Porträt

Bodenständig, zuverlässig, jung: Wie ein Handwerker in Freiburg verzweifelt eine Wohnung sucht

Gina Kutkat

Der 31-jährige Johannes Strub sucht eine Wohnung in Freiburg. Die Schwierigkeit: Er hat einen Hund und keinen akademischen Beruf. Mit einer Mietgesuch-Anzeige wendet er sich an potentielle Vermieter, die für ihn eine bezahlbare Wohnung haben.

"Gibt es noch Wohnraum für bodenständige, normale Menschen?" Mit dieser Frage beginnt die Anzeige in der Kategorie Mietgesuche einer Freiburger Wochenzeitung vom vergangenem Mittwoch. "Ich unterstütze diese Gesellschaft mit meiner täglichen Arbeit und habe es doch verdient, ein Dach über dem Kopf zu haben", heißt es dort weiter. Es ist eine Anzeige, die die Verzweiflung gut widerspiegelt, die derzeit auf dem Freiburger Wohnungsmarkt herrscht.


Johannes Strub hat den Text geschrieben, der in drei weiteren Anzeigenblättern erschien. Der 31-jährige Handwerker ist seit vier Monaten auf Wohnungssuche in Freiburg. Sein Aufruf richtet sich an diejenigen Vermieter aus Freiburg, die "nicht nur Cash machen wollen." Denn die muss es in einer alternativ-grünen Stadt wie Freiburg doch geben – so die Hoffnung von Johannes. In der Anzeige beschreibt er sich als "normalen Erdenbürger". "Ich habe den Text bewusst provokant geschrieben, damit sich die richtigen Leute angesprochen fühlen", sagt Johannes.

Die Ansprüche sind nicht hoch

Aktuell lebt der gebürtige Heimbacher mit seiner Freundin, einem Hund und einer Katze in Malterdingen. "Weil Freiburg eine offene Multikulti-Stadt ist, haben wir den Wunsch, hierherzuziehen", sagt Johannes. Einige Monate lang versuchte das Paar, gemeinsam eine Wohnung zu finden. Weil das erfolglos blieb, suchen sie seitdem getrennt. "Wir haben alles versucht, von Online- über Printanzeigen bis hin zu einer Maklerin", sagt Johannes. Das Resultat: Ein paar enttäuschende Wohnungsbesichtigungen, viele Absagen und in vielen Fällen gar keine Antwort seitens der Vermieter.

Dabei sind ihre Ansprüche nicht hoch: Eine Zwei- bis Dreizimmerwohnung in Freiburg, mit extra Bad und einer schönen Küche. "Ich koche gerne", sagt Johannes. Der Stadtteil ist nicht wichtig und zur Not täte es auch ein Zimmer weniger. Bis zu 950 Euro könnte das Paar zahlen. Er arbeitet Vollzeit bei einer Zimmerei, sie ist im Einzelhandel beschäftigt. "Wir sind bodenständige, zuverlässige und ordentliche Menschen", sagt Johannes. "Wir wollen auch nicht nur nehmen, wir haben auch etwas zu geben."



Die potentiellen Vermieter waren davon bisher allerdings nicht beeindruckt. Diese befinden sich laut Johannes aufgrund der Wohnungsnot in einer luxuriösen Lage und entscheiden sich im Zweifel lieber für den Akademiker als den Handwerker. "Ich möchte die Leute, die einen akademischen Beruf haben, nicht schlecht machen", sagt er. "Aber Menschen wie ich gehen bei den Wucherpreisen in Freiburg leer aus." Das passe nicht zu dem weltoffenen Bild, das er von der Stadt hat. Was die Wohnungssuche erschwert: Hund Charly und Katze Pinky. "Sobald ich erwähne, dass ich Haustiere habe, bin ich raus."

"Wir wollen auch nicht nur nehmen, wir haben auch etwas zu geben." Johannes Strub

Johannes war sogar schon kurz davor, seine Haustiere wieder bei seinen Eltern unterzubringen. "Aber das kann doch auch nicht die Lösung sein", sagt er. Die Erfahrungen, die er bisher in Freiburg gemacht hat, haben ihn runtergezogen. Weil er Absagen anfangs persönlich genommen hat, weil ihn die Massenbesichtigungen frustriert und die Kellerwohnungen für 550 Euro Kaltmiete schockiert haben. "Aber am schlimmsten fand ich, dass es dafür tatsächlich Interessenten gab." Vom neuen Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn wünscht er sich, dass er die Mieten regelt und neuen bezahlbaren Wohnraum schafft.

Ein paar Vermieter haben sich bisher auf seine Anzeige gemeldet, ein passendes Angebot war noch nicht dabei. Solange sich nichts ergibt, bleibt Johannes mit seiner Freundin in Malterdingen wohnen und hofft weiterhin auf einen tierlieben Freiburger Vermieter mit realistischen Mietvorstellungen. In seiner Anzeige schreibt er: "Freue mich auf Antwort".

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