Umstrittener Sonntagverkauf

Besuch im Freiburger Supermarkt, der an Heiligabend geöffnet hatte

Jelka Louisa Beule

An Heiligabend einkaufen? In Freiburg öffnete Johannes Ruf seine drei "Beckesepp"-Supermärkte. Ein Besuch kurz vor Ladenschluss im Markt an der Nägeleseestraße in der Wiehre.

An Heiligabend einkaufen? Um diese Frage hatte es in den vergangenen Wochen viele Diskussionen gegeben, weil der Beginn des Weihnachtsfestes auf einen Sonntag fiel. Die meisten Geschäfte in Freiburg blieben zu. Nur Johannes Ruf öffnete seine drei "Beckesepp"-Supermärkte – und rettete damit bei einigen Kunden das Festtagsmenü und den Familienfrieden.


Noch die letzten Besorgungen machen? "Die allerletzten", sagt Dennis Schmidt und rollt mit den Augen. Im Kinderwagen vor ihm sitzt Töchterchen Sophie, hinter ihr stecken drei Becher Sahne, Schokolade und Taschentücher im Ablagefach. Wegen der Sahne ist der 33-Jährige eigens nochmal losgezogen. "Die haben wir gestern beim Einkaufen total vergessen." Das wäre fatal fürs Weihnachtsmenü gewesen: Geplant ist ein Auflauf mit viel Gemüse und Fleisch. Die vergessene Sahne habe bereits für einige Aufregung in der jungen Familie gesorgt, berichtet Dennis Schmidt und lacht: "Jetzt ist der Frieden wieder hergestellt."

Sonderzuschlag für Verkäufer

Insgesamt ist von Vorweihnachtsstress an diesem Morgen jedoch wenig zu spüren. Der Laden ist gut besucht, aber nicht rammelvoll. "Und die Kunden sind sehr entspannt", berichtet Verkäufer Rasched El-Abed. Gemeinsam mit seinem Kollegen Van Tien Nguyen sorgt er bereits für Nachschub für die Zeit nach Weihnachten: Die beiden füllen Regale auf. Nur wenn die Schlangen an der Kasse länger werden, flitzt einer von ihnen nach vorne und macht eine weitere Kasse auf. Aber zwischendurch bleibt noch genügend Zeit, um einer Kundin den richtigen Wein zum Festtagsbraten zu empfehlen.

Dass er an Heiligabend arbeite, sei kein Problem, sagt Rasched El-Abed: "Wie der Name ja schon sagt: Heiligabend fängt erst am Abend an." Geschäftsführer Johannes Ruf hatte im Vorfeld betont, seine Mannschaft sofort beisammengehabt zu haben – die Verkäufer bekommen für ihren Einsatz einen Sonderzuschlag. Weniger begeistert war die Gewerkschaft Verdi: Sie hatte zu einem Einkaufsverzicht aufgerufen.

Kunde Hansjörg Volk hält die erlaubten Öffnungszeiten von drei Stunden für vertretbar. "Aber wir wären natürlich auch ohne über Weihnachten nicht verhungert", meint er. In seinem Einkaufskorb landen zwei Dosen Erbsen, Bananen und Joghurts – auch dies vergessene Kleinigkeiten vom Großeinkauf am Samstag.

Müsli und Milch für die Feiertage

Eingeschweißte Wurst und Flüssigseife, Rasierschaum und Bananen, Hundefutter und Brotaufstrich: Es sind zum Teil wilde Mischungen, mit denen die Kunden zur Kasse gehen. Gleich zwei junge Männer decken sich – ganz unfestlich – mit Müsli und Milch ein. Während die allermeisten nur Kleinigkeiten besorgen, füllt sich bei anderen der Einkaufswagen. "Ich bin gestern Nacht erst aus der Schweiz zurückgekommen", erzählt ein Kunde. Er sei deshalb froh, vor den Feiertagen noch einkaufen zu können. Ob der Laden geöffnet ist oder nicht, hat er sogar per Mail abgefragt. Auch eine Freiburgerin, die in England lebt und über Weihnachten zu Besuch ist, ist erst seit gestern Abend da. "Dass der Supermarkt heute auf hat, ist fantastisch", sagt sie. Dass in Deutschland über die Ladenöffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen heftig diskutiert werde, kann sie nach etlichen Jahren im Ausland nicht nachvollziehen. "Von England sind wir ganz anderes gewohnt."

Auch Geschäftsführer Johannes Ruf setzt sich seit langem für lockerere Öffnungszeiten ein. "Wir würden gerne jeden Sonntag aufmachen", sagt er. Mit dem Geschäft an Heiligabend sei er sehr zufrieden: "Es ist hervorragend gelaufen", berichtet er nach Ladenschluss. Für ihn habe der Tag einmal mehr gezeigt, dass die begrenzten Öffnungszeiten nicht mehr zu den heutigen Bedürfnissen der Kunden passen.

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