Kunst

Berto Larderas Skulptur "Heroischer Rhythmus" ist in die Freiburger Öffentlichkeit zurückgekehrt

Martin Flashar

Die bedeutende Stahl-Skulptur "Heroischer Rhythmus IX" des italienischen Bildhauers Berto Lardera steht nun am südlichen Ende der Stefan-Meier-Straße, in Sichtweite der Bahnhofsachse.

Mit Kunst im öffentlichen Raum hat es eine eigene Bewandtnis: Sie bedeutet Bereicherung, ist wesentlicher Aspekt kultureller Bildung, selbst dann, wenn sie nur am Rande und aus dem Augenwinkel wahrgenommen wird. Aber sie kostet auch nach der Anschaffung Geld und bedarf der Pflege. Und die Orte, für die sie gedacht war, unterliegen der Veränderung.


Ein beredtes Freiburger Beispiel gibt die bedeutende Stahl-Skulptur "Heroischer Rhythmus IX" des italienischen Bildhauers Berto Lardera (1911–1989).

Am 15. März 1969 wurde das Werk im Innenhof der Uni-Kollegiengebäude feierlich eingeweiht. Eine Ausstellung im Kunstverein mit kleinformatigen Metallplastiken des Künstlers schloss sich an, die 150. Ausstellung des Kunstvereins nach Kriegsende, damals noch in der seit 1949 genutzten "Kunstscheune" in der Talstraße 12a.

Anlass für politischen Protest

Der Auftrag für die Arbeit erging 1967 an Lardera, der seit den 1950er Jahren international in Erscheinung trat, bei den ersten drei Documenta-Projekten in Kassel, zuvor schon bei der Biennale in Venedig. Visuelle Eindrücke aus der Jugend als Sohn eines Werftarbeiters in La Spezia am Golf von Genua blieben haften: Seine großformatigen Aufbauten aus zwei oder drei, unterschiedlich konturierten Stahlblechen bekommen durch ausgestanzte Freistellen und ihre winklig-verschweißte Zuordnung Rhythmus und multiple Raumwirkung. Das ist das Heroische an ihnen. Die Verwendung verschiedener Metalle suggeriert "Farbigkeit", ohne Bemalung. Wie bei Richard Serra spielt die Korrosion mit rostbrauner Rötung eine Rolle im Konzept.

Die Kunst am Bau zum neuen Kollegiengebäude III rief Debatten hervor: Künstler und Studenten hatten in einer Vorab-Befragung am häufigsten die Namen Henry Moore und Berto Lardera genannt. Nach der Aufstellung lieferte das Werk, dekoriert mit roter Fahne und ausgedienten Autoreifen, Anlass für politischen Protest gegen überkommene Hochschulstrukturen – es galt nicht als "politisch" genug und zu "ästhetisch".

Skulptur musste 2010 weichen

Der zuständige Baudirektor Walter Müller notierte: "Viele Verbindungslinien der Dozenten und Studierenden führen über diesen Platz und kreuzen sich hier mit den Wegen Freiburger Bürger und Besuchern der Stadt. Wechselnde Raumerlebnisse entstehen. Wenn irgendwo, ist hier von einem offenen Raum der Begegnung zu sprechen." Michael Ott, Vorsitzender des Berufsverbands Bildender Künstler (BBK)-Südbaden empfindet es auf Nachfrage heute ähnlich: "Ich fand den Ladera nicht einfach nur ‚gut‘. Ich fand ihn an diesem Ort gut. Kunstwerke sind in meinen Augen nicht einfache Deko-Stücke, bei denen es letztlich egal ist, ob sie im Regal weiter links oder rechts oder oben oder in einem anderen Zimmer stehen."

Alles änderte sich 2010: Die Skulptur musste weichen, es kam der "Platz der Weißen Rose", versiegelt mit Granit. Der Standort der Lardera-Plastik, Michael Ott erinnert sich, "wurde durch den Abluftschacht einer Tiefgarage ersetzt", die Skulptur passte nicht in die neue Ästhetik. Der darüber errichtete Brunnen sprudelt schon längst nicht mehr. Nach knapp zehnjähriger Zwischenlagerung wurde der Stahl jetzt gereinigt, keine Graffiti oder auch Spur des Alters mehr, und nun neu aufgestellt: am südlichen Ende der Stefan-Meier-Straße, in Sichtweite der Bahnhofsachse, neben dem Haus Nr. 17. Dort steht das Institut für Biochemie und Molekulare Zellforschung der Universität. Zu dessen Neubau hatte es 2009 ebenfalls einen Kunst-am-Bau-Wettbewerb gegeben: Jury-Resultat war die Plastik "Augenloses" von Reiner Maria Matysik, ein sprechendes, weißes Seeanemonen-artiges Polyester-Gebilde mit Tentakeln, passend zum Forschungsort. Im September 2015 wurde das Objekt von Unbekannten angezündet und zerstört. Gegen Vandalismus gab es keine Versicherung des Landes, eine Neuversion scheiterte aus Kostengründen.

Ist die Neuplatzierung der Lardera-Skulptur gelungen? Zunächst wird jeder Kunstfreund begrüßen, dass sie der Öffentlichkeit wieder zugänglich ist. Die Einschränkungen sind: Einen inhaltlichen Bezug zum Gebäude der Molekularbiologen gibt es nicht – den hatte Matysik gefunden. Larderas Arbeit lebt von zentraler Platzierung. Nicht nur ihre Allansichtigkeit, auch Schwung und Dynamik des Stahls müssen eine Sogwirkung auf die Betrachter entwickeln. Das funktionierte tatsächlich im Innenhof der Kollegiengebäude. Dennoch, es bleibt am Ende ein positiver Rückgewinn.

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