Bekommt Freiburg eine Helmut-Kohl-Straße?

Felix Klingel

Am vergangenen Wochenende wurde Altkanzler Helmut Kohl beigesetzt. Jetzt gibt es Diskussionen, ob in Freiburg eine Straße nach ihm benannt werden soll. Doch der Vorschlag könnte schon an den harten Vorgaben der Stadt scheitern.

Im Freiburger Gemeinderat gibt es Stimmen, die sich eine Helmut-Kohl-Straße in Freiburg wünschen. Die Stadtverwaltung hat dagegen noch keine Pläne, dies umzusetzen: "Helmut Kohl steht bisher nicht auf der Vormerkliste", sagt Martina Schickle, die Pressesprecherin der Stadt. Das ist Voraussetzung für eine Straßenbenennung. Um auf die Vormerkliste zu kommen, muss eine Person aber bestimmte Kriterien erfüllen.


Vorschläge für Straßennamen kann grundsätzlich jeder an die Stadtverwaltung schicken. Dann prüft das Stadtarchiv anhand festgelegter Kriterien, ob die Person geeignet ist. Grundvoraussetzung ist, das der Vorgeschlagene herausragende Leistungen vorzuweisen hat. Außerdem müssen zwei der drei folgenden Kriterien erfüllt sein: Freiburg-Bezug, Sichtbarmachung der Leistung von Frauen und Würdigung der Opfer von Verfolgung.

Kohl erfüllt die Kriterien wohl nicht

Die Kriterien wird Kohl wohl kaum erfüllen. Die CDU-Fraktion im Gemeinderat hält ihn trotzdem für einen geeigneten Kandidaten: "Wir sehen seine Person und sein Wirken als so herausragend an, dass eine Ausnahme angemessen ist", sagt Carolin Jenkner, kulturpolitische Sprecherin. Die Fraktion überlegt nun, einen Antrag auf Annahme von Kohl in die Namensliste zu stellen. Begründete Ausnahmen sind bei der Namensgebung der Stadt vorgesehen.

Auch in der SPD gibt es Befürworter: "Kohls Verdienste um Deutschland und Europa sind unbestritten", sagt Gemeinderatsmitglied Stefan Schillinger. Die Entscheidung über eine Benennung geht zuerst durch den Kulturausschuss, liegt aber letztlich beim Gemeinderat.

Kohl-Straße: Nicht alle im Gemeinderat sind überzeugt

Kritischer sieht es Timothy Simms von den Grünen: "Ich halte wenig von überstürzten Straßenbenennungen, erst recht, wenn es sich um Personen handelt, die erst kürzlich verstorben sind und deren Leben daher noch nicht umfassend erforscht ist." Auch, wenn Kohl große Verdienste für Europa und die Wiedervereinigung geleistet habe, so gebe es eben auch starke Schattenseiten, so Simms.

Die JPG-Fraktion sieht ein anderes Problem bei Helmut Kohl: "Für uns fehlt der konkrete Bezug zu Freiburg", sagt Fraktionsführer Lukas Mörchen. Tatsächlich hatte der Pfälzer Kohl wenig mit Freiburg am Hut. In Erinnerung bleibt vor allem, wie sein Auto beim Papst-Besuch in einem Bächle feststeckte.




Eine Umbenennung wird es wohl nicht geben

Dann gibt es noch eine weitere Hürde für die Kohl-Straße: Zu einer Straßenumbenennung kann es nur in wenigen begründeten Fällen kommen. Dazu gehört, dass die ursprünglichen Namensgeber Wertvorstellungen verkörpern, die entgegen der Grundsätze der Verfassung stehen. So beschloss der Gemeinderat im November 2016, dass zwölf Straßen umbenannt werden sollen.

Für diese zwölf Straßen kommt Helmut Kohl aber nicht in Frage. "Hierfür sind bereits Namen ausgewählt", sagt Martina Schickle, Pressesprecherin der Stadt Freiburg. Die ersten Umbenennungen werden vermutlich im Spätjahr vorgenommen.

Die Kosten für eine Umbenennung sind hoch

Einfach so eine Straße für Helmut Kohl umbenennen geht also nicht. Schließlich ist damit ein enormer Aufwand für die Anwohner verbunden: Es müssen etwa Ausweise und Fahrzeugpapiere neu beantragt werden. Die Kosten dafür trägt die Stadt zwar teilweise. Doch es bleibt ein teures Unterfangen: Alleine die Umbenennung der zwölf Straßen in Freiburg wird vermutlich Kosten im sechsstelligen Bereich nach sich ziehen.

Die einzige Möglichkeit für eine Helmut-Kohl-Straße in Freiburg bleibt also vorerst die Neubenennung. Wenn alles glatt läuft, rollen in fünf Jahren die ersten Bagger für den Stadtteil Dietenbach. Dann gibt es einige Straßen, die einen Namensgeber brauchen.

Was denkt Ihr? Soll Freiburg eine Helmut-Kohl-Straße bekommen?



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