Berührung eines Schnabeligels

Lilian Kaliner

Nach Buschfeuer und Nächten mit 36 Grad nehmen sich Lilian und Patrick eine Australien-Auszeit. Spontan buchen sie von Melbourne eine Passage auf der Spirit of Tasmania. Danach präperieren sie den Bus. Die ollen Orangen raus, die Gasflaschen für den Kocher unters Bett versteckt. Tasmanien hat strenge Einfuhrgesetze.



In der Schlange zur Fähre hat uns ein Kerl in komischem Englisch zwanzig Liter Benzin angeboten. Der Mann stellt sich als Martin aus Deutschland heraus. Der Benzinkanister ließ sich wohl nicht so gut verstecken wie unsere Gasflaschen. Immerhin haben wir Gesellschaft gefunden für die elf Stunden Überfahrt. Das Schiff ist sehr groß und vermittelt fast schon Kreuzfahrtgefühle, auch wenn Backpacker wie wir sich natürlich nur einen Sitzplatz und keine Kabine leisten können. Die Überfahrt vergeht trotzdem schneller als gedacht. Um halb sieben Uhr früh kommen wir in den Hafen von Devonport. Tasmanien hat uns auf den ersten Blick gefallen, trotz Regen und die für uns als kühl empfundenen 18 Grad.




Jetzt, eine Woche später, sind wir total verliebt in die Insel. Das Wetter hat zwar immer noch etwas von deutschem April und die Nächte im Van sind frisch, doch es gibt hier so viel auf kleinem Raum zu sehen.

Kurz nach unserer Ankunft in Devonport treffen wir uns mit einem deutschen Paar, mit dem wir auf der Kirschfarm gearbeitet haben. Wir fahren nach Stanley im Nordwesten der Insel. Dort watscheln jeden Abend unzählige Miniaturpinguine, nur 20 Zentimeter groß, auf dem Weg zu ihren Nistplätzen über den Strand. Winzige Pinguine, die über viel zu große Steine klettern, ein unvergleichbarer Anblick. Gelegentlich fällt einer um und liegt mit den kleinen Flügelchen auf dem Rücken. Fotografieren darf man sie nur ohne Blitz, weil die Pinguine sonst blind werden.



Gestern hat sich ein großer Wunsch für mich erfüllt. Wir haben ein Platypus, also ein Schnabeltier, in einem Schnabeltierhaus gesehen. Beeindruckend, es soll sie auf der ganzen Insel geben, vor allem an Flussufern. Anfassen darf man im Schnabeltierhaus die Echidna, ich würde sie mal frei als Langnasen-Igel beschreiben.



Anders als auf dem Australische Festland sieht es hier ein wenig aus wie in England. Rauhe Küsten und ein hügeliges Inland, in manchen Gebieten sieht es aus wie im Schwarzwald. Immer wieder sagt einer von uns: schau mal da, wie daheim! Wasserfälle, Wanderungen und vor allem die Ruinen der Sträflingskolonien aus der Gründerzeit stehen noch aus.