Black Forest Ultra: Ärger wegen Waldwege-Maut

Dana Hoffmann

Der Mountainbike-Marathon "Black Forest Ultra" zählt zu den größten seiner Art in Mitteleuropa. Mehr als 4000 Menschen gehen regelmäßig an den Start. Jetzt ist der Streit um die so genannte Waldwegenutzungsgebühr so weit gekommen, dass die Veranstalter mit Rücktritt drohen. Eine Bestandsaufnahme.



Erhard Eckmann ist Vorsitzender des Organisationskomitees vom Ultra-Bike-Marathon und Eckmann ist wütend: „Der Staat will sich bereichern und dafür sollen wir jetzt abgezockt werden. Ich mach da nicht mit!“ Hintergrund des Ärgers ist die Wegebenutzungsanweisung des Landes Baden-Württemberg vom 19. Februar 2007. Darin steht, dass für jede Nutzung des Staatswaldes bei organisierten Veranstaltungen eine Gebühr erhoben wird.


„Wir sind keine kommerzielle Veranstaltung“, räumt Eckmann ein. „Niemand verdient am Marathon, die Startgebühren werden aufgeteilt zwischen den Vereinen, die die Streckenposten stellen und der Jugendarbeit im SV Kirchzarten. Alle Organisatoren, auch ich, arbeiten ehrenamtlich.“ Und das bereits seit 10 Jahren, in denen sich der Kirchzarten-Marathon zum größten Deutschlands entwickelt hat.



Letztes Jahr gingen 4.600 Fahrer an den Start, um jeweils auf 43, 77, 88 oder 115 Kilometern ihre Sattelfestigkeit unter Beweis zu stellen. „Wenn wir die Startgebühren erhöhen, um die Forderungen des Landes zu erfüllen, werden wir weniger Anmeldungen haben“, ist sich Eckmann sicher. „Außerdem bleibt bei so einer Gebühr nichts mehr für die Vereinsarbeit übrig.“

Er spricht von einer Gesamtsumme von rund 14 000 Euro, die er ans Land abgeben müsse. Eine Erhöhung des Startgeldes um gut 4 Euro pro Fahrer wäre die logische Konsequenz.

Von solchen Summen will Rita Geiger nichts wissen. Sie ist Mitarbeiterin des Kreisforstamtes und sagt: „Die Gebühr berechnet sich aus einem Satz von 5 Cent je Fahrer und Kilometer, die durch den Staatswald führen. Im Falle der Ultra-Distanz von 115 Kilometern wären das gerade mal 17 Kilometer und das bedeutet wiederum 85 Cent für jeden Teilnehmer zusätzlich.“



Der Rest der Strecke führe durch Gemeinde- und Privatwald, für diese gelte die Regelung aber nicht, so Geiger. Eckmann und sein Team bezahlen bisher eine Pauschale von 900 Euro an das Landratsamt, durch die neue Verordnung wären es rund 2 300 Euro. „Das Land nutzt das Geld zur Instandhaltung seiner Forstwege, die durch die Fahrradreifen oft ziemlich mitgenommen aussehen,“ so Geiger.

Eckmann ist skeptisch, was die Verwendung der Gelder angeht: „Wir können nicht nachvollziehen, wohin das Geld tatsächlich fließt. Der Staatswald gehört allen, man kann nicht einfach Geld damit machen.“ Die Behauptung, der Marathon stehe dieses Jahr wegen des Streits auf der Kippe, dementiert Eckmann: „Die Veranstaltung findet ganz normal statt, wir haben schon über 400 Anmeldungen.“

Allerdings droht er stellvertretend für das gesamte Organisationskomitee: „Wir stellen uns ganz klar dagegen. Dieses Jahr warten wir noch ab, ob sich die Geschichte von alleine regelt. Wenn nicht, trete ich zurück und das Team mit mir.“ Dann allerdings, so Eckmann weiter, wird es nächstes Jahr personelle Engpässe geben, was sich wiederum negativ auf das Rennen auswirken kann.



Ob das einen Ausfall der traditionsreichen Veranstaltung bedeuten kann, will er nicht sagen. Eckmann hofft darauf, „dass sich alles intern erledigt. Einige Leute im Amt sind dankbar, dass es uns gibt. Das Landratsamt unterstützt den Marathon prinzipiell, er ist bundesweit bekannt und deshalb auch für den Tourismus ein attraktives Aushängeschild.“

Dem widerspricht Rita Geiger nicht, allerdings, so betont sie immer wieder: „Wir müssen uns daran halten und die Anweisungen des Landes vollziehen.“ Dementsprechend wird die so genannte Waldwege-Maut sich bereits dieses Jahr in den Startgebühren des 10. Kirchzarten Ultra-Bike-Marathons niederschlagen. Ob die Starterzahlen wegen 85 Cent tatsächlich deutlich zurückgehen, wird sich zeigen.