Bombe in der Deutschen Bank: Das sagt der Entschärfer

David Weigend

Der Koffer hatte einen explosiven Inhalt und der Mann, der diesen Koffer vergangenen Freitag in der Deutschen Bank am Rotteckring mit einer Fernsteuerung geöffnet hat, heißt Thomas Hertlein. Im fudder-Interview berichtet der 55-jährige Entschärfer über seinen jüngsten Einsatz.



Thomas Hertlein, 55, arbeitet im Kriminaltechnischen Institut beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg in Stuttgart. Er ist Sachverständiger für Brand- und Explosivvorrichtungen und Entschärfer (Delaborierer).


Herr Hertlein, wie haben Sie den Koffer in Freiburg geöffnet?

Ferngelenkt. Was da genau drin war, kann ich noch nicht sagen. Die Rückstandsanalyse wird erst noch durchgeführt von unseren Chemikern. Es könnte sein, dass ich dann das Gutachten erstelle. Dieses wird sicher nicht vor nächster Woche fertig sein.

Der Inhalt des Koffers war so gefährlich, dass er gereicht hätte, um jemandem die Hände abzureißen. Wie viel Ahnung von der Materie muss man haben, um einen Koffer so zu präparieren?

Allgemein gesagt: Der einfache Chemiebaukasten reicht für so was jedenfalls nicht aus. Ganz so leicht ist es nicht. Aber wenn sich jemand die entsprechenden Informationen beschafft, ist es sicherlich möglich, so eine funktionsfähige Vorrichtung zu bauen.

Mancher Beobachter hat sich gewundert, dass Sie die Bank ohne Schutzanzug betreten haben.

Nun ja, die spezielle Schutzkleidung kann man ja auch noch in der Bank anziehen. Wir gehen grundsätzlich immer zu zweit zu solch einem Einsatz. Zunächst verschaffen wir uns einen Überblick über die Situation. Je nach Lage wendet man persönliche Schutzmaßnahmen an.



War der Koffer in der Deutschen Bank für Sie Alltag oder etwas Außergewöhnliches?

Das war für mich ganz normal. Außergewöhnlich war höchstens, dass etwas Sprengstoffartiges angedroht wurde mit dem Zettel, den der Täter hinterlassen hat. Wir haben im Jahr etwa 250 Einsätze in ganz Baden-Württemberg. Die betreffen natürlich nicht nur solche Koffer, sondern auch Pyrotechnik, zum Beispiel manipulierte Feuerwerkskörper. So etwas macht uns recht viel Sorge in letzter Zeit. So genannte Heimwerker, die zu Hause Selbstlaborate herstellen und häufig gar nicht wissen, wie gefährlich das ist. Das sind Sprengstoffe, die da entstehen. Da reichen ein, zwei Gramm, damit jemand die Hand verliert.

Sind Sie bei der Arbeit schon zu Schaden gekommen?

Gott sei Dank nicht.

Hatten Sie Angst am Freitag?

Angst darf man keine haben in meinem Job. Andernfalls müsste man sich nach einem anderen Betätigungsfeld umschauen. Aber man hat natürlich Respekt vor diesen Substanzen. Der Respekt ist ganz wichtig, um nicht leichtsinnig zu werden. Bei dieser Arbeit werden einem Fehler nicht verziehen. Jeder Fehler hat gravierende Auswirkungen. Ich muss mir jeden Handgriff im Vorfeld gut überlegen.



In welchen Situationen sind Ihre Handgriffe gefragt?

Wenn irgendwo in Baden-Württemberg ein gefährlicher Gegenstand gefunden wird, dazu gehören auch Selbstlaborate, wenn man also davon ausgehen kann, dass von den Substanzen eine gewisse Gefahr ausgeht, sind wir dafür zuständig, diese Gefahr zu beseitigen und den Gegenstand sicher zu verwahren. Oder eben abzuklären, ob von dem Gegenstand überhaupt Gefahr ausgeht.

Wie lernt man das?

In der Ausbildung zum Entschärfer geht es sehr viel um Chemie und Physik. Wir haben teilweise auch militärische Körper, die es zu untersuchen gilt. Man lernt, wie man mit den Entschärfungsgeräten umgeht, das ist ein recht umfangreiches Equipment. Dazu gehört auch der Roboter-Manipulator.

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