Freiburg-Stühlinger

Besetzer haben Gebäude vor der Räumung verlassen

Sina Schuler

Bei der Räumung der Fehrenbachallee 52 waren die Besetzer schon nicht mehr im Gebäude. Die Polizei, die Sachbeschädigungen festgestellt hat, ermittelt nun.

"Wir mussten handeln", sagt Polizeisprecher Jerry Clark auf BZ-Anfrage. Das Land Baden-Württemberg, das Eigentümer des ehemaligen Gebäudes der Umwelt- und Gewerbepolizei im Stadtteil Stühlinger ist, hatte nach Polizeiangaben Strafantrag gestellt. "Wir haben keine Handhabe, wir müssen die Straftat beenden." Konkret wird den Besetzern Hausfriedensbruch vorgeworfen.


Anzahl der Besetzer ungewiss

Die Polizei hatte versucht, "mit kommunikativen Mitteln" die Hausbesetzer aus dem Gebäude zu bekommen, so Clark. Das hat offenbar nichts gebracht: "Wir räumen jetzt", sagt Clark am Nachmittag. Gegen halb vier meldet der Sprecher, dass die Beamten bei der Räumung keine Personen mehr in dem Gebäude angetroffen haben. "Wir haben Sachbeschädigungen festgestellt", sagt Clark, "unter anderem Farbschmierereien." Die Polizei hat 22 Menschen befragt, die sich in der Nähe aufhalten. "Nun prüfen wir, ob diese Personen mit der Hausbesetzung in Zusammenhang stehen." Den Verlauf des Einsatzes beschreibt Clark als friedlich.

Am Samstag waren etwa 50 Menschen einer Gruppierung, die sich "WG Freiburg" nennt – "WG" steht für "Wohnraum gestalten" – in das Gebäude eingedrungen. Die Besetzung erfolgte im Nachgang einer Demonstration gegen die geplante Verschärfung des Polizeigesetzes in Baden-Württemberg, die in der Innenstadt stattgefunden hatte.

Zeichen gegen Wohnungsnot

Nach Angaben der Besetzer steht das Gebäude seit Monaten leer. "Mit unserer Besetzung setzen wir der spekulativen Wohnraumpolitik aktiv Enteignung und selbstverwaltete Vergesellschaftung entgegen. Hier entsteht ab sofort ein antiautoritärer, emanzipatorischer Raum – gestaltet ihn mit!", heißt es in einer Pressemitteilung. Die Linke Liste hat sich mittlerweile mit den Hausbesetzern solidarisiert: "Angesichts der herrschenden Wohnungsnot ist Leerstand ein absolutes No-Go und bei einer Immobilie in öffentlichem Besitz ein noch größerer Skandal", so Vorstandsmitglied Gregor Mohlberg.

"Volles Programm" im besetzten Haus

Im Laufe des Wahlsonntags sei ein "volles Programm mit Kaffee, Jam-Sessions, Party und einer Lesebühne" entstanden, wie die Organisatoren mitteilen. Diese hatten mit einer Räumung gerechnet. "Nichtsdestotrotz hält uns dieses Bedrohungsszenario nicht davon ab, Pläne zu schmieden, was hier in den kommenden Tagen und Wochen entstehen kann." In der Pressemitteilung nennen sie Vorschläge für eine mögliche Nutzung.

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