Bildungsstreik an der PH: Zum Auftakt eine Aula-Besetzung

Claudia Kornmeier

Gestern startete die bundesweite Bildungsstreikwoche: Demos, VVs, AVVs und AKs. In Freiburg begann die Bildungswoche mit einer weiteren Besetzung. Der Besetzung der PH Aula. Claudia war gestern Abend vor Ort.



Eigentlich war für heute Abend PH-Soliparty im Kamikaze geplant. Dazwischen kam der Beschluss der PH-Vollversammlung (VV), sich der Protestbewegung anzuschließen und die Aula zu besetzen. Statt im Kamikaze soll die Party nun in der PH-Aula stattfinden. In Littenweiler. Straßenbahnendhaltestelle.


„Der Beschluss war spontan und basisdemokratisch. Keine geplante Aktion“, sagt Florenz König (Bild unten rechts) aus dem UStA-Vorstand. „Wir haben nicht versucht, das in eine bestimmte Richtung zu lenken.“ Irgendwie standen die Suppentöpfe und die Kochplatte aber dann doch schon bereit.

20:45 Uhr. Die Band probt. Der Saal ist leer. Die Bar ist schlecht besucht. Der Suppentopf dampft. Neben der Kochplatte steht fertiger Salat in Plastikschalen herum. Die Raucher halten sich an das Rauchverbot. Und eine der ersten Regeln lautet: „Wer kotzt putzt“.

„Im Moment ist nicht viel los, das stimmt. Das ist die Lücke zwischen Plenum und Party. Jetzt sind die Leute erstmal nach Hause gegangen, um Schlafsäcke zu holen“, sagt Florenz.



Einige der Besetzer sind rüber gegangen, in das KuCa (Kulturcafé), ein selbstverwaltetes Café in den Räumen des AStA. Sofas und Sessel stehen um niedrige, verkrümelte Tische herum. Die Wände sind mit Plakaten beklebt. An der Bar kochen die Besetzer Kakao. Zum Durchhalten. Vorerst scheint es hier gemütlicher zu sein als in der Aula.

Im benachbarten Büro des AStA drängt sich der AK-Inhalt um einen Tisch. Der Tisch ist bedeckt mit Laptops und Papieren. Im Raum herrscht Stille. „Hier wird unser Positionspapier überarbeitet.“ Im Nebenraum sitzt noch ein AK. „Keine Ahnung welcher AK das ist. Ich weiß gar nicht genau, wie viele AKs heute im Plenum gegründet wurden.“

„Unser Positionspapier“ ist eine erste Zusammenstellung von noch nicht näher konkretisierten Forderungen, die der UStA zusammen mit dem AStA und dem Haushaltsausschuss, einem paritätisch besetzten Gremium, das sich aus Vertretern der Studenten, des Rektorats, der Professorenschaft und anderer Lehrkräfte zusammensetzt, ausgearbeitet hat. In der Vollversammlung wurde das Positionspapier vorgestellt, und bietet nun die Grundlage für die Arbeit des AK Inhalt.

Die wichtigsten Positionen lauten vorläufig: Studiengebühren sind sozial selektiv und müssen deshalb abgeschafft werden. Stattdessen muss das Land den Hochschulen ausreichend finanzielle Mittel bereitstellen. Private Drittmittel sind keine Alternative. Die Verschulung der Bachelor- und Masterstudiengänge wird kritisiert. Alle Bachelorabsolventen müssen die Möglichkeit haben, einen Master zu machen, da der Bachelor kein vollwertiger Abschluss ist. Außerdem wird Kritik an den Kosten für einen Masterstudiengang geübt.

