belauscht.de: Der große Lauschangriff

Joana Jäschke

In einem Café, die Kellnerin zu einem turtelnden Pärchen: "Ich bin gerade frisch getrennt und vertrage so viel Romantik nicht, könnt Ihr vielleicht wiederkommen wenn Ihr Euch streitet!?" – dies ist nur eins von mehr als 600 Zitaten, die auf der Website belauscht.de archiviert sind. Frei nach dem Motto "Deutschland spricht. Immer und überall. Millionenfach. Deutschland lauscht. Immer und überall. Millionenfach." belauscht.de will die Plattform für Deutschland im O-Ton sein.



Ungewollt mitgehörte Dialoge, Szenen und Zitate werden hier in unterschiedlichen Rubriken gesammelt und wiedergegeben. Die meisten Beiträge stammen aus den Kategorien „Befördert – in Bus und Bahn“ und „Bevormundet – Kindermund“.


Die User können aufgeschnappte Absurditäten aus dem deutschen Alltag an diebelauscht.de-Redaktion schicken. Durchschnittlich fünf Zitate erhalten die Macher der Seite jeden Tag. Nicht alle sind brauchbar. Denn es kommt den vier Augsburger Studenten vor allem auf die Authentizität der O-Töne an.

Immer wieder erhalten die belauscht-Macher Felix Anschütz (24), Nico Degenkolb (24), Krischan Dietmaier (25) und Thomas Neumann (24) Zitate, die jeder schonmal gehört hat. Wie zum Beispiel der Radiomoderator, der spätnachmittags „Schönen Tag allerseits – guten Morgen, liebe Studenten!“ verkündet.

Schwierig sind auch Kalauer wie die immer wieder gern zitierte Orchesterprobe-Geschichte: „Alle Bläser, die jetzt noch keinen Ständer haben, können hochkommen und sich einen runterholen!“ Solche Sprüche werden vorher aussortiert, wenn die Jungs an ihrer Glaubwürdigkeit zweifeln. „Belauscht.de lebt von der Echtheit der Sprüche“, meint Felix, einer der Mitgründer. „Es geht gar nicht immer darum witzig zu sein, sondern uns ist der O-Ton wichtig.“



Die Idee dazu brachte Krischan, der ursprünglich aus der Nähe von Freiburg stammt, aus dem Finnland-Urlaub mit, wo Freunde von ihm eine ähnliche Homepage betreiben. Eigentlich geht aber alles auf die Mutterseite overheardinnewyork.com zurück.

Seit August 2006 ist der große Lauschangriff nun auch in Deutschland online. Mehr als 3000 Besucher klicken täglich auf belauscht.de. Geld verdienen die Studenten damit allerdings nicht. Sie wollen ihre Seite nämlich sauber halten und verzichten deshalb auf aggressive Pop-Up- und Bannerwerbung.



Die Lust am Lauschen ist den vier Jungs (Bild oben: Felix, Krischan, Thomas und Nico) noch nicht vergangen. Im Gegenteil: „Wir sind schon hellhöriger geworden“, sagt Felix „aber wir sind jetzt nicht ständig auf der Suche nach neuem Input für die Site.“

Krischan wartet auf den Tag, an dem jemand mal einen Spruch von ihm aufschnappt und ihn für belauscht.de vorschlägt. Deshalb heißt es ab sofort: Egal ob im Café, im Bus oder auf der Straße - Ohren spitzen und lauschen, lauschen, lauschen!

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