Fudder-Interview

Beyond – ein Film über Surfen, Skaten, BMX-Fahren und Tanzen in Afrika

Charlotte Janz

Vor drei Jahren hat eine österreichische Filmcrew eine Doku über die europäische Surfroute entlang des Atlantiks gemacht. Nun legt sie nach mit einem Film bis in den Senegal – und gibt Einblicke in wenig bekannte Surfgefilde. Ein Interview.

Ihr nennt "Beyond" einen Surffilm. Dabei spielen etwa auch Skaten und Tanzen eine Rolle. Wieso habt ihr das Genre gesprengt?

Andreas Jaritz: Wir wollten nie einen klassischen Surffilm machen. Das war auch bei unserem ersten Film so. "The Old, the Young & the Sea" widmet sich der europäischen Surfroute entlang der französischen, spanischen und portugiesischen Atlantikküste. In dem Film ging es uns zwar vor allem um verschiedene Perspektiven auf das Surfen. Aber selbst da war der ein oder andere Charakter dabei, der damit gar nichts am Hut hatte. Zum Beispiel ein Fischer. In unserem neuen Film, der afrikanischen Fortsetzung der Route entlang des Atlantiks, haben wir uns den Themen Träume und Selbstverwirklichung gewidmet. Das Surfen war dafür ein guter Ausgangspunkt – aber wir wollten uns nicht darauf beschränken. Lange stand gar nicht fest, ob "Beyond" wirklich ein Surffilm wird. Für uns ist der Film gerade so an der Grenze. Man hätte ihn auch nur als "African Documentary" bezeichnen können.

"Wenn man mit offenen Augen und Ohren und einem offenen Konzept losfährt, ist es zwangsläufig so, dass man hinter jede Ecke guckt und förmlich über Charaktere stolpert."

...aber?

Letztlich war es auch eine pragmatische Entscheidung. In die Surf-Community haben wir Kontakte. Surfer kennen häufig andere Individual-Sportler. Wir hoffen, dass sie aus dem Kino kommen und ihren Freunden, die BMX fahren oder skaten oder tanzen sagen: "Du musst den Film sehen, das Surfen hält sich echt in Grenzen." Leider hat die Betitelung als Surffilm auch ihre Nachteile. Auf klassischen Doku-Filmfestivals haben wir kaum eine Chance, weil wir von denen in die Action-Sport-Schublade gesteckt werden. So sehen wir den Film aber gar nicht.



Viele Szenen und Charaktere sind recht spontan entstanden. Wie habt ihr eure Protagonisten getroffen?

Einige Geschichten konnten wir bei Recherchereisen ausgraben. Wir sind vor dem Drehen einmal nach Marokko und einmal in den Senegal geflogen. Dadurch hatten wir manche Charaktere schon im Vorfeld im Visier. Über unseren Regisseur Mario Hainzl, der eine Weile im Senegal studiert hat, hatten wir zum Glück schon ein gutes Netzwerk. Vieles ist aber wirklich unterwegs passiert. Ayoub, der im Film als Surffotograf in Taghazout, Marokko, zu Wort kommt, war ursprünglich unser Guide. Vom Teil der Filmcrew ist er dann Teil des Films geworden, weil wir seine Geschichte spannend fanden. Ein anderes Beispiel ist der Tänzer aus Gambia. Den haben wir kennengelernt, als wir im Hotel seiner Eltern eine Nacht verbringen mussten. So etwas kann man im Vorfeld nicht planen. Manchmal ist Mario auf den Markt gegangen und kam mit einem Protagonisten zurück. Wenn man mit offenen Augen und Ohren und einem offenen Konzept losfährt, ist es zwangsläufig so, dass man hinter jede Ecke guckt und förmlich über Charaktere stolpert.



Seid ihr denn auch selbst zum Surfen gekommen?

Auf jeden Fall. Ich als Produzent vielleicht sogar mehr als die Kameraleute. Ich arbeite vor allem früh morgens oder spät abends und kümmere mich um die Tagesplanung, die Verrechnungen und so weiter. Wenn die anderen gedreht haben, konnte ich daneben stehen – oder eben selbst surfen gehen. Wir waren 90 Tage am Stück unterwegs. Und haben jeden Tag irgendetwas gedreht. Ich habe ganz bewusst darauf geschaut, dass jeder auch Zeit zum Surfen hatte. Sonst wirst du ja verrückt, wenn du drei Monate lang nur Wellen filmst und Storys hörst, aber selbst nicht gehen darfst.



Was war die brenzligste Situation auf eurer Reise?

Wahrscheinlich das Überqueren von einem alten Mienenfeld in Mauretanien. Wir hatten einen Fischer dabei, der den Weg kannte und uns mit den Jeeps durchgelotst hat. Hinter dem Mienenfeld liegt eine tolle Welle. Das Feld gilt als geräumt, aber natürlich sind da vereinzelt noch immer Mienen im Boden. Dann sind wir auch noch von einer Militärpatrouille erwischt worden. Die waren ziemlich sauer, dass wir in dem gesperrten Gebiet unterwegs waren und haben uns herauseskortiert. Wir hatten Glück, dass der Fischer der Sohn eins hohen Tiers beim Militär war. Sonst wären wir wahrscheinlich nicht so ungeschoren davongekommen.


Im Film sprechen einige davon, als erste Schwarze etwas zu tun, was bisher nur Weiße getan haben. "Beyond" ist ein Film von Weißen über Schwarze, von Europäern über Afrikaner. Ist das ein Problem, das ihr reflektiert habt?

Jaritz:
Essentieller Bestandteil des Films waren unsere einheimischen Führer. Wir haben immer Locals dabeigehabt. In Marokko haben wir mit einer Filmproduktionsfirma vor Ort zusammengearbeitet. In der Postproduktion waren arabische Übersetzer beteiligt – und zwar eine ganze Menge. Wir haben erst im Laufe des Drehs gemerkt, dass wir verschiedene arabische Dialekte aufgenommen hatten, für die wir unterschiedliche Übersetzer brauchten. Im Senegal stand uns ein alter Studienkollege unseres Regisseurs zur Seite, ein Soziologe. Der hat uns immer wieder korrigiert und davor bewahrt, eine europäische Sichtweise mit all den Klischees, die da mitschwingen, der senegalesischen Gesellschaft überzustülpen. Produzent, Regisseur, Kameraleute, die kamen alles aus Österreich und Deutschland, das stimmt. Aber der Film konnte nur so werden, wie er geworden ist, weil wir eng mit den Einheimischen zusammengearbeitet haben.
  • Was: Beyond. Dokumentarfilm
  • Wann: Sonntag, 12. November 2017, 20.45 Uhr
  • Wo: Kino Harmonie, Grünwälderstraße

Verlosung

fudder verlost unter allen Mitgliedern im Club der Freunde zwei Mal je zwei Tickets für "Beyond" in Freiburg. Um zu gewinnen, schicke eine E-Mail mit deinem Namen und dem Betreff "Endorphinmaschine" an gewinnen@fudder.de.

Sollten zu wenige Club-Mitglieder an der Verlosung teilnehmen, werden die Karten unter den restlichen Einsendungen verlost. Teilnahme ab 18 Jahren, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsendeschluss ist Freitag, 10. November 2017, 14 Uhr. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt.