Bestens eingespielt: So war’s bei Ed Motta im Jazzhaus

Bernhard Amelung

Ed Motta ist ein Gigant im wahrsten Sinne des Wortes. Der brasilianische Jazz- und Soulmusiker hat im Jazzhaus am Donnerstag ein großes Konzert in intimem Rahmen gespielt.

Breite Schultern, Genießerbauch. Eduardo "Ed" Motta betritt die Konzertbühne des Jazzhaus. Er trägt eine schlammfarbene Hose und Sakko, darunter ein T-Shirt, das das Cover einer Schallplatte ziert. In der Dunkelheit des Jazzhaus-Kellers kann man kaum erkennen, von welcher Band das Cover stammt.


Motta, 1971 in Rio de Janeiro geboren, sammelt solche T-Shirts genauso wie er Schallplatten sammelt. Er selbst spricht von einer Obsession. Über 30.000 Schallplatten umfasst seine Sammlung. Jazz, Soul, Funk, Rock, streng alphabetisch sortiert, ausgehend vom Vornamen der Künstler, und kaum Musik nach 1983. Fünf Jahre später erscheint sein Debütalbum, das er als Frontmann und Sänger der Gruppe Conexião Japeri aufgenommen hat. T-Shirts besitzt er wahrscheinlich nicht ganz so viele, auch wenn er an diesem Abend noch seine Kleidung wechseln soll.



Um ihn herum versammeln sich die Musiker seiner Band. Das sind Arto Mäkelä an der Gitarre, Laurent Salzard am Bass, Matti Klein an Piano und Keyboard und Yoran Vroom am Schlagzeug. Dieselbe Besetzung wie bei seinem Freiburg-Debüt im November 2016. Sie sind bestens eingespielt. Jeder Einsatz, jedes Solo ist genau eingetaktet.

Ed Motta begrüßt das Publikum kurz. "Good evening, boa noite", was sich bei ihm nach "noidschi" anhört. Er hebt den Arm. Schlagzeuger Yoran Vroom arbeitet an Kick, Snare und HiHats einen treibenden, dichten Shuffle-Groove heraus. Matti Klein lässt die Akkorde am Klavier perlen. Mäkelä und Salzard schlagen die Saiten an Gitarre und Bass sanft an. Es ist diese unwiderstehliche Mischung aus Jazz, Soul, Soft- oder Yacht-Rock, mit der sich Motta seit seinem Debütalbum im Jahr 1988 einen Namen gemacht hat. Manche nennen diesen Stil auch Adult Orientated Rock (AOR). Musik um Bands wie Journey, Steely Dan oder den Doobie Brothers.

Mit dieser Musik wächst Ed Motta in Rio de Janeiros Stadtteil Tijuca auf, wo auch Jorge Ben, Tom Jobim und Milton Nascimento zur Welt kamen, die Großen der populären brasilianischen Musik. Und natürlich auch Tim Maia (1942-1998), Mottas Onkel mütterlicherseits. Maia führte Soul und Funk mit Bossa Nova zusammen und sang mit expliziter Sprache über Lust und Laster, sexuelles Begehren, Drogenrausch – und seinen UFO-Glauben.



Mit UFOs hat es Ed Motta nicht so. Dafür aber mit der Musik aus Science Fiction-Serien und -Filmen der Sechziger- und Siebzigerjahre. Raumschiff Orion zum Beispiel. "Kennt diese Serie jemand außer mir?", fragt er das Publikum im Jazzhaus. Überhaupt Serien, Filme, Literatur. Motta brennt für nischige Arthouse-Produktionen und Hollywood-Blockbuster. Eine weitere Obsession, wie er sagt.

Motta mag auch Tom Selleck in seiner Rolle als Magnum. "Was für ein Schnurrbart. Unmöglich, damit Vanilleeis zu schlecken", sagt er und stimmt "Playthings of Luv" an, das 2013 auf dem Album "AOR" erschienen ist. Ein Song wie geschaffen für eine Ausfahrt mit einem Chevrolet Bel Air oder Cadillac Eldorado. Entspannt zurücklehnen, in den Sonnenuntergang cruisen. Dazu passen auch "Lost Connection to Prague", der Opener auf seinem im Frühjahr 2018 erschienenen Albums "Criterion of the Senses", sowie "Your Satisfaction is Mine", das auf demselben Album enthalten ist.



"Criterion of the Senses" endet mit dem Song "Shoulder Pads". Der spricht bereits im Titel das vielleicht bunteste Jahrzehnt in Mode und Musik an. Bei Ed Mottas Auftritt im Jazzhaus kommt es an diesem Abend frisch und lebendig daher. Ohne Nostalgiegedusel und kitschige Gesten. Er tupft sich den Schweiß von der Stirn, steht auf. "Thank you, good night. Obrigado, boa noite", sagt er und geht. Wahrscheinlich Serien gucken und einen ausgewählten Rotwein trinken. Eine weitere Obsession, die er pflegt.

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