Blumen stielvoll geschnitten

Lorenz Bockisch

Sie werden vor dem Besuch für die Schwiegermutter gekauft, oder auch für die Vielleicht-Bald-Freundin: Mit einem Blumenstrauß hier oder einer Rose da kann man jeden Nicht-Allergiker erfreuen. Und man bekommt vom Floristen des Vertrauens stets dazugesagt: Zu Hause nochmal schräg anschneiden! Warum dieser Rat durchaus Sinn ergibt und warum man die Stiele wirklich schräg anschneiden sollte, erfahrt ihr ganz unverblümt durch

Wenn eine Schnittblume über die Ladentheke geht, ist dies ein eher ungesunder Vorgang für sie. Denn in ihrem Stiel sind viele kleine Röhrchen, die mit Hilfe von Kapillarkräften stetig Wasser nach oben saugen. Und wenn sie aus dem Wasser genommen wird, saugen sie weiter – jedoch nur Luft.


Und in dieser Beziehung sind Blumen auch nur Menschen: Luft in den „Adern” erzeugt eine Embolie und das Wasser kann nicht weiter transportiert werden. Durch diese Luftblasen in den Äderchen kann kein Wasser mehr zu den Blättern gelangen und die Blume verwelkt deutlich früher.

Um diese verstopfenden Bläschen loszuwerden, muss der Blumenstiel angeschnitten werden. So fliegt ein Teil der Lufteinschlüsse gleich in den Biomüll. Und wenn man den Stiel schräg anschneidet, haben noch mehr Blasen die Möglichkeit, über die größere Oberfläche der Kapillarröhrchen in die Vase zu entweichen.

Mehr Wasser kann die Blume durch die schräge Schnittfläche – entgegen oft verbreiteten Gerüchten – jedoch nicht aufnehmen. Logisch, denn mehr Kapillarröhrchen werden es dadurch nicht. Wichtig für die Pflanze ist es aber, zum Anschneiden ein scharfes Messer und keine Schere zu benutzen. Denn diese quetscht den Stiel so zusammen, dass deutlich weniger Wasser transportiert werden kann.