Bier- und Weinbikes in Freiburg: Umstrittene Fahrten mit Fahne

Miriam Jaeneke

Regelmäßig kurven ein Bierbike und ein Weinbike mit Feierwütigen durch Freiburgs Altstadt. Als ultimative Spaßfahrräder für Städtetouren und Feiern aller Art werden sie beworben. Doch sie sind auch hier umstritten und ihre Zukunft ungewiss - nicht nur wegen des Alkohols, der während der Fahrten konsumiert wird.



Eine Tonne wiegt ein Bierbike, bis zu 17 Personen und ein Fahrer haben Platz darauf. Das Bier kommt aus einer eigenen Zapfanlage, neben dem Alkohol sorgt eine Musikanlage für Stimmung. Je nach Tretleistung der Mitfahrer werden Bierbikes bis zu 6 km/h schnell. Seit etwa drei Jahren fahren auch durch Freiburgs Innenstadt ein Bier- und ein Weinbike. Die Freiburger Polizei sieht das als problematisch an. Rechtlich gelten die Bikes derzeit zwar als Fahrräder, sind aber, was Größenverhältnisse und Lenkbarkeit angeht, nicht mit normalen Fahrrädern vergleichbar.


Dieter Klipfel, Verkehrsreferent der Freiburger Polizei, stellt klar: „Im fließenden Verkehr stellen solche Fahrzeuge aufgrund ihrer Abmessungen und der geringen Fahrgeschwindigkeit beträchtliche Hindernisse dar. Das Verhalten der teilweise deutlich alkoholisierten Fahrgäste ist zudem geeignet, Verkehrsteilnehmer abzulenken oder zu gefährden. Aus diesem Grunde steht die Polizei der Inbetriebnahme solcher Fahrzeuge im öffentlichen Verkehrsraum äußerst kritisch gegenüber.“ Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, hat vor kurzem sogar ein Verbot von Bierbikes gefordert. „Es kann nicht sein, dass wir von Flensburg bis Passau intensiv gegen den Missbrauch von Alkohol im Straßenverkehr kämpfen und Bierbiker unbehelligt besoffen auf der Straße fahren dürfen.“

Bedenken bezüglich der Verkehrssicherheit halten die Betreiber von Bierbike Freiburg entgegen, seit der Inbetriebnahme der Bikes 2010 habe es nicht einen einzigen Unfall gegeben.



Bei Bierbikefahrten handelt es sich, das hat das Oberverwaltungsgericht Münster im November 2011 entschieden, um eine „erlaubnispflichtige Sondernutzung“. Die rechtliche Konsequenz: Die Fahrten dürfen auf bestimmte Straßen oder Zeiten beschränkt werden. Zwar duldet die Stadt Freiburg die Sondernutzung durch die Spaßgefährte derzeit, wie die Polizei- und Gewerbebehörde des Amts für öffentliche Ordnung mitteilte. Dies schließe jedoch nicht aus, dass bei Handlungsbedarf die Einstellung des Biernikebetriebs verlangt werde. Aus Rücksicht auf die Anwohner wurde im Bereich des Augustinerplatzes aus Lärmschutzgründen bereits ein Fahrverbot verhängt.

Freiburgs Erster Bürgermeister Otto Neideck nimmt zu der Problematik wie folgt Stellung: „Wir empfinden Bierbänke und Weinbänke, die mobil durch unsere Stadt fahren, nicht zwingend als Bereicherung des gesellschaftlichen Lebens, die Gesellschaft war und ist nicht ärmer ohne die Bierbikes. Aber wenn hier und da mal eine Bierbank fährt, geht das Abendland sicher auch nicht unter.“

Die Betreiber von Bierbike Freiburg werben damit, dass der Fahrer - der striktes Alkoholverbot habe - die schönsten Plätze und Sehenswürdigkeiten kenne. Rund 40 Prozent der Bierbike-Touren zögen auswärtige Gäste an. Dass tatsächlich Touristen das Bierbike mieten, um Freiburg zu besichtigen, davon ist Otto Neideck bisher noch nicht überzeugt: „Wenn mal das erste Bierbike den Schauinsland hochgefahren ist, glaube ich das auch.“

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[Fotos: fudder-Archiv]