Die Forderungen sollen sich vor allem an das Land richten, nicht an das Rektorat. „Wir sehen, dass der Uni hier teilweise auch die Hände gebunden sind“, sagt Florenz. Anlass für die Vollversammlung sei vor allem die finanzielle Situation an der PH gewesen. Als Beispiel: Von 24 abgeordneten Lehrern, Lehrer mit Schulunterrichtserfahrung, die an der PH dozieren, sollen in den kommenden Semestern nur noch drei übrig bleiben. Zudem sei der weitere Bestand von Angeboten wie dem PH Radio und Sprachkursen gefährdet.

Die meisten Studenten der PH studieren noch auf Lehramt. Angestrebter Abschluss: Staatsexamen. Wie Medizin und Jura schließt auch das Lehramtsstudium weiterhin mit einem Staatsexamen ab. Nach Informationen des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst diskutiert die Kultusministerkonferenz aber die Einführung gestufter Studiengänge für das Lehramt. „Wir sind gegen eine solche Umstellung“, sagt Florenz.



Während die Besetzung an der PH gerade erst beginnt, geht die des Audimax in die dritte Woche. Florenz ist davon überzeugt, dass das Potenzial der Freiburger Studenten für zwei Besetzungen ausreicht. „Die Besetzung an der PH soll den Protest ausweiten und unterstützen.“ Im Gegensatz zur Uni soll ein viel umfassenderer und umfangreicherer Forderungskatalog entstehen, der nicht auf konkrete universitätsinterne Forderungen begrenzt ist. „Wir möchten unsere Forderungen in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext betten.“ Die Forderungen der PH-Studenten bezögen sich daher auch auf die Mietsituation in Freiburg und das Schulsystem.

„Bildung darf nicht als Ware betrachtet werden, sondern muss für jeden zugänglich sein.“ Unter diesem Motto steht auch das Alternative Vorlesungsverzeichnis (AVV), in dessen Rahmen seit Montag Vorlesungen und Kurse von „Trommeln bis Marx“ angeboten werden. Wie beim Vorlesungsmarathon am letzten Freitag im Audimax stammen die Angebote von Professoren, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studenten gleichermaßen.

Ob die Studenten mit einer Räumung rechnen? „Vorerst nicht“, sagt Florenz. „Unser Rektor ist aber ein ziemlicher Hardliner. Am liebsten würde er selbst im Ministerium sitzen.“ Eine Räumung sei daher nicht auszuschließen. Eingangskontrollen wie sie die Studenten in Übereinstimmung mit dem Rektorat im KG II durchführen, hätte Florenz nicht zugestimmt. „Das ist ein reines Machtspiel. Ich wäre für ein härteres, konsequenteres Durchgreifen gewesen.“ Wenn man geräumt wird, dann müsse man eben wieder besetzen. Wie in Münster oder Tübingen.



In Kontakt getreten seien die Studenten mit dem Rektorat noch nicht. „Erst wollen wir unseren Forderungskatalog ausformulieren“, sagt Florenz. Er bezweifelt sogar, dass das Rektorat am Montagabend schon von der Besetzung weiß. Der Rektor Ulrich Druwe wusste zu dem Zeitpunkt tatsächlich noch nichts.

„Ich habe von der Besetzung erfahren, als ich die Plakate heute morgen gesehen habe.“ Erfreut sei das Rektorat wegen des organisatorischen Aufwands über die Besetzung natürlich nicht. Solange die Studenten aber friedlich bleiben, wolle man die Besetzung einstweilen tolerieren. Dass es zu diesem ja doch relativ späten Zeitpunkt noch zu einer Besetzung gekommen sei, habe ihn überrascht. „Irgendeine Aktion in der Form haben wir aber doch erwartet.“

21:45 Uhr. In der Aula ist jetzt etwas mehr los. Die meisten Studenten versammeln sich an den Eingängen und in den Ecken. In der Mitte bleibt ein leerer Raum. Fast wie auf einer Teenagerparty, auf der sich keiner zu tanzen traut. Derweil treffen weitere vereinzelte Studenten mit Isomatte in der Hand und Schlafsack am Rucksack ein. Manche kommen auch nur mit Bierflasche in der Hand.

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