Bildungsstreik: Frühling der Stühle

David Weigend

Rund 15 Mitglieder des Freiburger U-Asta haben heute Vormittag im Physikalischen Institut der Freiburger Uni zwei Stuhlberge aufgebaut, die den sogenannten Bildungsstreik symbolisieren sollen. Wir haben mit einem der Stuhlbergbauer gesprochen.



Man kann hohe Wetten darüber abschließen, dass ein Statement eines u-Asta-Mitglieds mit der Aussage beginnt: "Wir haben diese Aktion auf unserer Fachbereichsvollversammlung beschlossen." So auch heute, aus dem Mund von Manuel Frick.


Der 20-jährige Physikstudent gehört zum harten Kern der Bildungsstreikenden. Viele derjenigen, die im U-Asta etwas bewegen, sind im Übrigen Physikstudenten. Auch der barfüßig gehende Jonathan, der uns die Standorte der Stuhltürmle zeigt.



Jonathan und Manuel stehen im ersten Stock des Physik-Hochhauses an der Hermann-Herder-Straße und blicken auf den seltsamen Möbelberg, der aus ineinandergekeilten Stühlen besteht. Lustig: es sind auch Erstklässlerstühle dabei, mit denen man noch Lehreraufforderungen wie "Hör bloß uff mit dem Gautsche!" assoziiert.

Wer weiß, vielleicht würde auf der Art Basel sogar jemand Geld dafür bezahlen. Man könnte ja behaupten, das sei eine Hommage an Angela Köntjes "DIS-Position".



Irgendein Fatzke würde sich schon finden, der drei Millionen locker macht, die dann aufs Konto der Bildungsstreikenden fließen würden. Aber bleiben wir lieber bei den Tatsachen. Etwa 15 u-asta-Mitglieder und Physikstudierende haben die Stühle für die drei Installationen (die zwei anderen stehen im benachbarten Gustav-Mie-Haus) aus fünf Seminarräumen herbeigeschleppt und aufgetürmt.

In diesen Räumen wird bis heute Nachmittag kein Unterricht stattfinden. Es seien in diesem Zeitraum keine Klausuren geplant gewesen.

"Wir sehen den Frühling der Stühle als eine Art Blockade. So wollen wir Druck auf die Unis ausüben. Denen geht es nur noch um ihr Image, weil sie im Wettbewerb gut dastehen wollen."

Der U-Asta will gegen die Verwirtschaftlichung der Unis und die Entdemokratisierung der Hochschulen protestieren. "Viele Leute setzen sich mit den Problemen erst dann auseinander, wenn sie selbst unmittelbar betroffen sind", sagt Manuel. Bisher habe sich nur einer über die Installationen aufgeregt, alle anderen würden sie mit amüsiertem Interesse begutachten. So auch der Dozent für Clusterphysik Bernd von Issendorff (siehe Foto).



Manuel versteht den Frühling der Stühle auch als ein solidarisierendes Zeichen für die Kommilitonen in Frankreich. "Auch dort haben die Studenten immer weniger Mitspracherecht in den Gremien der Universitäten." Wer am Freiburger Bildungsstreik 2009 teilnehmen will, kann dies morgen um 10 Uhr bei der großen Demo am Stadttheater tun.



Mehr dazu:

Was: Demonstration "Freie Bildung für alle"
Wann: Morgen, Mittwoch, 17. Juni 2009, 10 Uhr
Wo: Stadttheater Freiburg