Bertold wird abgerissen

Uwe Mauch

Freiburg verliert ein Wahrzeichen – zumindest für viereinhalb Monate: Der Gleissanierung im Stadtzentrum muss das Bertoldsbrunnen-Denkmal weichen. Doch das ist bei Weitem nicht das größte Problem.



Bertold muss weichen. Viereinhalb Monate lang wird Freiburg ein Wahrzeichen fehlen, wenn die Verkehrs-AG im nächsten Jahr die Gleise im Stadtzentrum saniert. Das drei Millionen-Euro-Projekt hat allerdings den Einzelhandel aus anderen Gründen aufgeschreckt: Ein Bauzaun wird die Fußgänger zu erheblichen Umwegen zwingen. Die Werbegemeinschaft "Z’Friburg in der Stadt" fordert zumindest einen Übergang. Geht nicht, sagt die Verkehrs-AG.


Das hat der reitende Bertold noch nicht erlebt, seit der Brunnen im Jahr 1979 seinen derzeitigen Standort auf der Kaiser-Joseph-Straße gefunden hat – das Denkmal samt Brunnenanlage soll verschwinden. Vom 12. Mai bis 14. September nächsten Jahres werden auf der Kajo zwischen Martinstor und Bertoldsbrunnen und auf der Bertoldstraße zwischen Brunnen und Buchhandlung Walthari die Gleise samt Unterbau erneuert. Außerdem tauscht die Badenova AG Freiburgs ältesten Abwasserkanal aus dem Jahr 1896 aus.

Dass die Sanierung dringend nötig ist, ist unstrittig. Die Schienen sind verschlissen, Fundamente gar nicht vorhanden. Immer wieder brechen Weichen. Dennoch stößt die geplante Vorgehensweise der VAG auf Widerstand. Vor allem der geplante Bauzaun (siehe Grafik).



Zehn Wochen lang könnten Passanten die Kajo zwischen Martinstor und Schusterstraße nicht mehr queren, weitere acht Wochen lang soll die Blockade bis zur Grünwälderstraße reichen. "Das hätte erhebliche Kundenverluste und Umsatzeinbußen zur Folge", sagt Wolfgang Knoll, Geschäftsführer der Galeria Kaufhof und Vorstandsmitglied von "Z’Friburg in der Stadt", einer Werbegemeinschaft der Innenstadthändler. "Man kann doch Freiburg nicht so lange lahmlegen." Für einzelne Geschäfte könne das sogar existenzbedrohend werden. Er fordert zumindest eine Querungsmöglichkeit.

VAG sieht Querung und Brücke als nicht machbar an

Außerdem stellt Wolfgang Knoll die Frage nach der Sicherheit: Wie sollen die Menschenmassen an Samstagen gesteuert werden? Von der VAG habe er noch keine befriedigenden Antworten erhalten. Unterstützung kommt vom Lokalverein Innenstadt. Christian Himmelsbach vom Vorstand des Bürgervereins hält einen Übergang für wünschenswert.

Das städtische Unternehmen sieht allerdings keine Alternative. "Wir wollen schnell bauen, und wir brauchen den Bauzaun als Absicherung", sagt VAG-Sprecher Andreas Hildebrandt. Eine Querung sei ebenso wenig machbar wie eine Brücke. Doch alle Geschäfte blieben während der gesamten Bauzeit erreichbar, wenngleich die Durchgangswege bei den Arkaden eng würden. Wenn dann die Bagger anrollen, bleiben die Bahnen draußen. Die VAG wird ihre Trams wie am Rosenmontag fahren lassen. Zudem werden Busse ab Schwabentor in zwei Linien zum Bahnhof und zurückgeschickt – einmal via Schlossbergring, einmal via Schnewlinstraße. Damit sollen alle Ecken der Stadt auch ohne Straßenbahn erreichbar bleiben.

Dallmann hält die Pläne der VAG für schlüssig

Anfang Oktober sind weitere Gespräche zwischen VAG und Handelsbetrieben geplant. Wirtschafts- und Tourismusförderer Bernd Dallmann hält die Pläne der VAG für schlüssig. Damit Freiburg auch während der Großsanierung als Einkaufsziel attraktiv bleibt, will er Baustellenmarketing betreiben: mit Informationen, Aktionen. "Da muss man sich was einfallen lassen und ein Ereignis daraus machen." Dass der Tourismus wegen der Baustelle leidet, glaubt er indes nicht: "So schnell spricht sich das nicht herum", sagt der Geschäftsführer der "Freiburg, Wirtschaft, Touristik und Messe GmbH". Und außerdem blieben ja 98 Prozent der Sehenswürdigkeiten erlebbar.

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[Foto und Grafik: Badische Zeitung]