Beim 'Z' gibt es immer neue Fragen

Joachim Röderer

Bei der Aufarbeitung der Probleme des angeschlagenen Jugendzentrums "Z" in der Siegesdenkmal-Unterführung kommen immer neue Informationen ans Tageslicht. So haben der Vorsitzende und der Vorstandsberater Honorare kassiert. "Eine ganz problematische Konstruktion", meint Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach. Hinzu kommt: Die Polizei hatte im Januar 2008 früh vor einem möglichen Drogenproblem im "Z" gewarnt – und dies auch dem Sozial- und Jugendamt mitgeteilt.

Im „Z“ hatte es seit Januar 2008 regelmäßig eine Afterhour für die Elektromusikszene gegeben – sonntags von 6 bis 9 Uhr. „Jeder weiß: Wenn ich morgens um diese Zeit eine Party beginne, dann schaffe ich das nicht aus eigenen Kräften“,  sagt Bernd Binninger, für die Innenstadt zuständiger Jugendsachbearbeiter beim Polizeirevier Nord.


Rechtlich ließen sich diese Frühmorgens-Partys im städtisch geförderten „Z“ nicht verbieten – Polizeimann Binninger hegte aber große „moralische Bedenken“. Diese habe man nicht nur dem Vorstand des „Z“-Trägervereins mitgeteilt, die Polizei versuchte auch über das  Sozial- und Jugendamt der Stadt zu intervenieren, weil man natürlich um die Nähe der Elektrotechno-Szene zu synthetischen Drogen wusste.

Eingegriffen hat offenbar niemand: So gab es eine Art Kooperation  mit dem Liquid Club, der damaligen Elektro-Diskothek an der Universitätsstraße. Der Liquid Club  hatte nach BZ-Informationen zunächst selbst den Antrag für eigene  Afterhour-Partys gestellt, der aber von der Stadt abgelehnt worden war. Diese Partys gab es dann aber doch. Eben im  „Z“. „Aus wirtschaftlichen Gründen“, sagen „Z“-Vorsitzender Christian Liebl und Vorstandsberater Axel Rutz,  wurden diese Veranstaltungen angenommen.

„Z“-Vorsitzender Liebl und der Liquid-Club-Betreiber leben in einer Freiburger WG. Geschäftliche Verbindungen  habe es nie gegeben, beteuert Liebl.  Diese Frage ist heikel, seit das Amt für öffentliche Ordnung den Liquid Club nach einer Drogenrazzia der Polizei geschlossen hat, weil haufenweise synthetische Drogen  sichergestellt wurde. Danach arbeitete  Liquid-Personal an der Theke im „Z“: „Wir brauchten Personal, warum sollte sich die Leute nicht nehmen, wenn sie unbelastet sind?“ fragt Liebl. Der Ex-Liquid-Betreiber warb auf seiner Internetseite für „Z“-Veranstaltungen. Das habe dieser aus freien Stücken gemacht, er habe sonst nichts mit den Events zu tun gehabt, sagt der „Z“-Vorstand.

Nach der Liquid-Razzia wurde auch im „Z“ das Sicherheitspersonal ausgetauscht. Die Kontrollen funktionierten danach, berichtet Polizei-Jugendsachbearbeiter Binninger- Rund 25 Anzeigen wegen Drogenmissbrauchs hätten die Z-Security  der Polizei gemeldet. „Man darf dennoch die Elektroszene nicht unter Generalverdacht stellen, die große Mehrheit der Leute ist sauber“, sagt Axel Rutz.

Aufgearbeitet wird derzeit nicht nur die Veranstaltungspolitik des Vereins, sondern auch das Finanzproblem: Rund 110 000 Euro Schulden drücken das „Z“, das jährlich von der Stadt mit 43000 Euro bezuschusst wird. Nun wurde auch bekannt, dass sich der Vorsitzende Liebl – das letzte verbliebene Vorstandsmitglied – und der Vorstandsberater Rutz Honorare haben zahlen lassen: 12500 Euro im Jahr.

„Das ist von der Mitgliederversammlung  abgesegnet worden“, so Rutz. Er und der Vorsitzende Liebl haben beide auch eigene Firmen,  Liebls Firma ist irgendwie auch mit dem „Z“ verwoben. „Die Zahlen werden aufgearbeitet“, verspricht Rutz. Letztlich hätten sie aber mehr investiert als heraus bekommen, sagen sie und verweisen auf die 12000 Euro teure Musikanlage, die sie bezahlt hätten.

Auch im Rathaus werden die Bilanzen gesichtet. „Wir werden alles im Detail prüfen“, so  Bürgermeister Ulrich von Kirchbach. Die Verquickung von ehrenamtlicher Tätigkeit und wirtschaftlichen Interessen sei unglücklich, findet er.  Nun geht es darum, ob und wie das „Z“ überlebt. Ein Unterstützer ist Werner Wagner, früherer Chef des Polizeireviers Nord und Mitglied im „Z“-Beirat. Von der Abwicklung des Baus des Zentrums und damit von Anfang an hätte man die jungen Leute überfordert. „Wenigstens für die Buchhaltung muss es eine festangestellte Arbeitskraft geben“, sagt er. Christian Liebl meint selbstkritisch: „Es war bei uns ein Stück Naivität im Spiel“.

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[Dieser Artikel erscheint Morgen im Freiburger Lokalteil der Badischen Zeitung.]