Black Pirate Coffee Crew: Freiburgerinnen gründen Online-Kaffee-Shopping-Club

Carolin Buchheim

Shopping-Clubs im Internet bieten registrierten Mitgliedern für kurze Zeit Schnäppchen in begrenzter Stückzahl an. Meist sind das, wie bei den Marktführern Brands4Friends und Vente Privee Designer-Klamotten. Die ursprünglich aus Freiburg stammenden und mittlerweile in Passau lebenden Schwestern Carolin Maras und Annika Poloczek haben im Oktober einen ungewöhnlichen Shopping-Club im Netz gestartet: bei der Black Pirate Coffee Crew gibt es ausschließlich Kaffee und Kaffee-Zubehör.



„Kaffee ist ein faszinierendes Produkt“, sagt Carolin Maras. „Zum einen ist es nach Erdöl das meist gehandelte Rohstoff der Welt und der Konsum von Kaffee steigt ständig an, zum anderen ist Kaffee eine emotionale Angelegenheit.“ Zusammen mit ihrer Schwester Annika Poloczek hat Carolin in diesem Herbst Black Pirate Coffee Crew gegründet, einen Shopping-Club ausschließlich für Kaffee und Kaffee-Zubehör.


„Wir hatten schon immer den Wunsch, uns zusammen selbständig zu machen und unser eigenes Ding machen“ erklärt Carolin den Weg zum eigenen Unternehmen. Mit einem Shopping-Club für Kaffee erschien den beiden die Selbständigkeit zum ersten Mal möglich, denn die Investitionskosten für die Website und einen kleinen Warenbestand waren überschaubar. „Mit einem Internet Start-Up kann man kostengünstig gründen“, sagt Carolin.

Ein Shopping-Club ist dabei besonders kostengünstig, denn die Lagerhaltung wird durch den Aktionscharakter der Verkaufsaktionen so weit wie möglich reduziert.

Konkret sieht das so aus: die Schwestern handeln mit Lieferanten aus dem Kaffee-Bereich, wie kleinen regionalen Kleinröstereien ohne eigene Website oder Vertrieb sowie Herstellern von Kaffee-Zubehör Sonderkonditionen für eine Verkaufsaktion über eine begrenzte Menge Ware und einen begrenzten Zeitraum aus. Die Verkaufsaktion wird den Black Pirate Coffee Crew-Mitgliedern per Newsletter mitgeteilt, und auf der Website durchgeführt. Die Ware wird erst nach dem Ende der Verkaufsaktion von den Lieferanten an die Schwestern geschickt, die nur die Ware erhalten, die tatsächlich von Kunden bestellt wurde, und dann den Versand an die Endkunden übernehmen

Bisher im Angebot waren so zum Beispiel Kaffee aus der Gefängnisrösterei der JVA Hünfeld, Kaffeemühlen der Marke Ascaso oder auch Kaffee aus der Rösterei des Heidelberger Rösters Florian Steiner, dem Röstmeister 2009. „Manchmal können wir einen besonders günstigen Preis bieten“, sagt Carolin. „Manchmal sind es aber auch einfach Sachen, die man sonst nicht so leicht bekommt.“

Außer den Aktionsangeboten gibt es bei der Black Pirate Coffee Crew aber auch ein kleines Standardsortiment, unter  anderem drei Sorten Hauskaffee in Fair Trade Qualität.



Kaffee-Händler erwartet man in Deutschland traditionell in Hamburg und Bremen, doch die beiden Schwestern, die in St.Georgen und Wittnau groß geworden und in Freiburg auf das St.Ursula Gymnasium gegangen sind, haben ihr Start-Up in Passau gegründet.

In der Stadt an Donau, Inn und Ilz sind sie in guter Gesellschaft: die Individual-Müsli-Händler von MyMuesli (fudder berichtete: Das deutsche Web 2.0 - MyMuesli), eins der erfolgreichsten deutschen Start-Ups der letzten Jahre, sind ebenfalls aus Passau, und mit den Schwestern befreundet.

„So eine Kleinstadt ist zum Gründen gar nicht verkehrt“, sagt Carolin. „Die Wege sind viel kürzer und es läuft alles viel, viel schneller, zum Beispiel mit den Ämtern. Wir haben zum Beispiel einen Gründungszuschuß beantragt, und hatten das Geld innerhalb von einer Woche auf dem Konto. Das geht in anderen Städten nicht so schnell.“

Außerdem erleichtert die grenznahe Lage die Belieferung von Kunden in Österreich. Und schließlich sei es gut, dass Passau nicht so viel Ablenkung bieten könne. „Als Gründer arbeitet man sowieso zwanzig Stunden am Tag, da ist es ganz egal, welche Stadt vor dem Fenster ist“, sagt Carolin lachend. Carolin ist optimistisch, dass Online-Shopper, die ihren Kaffee bisher vielleicht noch aus der Kaffeepad-Maschine oder im Pappbecher vom amerikanischen Kaffee-Ketten-Dealer bekommen, die Freuden des Gourmet-Kaffees entdecken werden.

"Kaffee ist mindestens so vielschichtig wie guter Wein, und irgendwann kommt jeder in ein Alter, wo es der Asti nicht mehr tut, sondern es etwas Gutes sein soll." Tipps und Fachwissen rund um Kaffee verbreitet der Black Pirate Coffee Club deswegen auch im Firmen-Blog We drink coffee.

Der Weg zu einer besseren Tasse Kaffee ist übrigens gar nicht so schwer. "Auch aus einer einfachen Espresso-Maschine aus Alu, die man auf die Herdplatte stellt, kann man eine ordentliche Tasse Kaffee bekommen", sagt Carolin. "Wichtig ist, dass der Kaffee gut ist, und erst direkt vor dem Brühen frisch gemahlen wird. Und die Kaffeemaschine sollte jedes Mal gut gereinigt werden. Kaffee enthält viele Öle, wenn die in der Maschine verbleiben, schmeckt es schnell ranzig."

Und auch für die Selbständigkeit hat Carolin Ratschläge: "Man braucht viel Biss und Energie zum Gründen. Aber ich finde, wenn man eine gute Idee hat, seinen Markt kennt, und das nötige Handwerkszeug hat, dann sollte man einfach loslegen. Nur muß man irgendwann die kreative Ader auch noch mal ruhen lassen, und dann auf die Zahlen gucken."

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