Bischof Huber flötet den Kuckuck

Franka & Isabella

Geistlicher Besuch im Rotteck-Gymnasium: Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, setzte sich vergangene Woche auf einen blauen Stuhl, um sich von zwei Schülern befragen zu lassen. Es ging unter anderem ums Lieblingsmüsli und das Leben nach dem Tod.



„Mit welchen drei Argumenten würden Sie mich zum Glauben bekehren?“, fragt der Atheist Malte Siemers zu Beginn des Gesprächs. Bischof Wolfgang Huber antwortet nach kurzem Überlegen. Erstens: Der Mensch strebe über sich hinaus. Er erkenne, dass es außer ihm noch andere Instanzen gebe. Zweitens: Das Leben sei ein Geschenk. Und drittens: Jeder mache Fehler und es sei gut, einen Neuanfang zu bekommen.


Die 250 Zuschauer klatschen. Ob Malte überzeugt ist, bleibt jedoch offen.

Während des gesamten Gesprächs macht Huber einen interessierten Eindruck und lässt sich für eine gute Antwort Zeit zum Nachdenken.

Mit dem Ausspruch „Es muss auch drin sein, was drauf steht“ gewinnt Huber Aufmerksamkeit. Die Kirche solle nicht nur Moralapostel spielen, sondern für die Menschen da sein und ihnen zuhören. Nur wenn die Kirche wieder „mehr Kirche“ werde, könne sie Verschleißerscheinungen (sinkende Mitgliederzahlen) vorbeugen.



Die Ökumene ist für Huber ein wichtiges Thema. Die evangelische und die katholische Kirche sollten einander gemäß ihres Leitsatzes „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ als ebenbürtige Gesprächspartner akzeptieren. Dabei müsse aber die Entstehung eines „Einheitsbreis“ vermieden werden.

Auf der Action-Bühne stellt Huber Spontaneität und rhetorisches Talent unter Beweis. Zu einem vorgegebenen Werbefilm soll er eine Lobrede auf die evangelische Kirche halten.

Huber bestellt selbst an der Angreif-Bar nur Wasser, verschmäht Berliner Wein als „nicht empfehlenswert“ und beantwortet charmant sämtliche Fragen: nach Lieblingsmüsli und Abistreich, Zeitmangel und Leben nach dem Tod.

Dann lässt sich der Bischof zu einem Flötenkonzert mit Laura Kehl hinreißen. Die beiden brillieren mit dem Kinderlied „Kuckuck“. Privat steht Huber eher auf klassische Musik.



Das Publikum ist enttäuscht als Laura und Malte kurz darauf das Ende des Gesprächs verkünden. Die beiden erwiesen sich als gut informierte Moderatoren, die keine Scheu hatten, auch in kniffligen Situationen nachzufragen.

Fotos: Dieter Kügele