Interview

Bianca Fritz liest in Freiburg aus ihrem Buch "Fremdsein"

Jonas Volkert

Der Hass, der ihr in Online-Kommentaren zu Artikeln über Flüchtlinge entgegenschlug, ließ Bianca Fritz nicht mehr schlafen. Sie wollte helfen – und entschied sich, ein Buch herauszubringen: "Fremdsein".

Sie leben in der Schweiz, kommen aber aus Deutschland. Wann fühlen Sie sich in Ihrer Wahlheimat fremd?
Bianca Fritz: Es gibt hier durchaus eine Form von Deutschlandfeindlichkeit. Ich habe das Gefühl, die kommt in Wellen. Aktuell ist es nicht so schlimm, aber ich kann mich an Zeiten erinnern, da wurde ich in Bars aufgrund meiner Deutschen Herkunft blöd angemacht. Zur Zeit bekommen es dafür umso mehr die Flüchtlinge ab. Ich glaube das liegt daran, dass deren Kultur den Schweizern noch fremder ist als die deutsche Kultur.


"Ich kann den Wunsch nach einer möglichst homogenen Gesellschaft verstehen."

Haben Sie Verständnis für Bürger in Deutschland, die Angst vor einer Überfremdung haben? Und die sich zunehmend fremd im eigenen Land fühlen?
Fritz: Jein. Ich kann den Wunsch nach einer möglichst homogenen Gesellschaft verstehen. Dahinter steckt ja die Idee, dass es weniger Konflikte gibt, wenn Menschen zusammenwohnen, die sich ähneln. Ob das richtig ist, weiß ich nicht. Aber eine einheitliche Gesellschaft ist schlichtweg unrealistisch in einer globalisierten Welt. Und: Überfremdung hieße ja, dass es mehr Fremde als "Einheimische" im Land gibt. Die Zahlen geben das überhaupt nicht her. Angst ist wohl resistent gegen Fakten. Das erklärt vielleicht auch, dass die Angst hier in der Schweiz auch groß ist, obwohl es in Deutschland viel mehr Flüchtlinge gibt.

Muss man das Fremdsein denn nur als etwas Schlechtes betrachten?
Fritz: Absolut nicht, es können durchaus auch positive Erlebnisse daraus resultieren. Das war uns auch beim Buchprojekt wichtig. Einige der Geschichten handeln von Missverständnissen der verschiedenen Kulturen, das kann durchaus zu heiteren Bereicherungen führen. Ich behaupte, es kommt immer darauf an, wie man miteinander und der Situation umgeht.
Lesung "Fremdsein", Dienstag, 11. Juli, 19.30 Uhr, Stadtbibliothek Freiburg, Münsterplatz 17, mit den Autoren Bianca Fritz, Pascal Reber und Patrick Tschan. Mit anschließender Diskussion. Der Eintritt ist frei.

Zur Person

Bianca Fritz (35) lebt und arbeitet in der Schweiz, kommt aber ursprünglich von der deutschen Seite des Bodensees. Die Journalistin war früher Redakteurin der Badischen Zeitung und leitet heute die Onlineredaktion eines Elternmagazins. Die Einnahmen aus dem Buchverkauf von "Fremdsein" gehen an internationale Hilfsprojekte für Flüchtlingskinder.