grabungen begonnen und waren mit Unterbrechungen um 16.15 Uhr fertig", sagt Olsson. Verzögerungen verursacht ein Kabelpaket, dass mittig über dem Loch verläuft, die Baggerarbeiten behindert und zusätzlich Störsignale verursacht. Viele haben auf ein schnelleres Ende der Grabungen gehofft - nicht zuletzt, weil gegen 10.45 Uhr zwei unbekannte Objekte ausgegraben wurden.

"Das eine war ein armierter Betonklotz, das andere ein alter Versorgungsschacht", teilt Wagner den wartenden Journalisten mit. Sie sitzen fernab der Grabung in einem Sitzungsraum des Klinikums. Zu diesem Zeitpunkt war das Grabungsteam bei etwa drei Meter Tiefe angelangt. "Erfahrungswerten zufolge liegen Blindgänger im Freiburger Raum bis zu sieben Meter tief unter der Erde",  so Olsson.



Einige Stunden später hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst eine ausreichende Tiefe erreicht und bespricht sich mit Vertretern des Klinikums, ob die Grabungen nun beendet werden sollen. Sie werden es nicht, denn "es gibt immer noch Störsignale", sagt Klaus Geiger, Katastrophenschutzbeauftragter des Klinikums. Um ganz sicher zu gehen, lässt er noch eineinhalb Meter tiefer graben. Angesichts des enormen Evakuierungsaufwands eine verständliche Entscheidung. Vorab werden 14 Stationen mit über 200 Patienten verlegt, darunter über ein Dutzend Patienten aus der Intensivstation.



Zusätzlich Zeit kostet die besondere Vorgehensweise, denn der Baggerfahrer muss flächig und vorsichtig mit einer zahnlosen Schaufel die Erde abtragen. Anschließend kommen wieder Detektoren zum Einsatz. Der Baggerfahrer hat keine spezielle Ausbildung. Er ist Mitarbeiter der Firma Baldinger und entscheidet sich freiwillig, bei der Grabung zu helfen. "Auf einem freien Acker wären wir natürlich deutlich schneller gewesen", sagt Olsson, "aber wenigstens regnet es nicht, dann wären die Arbeiten deutlich schwieriger gewesen."



"Jetzt ist Schluss", entscheidet Olsson kurze Zeit später. Er hat bereits aus Rücksicht auf die Klinikmitarbeiter tiefer gegraben, als er es für nötig erachtet. Ein bisschen enttäuscht zeigt sich der Entschärfer im anschließenden Gespräch: "Wir hätten lieber etwas gefunden. Aber nach 26 Jahren läuft man nicht mehr jeder Bombe mit heraus hängender Zunge hinterher." Seit dem 1. Januar 1983 ist der Feuerwerker im Einsatz für die baden-württembergischen Kampfmittelräumer und blickt heute auf hunderte von Einsätzen im Bundesland zurück. "Einsätze, in denen man nichts findet und solche, in denen wir fündig werden, halten sich in etwa die Waage."

Am Ende blieb eine fünf mal sechs Meter große und viereinhalb Meter tiefe Grube auf dem Baugelände übrig. "Wir werden noch heute Abend mit der Rückverlegung der Patienten beginnen", erklärt Geiger, "so dass wir morgen den normalen Wochenendbetrieb wieder aufnehmen können."