Björn Haschke: Vom Popcornverkäufer zum Kino-Chef

Adrian Hoffmann

Björn Haschke hat während seiner Studienzeit das gemacht, was so viele Studenten machen: im Kino gejobbt und Popcorn verkauft. Aber anstatt sich weiterhin auf sein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik zu konzentrieren, befreite er fortan immer öfter die Säle von den klebrigen Überresten des Publikums. Heute ist er im frühen Alter von 29 Jahren ein Chef, erst war er das in Heilbronn - und seit Anfang Juni ist er Geschäftsführer des Freiburger Cinemaxx.



Es war eine große Verschiebeaktion: Der Geschäftsführer in Augsburg wurde befördert und in die Zentrale nach Hamburg einberufen, der Freiburger Geschäftsführer trat die Nachfolge in Augsburg an und Haschke kam aus Heilbronn nach Freiburg, um das größere Kino zu leiten. Die Situation ist eine andere - während in der Region Heilbronn ein Konkurrenzkampf zwischen den Kinos geführt wird, gibt es in Freiburg quasi keine Konkurrenz. Die Besucherzahlen rangieren bundesweit kontinuierlich unter den ersten zehn der Cinemaxx-Kinos.


Deshalb kümmert sich Haschke vor allem erstmal um eines: die stetige Modernisierung und Renovierung des Cinemaxx. Das fängt damit an, dass in den Sälen Becherhalter installiert werden. Denn auch wenn es auf den ersten Blick nicht auffällt, der Teppichboden verklebt immer mehr, und die Besucher bleiben manchmal fast dran hängen. "Mein Vorgänger hat das immer als eine besondere Art der Kundenbindung bezeichnet", sagt Haschke und lacht. Und um dieses Problem lösen zu können, werden jetzt nicht mehr nur nachts die Teppichböden eingeweicht, sondern die Ursache bekämpft ? auch wenn es was kostet. Wenn die Colabecher nicht mehr auf dem Boden stehen, können sie auch nicht mehr so oft umkippen.

Als Björn Haschke beim Kino anfing, konnte er sich noch den einen oder anderen Film anschauen, heute kommt er fast gar nicht mehr dazu. "Ich schaue nicht mehr Filme als ein ganz normaler Kinobesucher", sagt er. Sein letzter Film sei "Ab durch die Hecke" gewesen, eine Animations-Komödie, und es war mehr Zufall: Er hatte gerade einmal wieder Zeit, sich einen Film anzuschauen. Seine Arbeitstage sind lang, er hat auch immer wieder Schichtdienst, und so kann es schon mal sein, dass er bis 2.30 Uhr im Büro sitzt, um nach der letzten Vorstellung das Kino abzuschließen - auch das gehört für ihn zum Geschäftsführer-Job.

Seine Kernaufgaben sieht er neben dem Vorantreiben der Modernisierung im lokalen Marketing, im Planen von Kooperationen, und auch in der Personalauswahl. Wenn das Cinemaxx nicht die Harmonie-Kinos übernommen hätte, hätte er wohl auch über eine leicht veränderte Filmauswahl nachgedacht, sagt er - eine, die dem Freiburger Publikum gerechter wird. Aber so versuche er jetzt, die Harmonie zum Kino zu machen, in dem vermehrt Alternativen zu den Blockbustern gezeigt werden; das macht die Sache für ihn einfacher.

Wo er sich in zehn Jahren sieht, kann Haschke heute noch nicht beantworten. "Gute Frage, keine Ahnung", sagt er. Er könne sich vieles vorstellen, und es müsse gar nicht aufs Kino fixiert sein. Ganz recht wäre es ihm, wenn er bis dahin keine Fernbeziehung mehr führen müsste. Aber so wie es aussieht, wird aus seiner Fernbeziehung (er pendelt fast jede Wochenende nach Stuttgart) schon Ende des Jahres wieder eine ganz normale Beziehung.

Zur Person:

 
  • Björn Haschke wurde in Preetz bei Kiel geboren

  • Er hat 1997 das Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in Stuttgart begonnen und nebenher im Kino gejobbt - wo er innerhalb von fünf Jahren über Stationen als Gastroteamleiter und Serviceleiter zur Assistenz der Geschäftsführung aufstieg.

  • Danach studierte er Tourismus und Wirtschaft, kehrte aber im Februar dieses Jahres wieder zu Cinemaxx zurück, um den Geschäftsführerposten in Heilbronn zu übernehmen.

  • Seit Anfang Juni ist er Chef des Freiburger Cinemaxx.