Kommentar

Bitte mehr Respekt: OB Salomon verliert die Contenance

Frank Zimmermann

In der Debatte um das Siegesdenkmal hat Oberbürgermeister Dieter Salomon die Contenance verloren und ist bei seinem Angriff auf Sergio Schmidt, den jüngsten Freiburger Stadtrat, über das Ziel hinausgeschossen.

Bei vielen im Ratssaal sorgte das für Erstaunen. Der Rathauschef griff den 21-jährigen Sergio Schmidt von Junges Freiburg persönlich scharf an. Der hatte eine sehr zugespitzte, aber inhaltlich und rhetorisch gut aufgebaute Rede gehalten und bei Verwaltung und Gemeinderat mehr Sensibilität für "historisch prekäre Situationen" angemahnt.


Mancher im Saal fühlte sich auf den Schlips getreten und in die Revanchistenecke gestellt. Darüber kann man streiten. Doch Salomon machte sich über Schmidts falsche französische Aussprache lustig, sagte, dass seine Rede an dieser Stelle nichts verloren habe, da das Thema längst diskutiert sei, und bezeichnete Schmidts Aussagen über die Geschichte des Denkmals als Wikipedia-Wissen.

Schmidt war perplex. Auf seine Bitte, doch inhaltlich etwas zu seiner Rede zu sagen, ging der OB nicht ein. Dabei hatte Schmidt nicht bloß Fakten wiedergegeben, sondern diese sehr wohl eingeordnet. Es ist nicht das erste Mal, dass Salomon sich über einen Stadtrat lustig macht, aber mit Schmidt hat er einen der Jungen und Engagierten bloßgestellt – ohne Grund. In einem Stadtparlament sollte trotz gegensätzlicher Positionen ein fairer und vor allem respektvoller Umgang herrschen.