Biker berfürchten: Entschärft die Stadt ihr "Bombenloch"?

Sina Gesell

Bald könnte das Bombenloch-Gelände in Zähringen zur dritten offiziellen Mountainbikestrecke in Freiburg gehören. Dies könnte zur Folge haben, dass die Schanzen entfernt werden.



Wenn Freiburg eine neue Mountainbikestrecke bekommt, fürchten sie um das "Bombenloch": Frederik Buch und Julian Schröer haben in unzähligen Arbeitsstunden unterhalb der Zähringer Burg Schanzen und Steilkurven angelegt. Wird das "Bombenloch" legalisiert, könnte es bald entschärft werden. Das könnte eine Bikeschule verhindern.


"Ich muss mich erst mal warm fahren", sagt Frederik Buch, während er sein Bike den Hügel nach oben schiebt. Wenig später ist er aus dem Sichtfeld verschwunden, kurz darauf ertönt ein Schrei: "Achtung, ich komme!" Äste knacken, Blätter rascheln, bis der Mountainbiker schließlich zwischen den Bäumen hervorschießt, über die Schanze springt, sein Bike zur Seite dreht, im Krater landet und auf der anderen Seite wieder nach oben fährt. "Wenn Freddy sich warm fährt, sieht das eben etwas anders aus", sagt sein Kollege Julian Schröer.

Die beiden haben nicht nur die Bauten angelegt, sie halten sie auch in Schuss. "So einen Spot gibt es in Freiburg sonst nirgends", sagt Buch und hängt seinen Helm an den Lenker, "wir wollen hier keinen zweiten Canadian Trail oder eine zweite Borderline." Denn Buch und Schröer wollen nicht nur Downhill fahren, sondern auch "richtig springen". Und das, so befürchten sie, könnte bald vorbei sein.

Vom Rosskopf nach Zähringen

Nämlich dann, wenn die Strecke vom Rosskopf nach Zähringen wie geplant zu einer offiziellen wird (die BZ berichtete). Forstamt und Mountainbikeverein tüfteln gerade, wo die Strecke langführen soll. Die würde dann über den Verein versichert. Nur fürs "Bombenloch" – es liegt in einem Privatwald – ist die Versicherungsfrage noch nicht geklärt, wie der stellvertretende Vorsitzende Arne Grammer sagt.

Eigentlich will sich der Verein die Arbeit, das "Bombenloch" instand zu halten, nicht aufhalsen, so Grammer. "Wenn, dann würden wir es ein bisschen entschärfen." Damit nicht nur Profis dort fahren können, sondern die breite Masse. "Das heißt aber nicht, dass wir die Sachen abreißen."

Bikeschule will vor Ort Training anbieten

Eine mögliche Lösung, die auch dem Verein entgegenkäme, gibt es schon: Wenn die Freiburger Bikeschule "2 cycle" das Gebiet versichert, könnte alles so bleiben, wie es ist, sagt Inhaber Noah Grossmann, der dort gerne Fahrtraining anbieten würde. Nächste Woche sollen die Gespräche mit Forstamt, Waldbesitzer und Verein fortgeführt werden.

Bisher zeigt sich die Stadt nicht sonderlich begeistert von einer kommerziellen Nutzung, wie Andreas Schäfer vom Forstamt deutlich macht. Er sähe lieber den Verein in der Pflicht. Auch müssten noch natur- und umweltschutzrechtliche Fragen geklärt werden. Dass die Strecke versichert werden muss, da sind sich alle Seiten einig – auch um die Haftungsfrage für den Waldbesitzer zu klären. Der lässt die Biker, wenn auch mit ungutem Gefühl, derzeit noch gewähren.

Grossmann von der Bikeschule hofft, dass das "Bombenloch" zum Szenetreff wird: "Das wäre ein Zugewinn für Freiburg." Derzeit seien die Strecken noch "recht mager", das Bombenloch sei eine Besonderheit. Fußgänger würden ihren eigenen Pfad bekommen, so Grossmann. Schon jetzt hängen selbst gebaute Wanderweg-Schilder an einigen Bäumen.

Unterhalb einer der größten Schanzen lockert Mountainbiker Schröer mit einer Hacke die Erde, später schleudert er sie dorthin, wo die Biker landen, und klopft sie fest. "Damit die Landung sanfter wird", erklärt der 31-Jährige, während Buch über seinen Kopf hinweg fliegt. Die Sonne, die zwischen den Bäumen hindurch scheint, spiegelt sich kurz in dessen Bremsscheiben.

"Es muss jeder selbst wissen, ob er sich das hier zutraut", sagt der 18-Jährige später, der seit seinem zwölften Lebensjahr Mountainbike und mittlerweile auch Weltcup-Rennen fährt. Vom Berg herunter kommen zwei Biker, ihre Trikots sind voller Dreckspritzer. "Supergeil" sei die Abfahrt, sagt einer. Um die Schanzen machen sie dann aber doch einen Bogen. "Das überlassen wir lieber Freddy." Der wartet oben schon auf das Signal, dass er endlich starten kann.

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[Foto: Thomas Kunz]