Besetzer antworten auf Stellungnahme des Rektorats

Nadine Paulus

Nachdem das Rektorat der Uni Freiburg gestern erstmals Stellung zum Forderungskatalog der protestierenden Studenten genommen hat, folgte heute die Antwort der Unibesetzer. Ob das Audimax nun wirklich geräumt wird, ist noch unklar. Fest steht allerdings: so leicht wollen die Besetzer sich nicht zufrieden geben.



Von den Studierenden war die Stellungnahme des Rektorats lange erwartet worden. Erst gestern, einen Tag nach der offiziellen Deadline am Montag und nachdem bereits eine Gruppe von Studierenden mit der Besetzung des Rektorats gedroht hatte, lag sie dann vor. Die Besetzer zeigten sich in ihrer Reaktion allerdings versöhnlich: Die Stellungnahme sei außergewöhnlich umfangreich und man begrüße es, dass das Rektorat erstmals zu einigen Punkten klar Position bezieht. "Das Rektorat hat nun auch erstmals zugegeben, dass einige unserer Forderungen richtig und unterstützenswert sind", so Besetzer Clemens Weingart.


Einige Positionen der Unileitung stoßen bei den protestierenden Studenten allerdings auf Kritik. So zum Beispiel die Aufforderung des Rektorats, die inhaltliche Diskussion innerhalb der offiziellen Gremien weiterzuführen. Die Besetzer kritisierten, dass in diesen Gremien die Studenten in der Minderheit seien. Ihre Meinung habe daher zu wenig Gewicht. Außerdem mache das Rektorat in seiner Aussage eine Trennung zwischen offiziellen studentischen Gremien und Unibesetzern, die faktisch nicht vorhanden sei. "Die studentischen Gremien nehmen viel mit aus der Besetzung, wir befruchten uns da gegenseitig", sagt Uniratsmitglied Henrike Hepprich.



Kritik erntete das Rektorat auch für seine Thesen, dass Studiengebühren weder die Aufnahme und Durchführung eines Studiums verhinderten, noch zur sozialen Selektion führten. Die in der Stellungnahme angeführten Studien sind nach Ansicht der Besetzer schlichtweg falsch zitiert. Generell gebe es noch einige Punkte, in denen man weiter nachbohren werde. "Das Rektorat wird sich noch in einigen Positionen erklären und mit offenen Karten spielen müssen", bekräftigte Clemens Weingart und lud das Rektorat erneut zur Diskussion ein.

Wo diese Diskussion stattfinden wird, ist noch unklar. Ob die Studierenden – wie vom Rektorat gefordert – ihre Besetzung des Audimax aufgeben werden, wird sich erst morgen in der Vollversammlung entscheiden. Die Besetzung sei wichtig gewesen, um gemeinsam mit einer breiten Masse an Studierenden die Forderungen erarbeiten zu können, so Henrike Hepprich. Die Vollversammlung müsse nun klären, ob noch Bedarf bestehe, das Audimax weiter in dieser Form zu nutzen.

Dass es in Freiburg, wie in anderen Städten, zur Räumung durch die Polizei kommen wird, glauben die Besetzer nicht. "Die Unileitung hat sich bisher so tolerant gezeigt, da werden sie auch noch ein wenig länger Geduld mit uns haben", sagt Thomas Seefried von der Studiengebührenberatungsstelle des u-AStA. Länger als bis Weihnachten werde wohl ohnehin keiner im Audimax bleiben. Eine freiwillige Räumung des Audimax bedeutet für Henrike Hepprich allerdings auch kein Ende des Protests: "Wenn wir gehen, dann nur, um uns anderen Protest- und Arbeitsformen zu widmen."

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