Beim Restauranthopping isst man drei Gänge in drei Restaurants - mit fremden Menschen

Marissa Müller

Eine Stadtführung und dabei ein Abendessen genießen? Zwei Freiburgerinnen machen das mit ihren Restauranthopping-Touren möglich- drei Gänge in drei Restaurants erwarten die Teilnehmer. fudder-Autorin Marissa war beim abendlichen Futtern dabei.

Ich nippe an meinem Radler und nehme mir noch etwas Wurstsalat von der Vesper-Platte, der mit dem frischen Bauernbrot und dem leckeren Aufstrich besonders gut schmeckt. Um mich herum sitzen sechs Leute, die ich vor knapp 20 Minuten zum ersten Mal in meinem Leben gesehen habe. Wir sitzen auf einer gemütlichen Eckbank in einer der beliebtesten Kneipen Freiburgs und lernen uns gerade kennen. Was machst du so? Woher kommst du? Das "Du" geht mir wie selbstverständlich von den Lippen, obwohl alle anderen älter sind als ich.


Wir werden die nächsten dreieinhalb Stunden miteinander verbringen, in drei verschiedenen Restaurants drei Gänge essen und während wir von einem zum anderen Restaurant laufen, werden wir an einigen Freiburger Sehenswürdigkeiten vorbeikommen, zu denen unser Guide kuriose Begebenheiten zu erzählen hat. "Später gibt es ein klassisches Freiburger Samstagsessen – aber das erfahrt ihr erst in eineinhalb Stunden", sagt Tanja, unser Guide heute Abend. Wohin es geht und was wir essen, wird immer erst kurz vorher verraten.

So funktioniert‘s

"Eine Stadt, drei Restaurants, ein Erlebnis", so funktioniert das Restauranthopping – ein Start-Up, das von zwei Freiburger Studentinnen gegründet wurde. Die Touren gibt es seit März 2017. Im Prinzip ist das ein geführtes Abendessen, aufgeteilt auf drei Restaurants und integriert in eine lockere Stadtführung. Die Gründerinnen Tanja Gärtner und Kathrin Monser haben Lehramt studiert und eine Erlebnispädagogik-Ausbildung gemacht. Bald wollen sie sich vollständig ihrer Firma "Freiluftevents" widmen.

Ich mache heute bei einer offenen Tour mit – das heißt, bei vorheriger Anmeldung kann jeder mitmachen. Die Gruppe umfasst dann höchstens zwölf Leute. Ansonsten kann man auch individuelle Touren buchen und ab Ende Oktober gibt es das Angebot "Hop-it-your-way", bei dem man ohne Begleitung und mit Stadtplan losziehen kann.




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Treffpunkt: Augustinerplatz. Kurz vor 18 Uhr bin ich da und sehe mich suchend um. Schon von weitem erspähe ich eine kleine Gruppe aus drei Leuten – ein älteres Ehepaar und eine junge Frau. Als ich näher komme, sehe ich, dass die junge Frau eine Stofftasche mit dem Aufdruck "Restauranthopping" trägt und mich bereits anlächelt. Hier bin ich richtig. Es werden Hände geschüttelt, Namen genannt. "Wir sind heute nur zu siebt. Eine Vierer-Gruppe hat abgesagt", sagt Tanja. Kurz darauf kommen drei junge Frauen dazu. Wir sind komplett.

Erste Station: Traditionskneipe

Warme Luft schlägt uns entgegen. Es ist voll in einer der beliebtesten Kneipen Freiburgs, dem Feierling. Wir quetschen uns zwischen Barhockern und besetzen Tischen vorbei. Im Eck erwartet uns ein großer freier Tisch. Tanja und Kathrin organisieren alles im Voraus. Die Teilnehmer müssen sich also um nichts mehr kümmern. "Ich will euch ja bei der Getränkewahl nicht beeinflussen, aber hier gibt es tolles Bier", sagt Tanja. Die Bedienung kommt sofort. Schnell haben wir unsere Getränke. Beim Restauranthopping ist pro Gang ein Getränk mit inbegriffen. Kurz darauf wird auch die Vorspeise gebracht. Es gibt zwei badische Vesper-Platten, unter anderem mit Schwarzwälder Schinken, Bibiliskäs, Wurstsalat und Landjäger, an denen sich alle bedienen können. Wir nehmen an der Bächle-Tour teil, das heißt der Abend steht unter dem Motto "typisch badisch á la Freiburg".

Die Idee zum Restauranthopping kam Tanja und Kathrin auf einer Hochzeit. "Wir waren so vollgefressen, dass wir schon den Knopf an der Hose öffnen mussten", erzählt Tanja. "Dann haben wir draußen eine Runde gedreht." Als sie zurückgekommen sind, hat sich jeder an einen anderen Platz gesetzt. "Man konnte sich auf einmal mit einem anderen Sitznachbarn unterhalten", sagt Tanja.

Und das sei auch das Prinzip des Restauranthoppings: Einen ungezwungenen Abend miteinander verbringen, sich mit verschiedenen Leuten unterhalten und zwischen dem Essen ein bisschen Bewegung haben. "In zehn Minuten geht’s weiter", sagt Tanja. Das Programm ist durchorganisiert, hier kann man nicht versacken. Schnell trinken wir die letzten Schlucke aus. Tanja unterschreibt die Rechnung und wir ziehen weiter. "Es ist mal ganz angenehm die Zeche prellen zu können", sagt eine Teilnehmerin.

Wer fällt heute ins Bächle?

Zwischen den einzelnen Gängen laufen wir durch die Freiburger Innenstadt und halten bei Sehenswürdigkeiten an. Tanja erzählt uns Anekdoten und spart dabei mit den Jahreszahlen, um uns nicht zu langweilen. Unsere Gruppe ist gemischt: das ältere, bereits pensionierte Ehepaar und drei Freundinnen, die um die 30 Jahre alt sind. Keiner kommt direkt aus Freiburg aber alle stammen aus der Region. "Dann kann ich euch ja heute Quatsch erzählen", witzelt Tanja.

Als wir an der Insel in der Gerberau vorbeikommen, sehen wir das Krokodil im Gewerbekanal Runz. "Das ist eine Erinnerung an die freilebenden Krokodile, die es früher in Freiburg gegeben hat." Alle lachen. Wir erfahren einige interessante Details über Freiburg. Zum Beispiel, wieso am Martinstor kein Bild mehr hängt, was das Runzmeisterhaus mit der Fußball-WM zu tun hat und wieso es am Münster einen menschlichen Hintern als Wasserspeier gibt. "Bei unserer ersten Tour ist tatsächlich jemand ins Bächle gefallen – bei minus 18 Grad", erzählt Tanja.

Zweite Station: Ältester Gasthof

Zum Hauptgang gehen wir in das traditonelle Gasthaus "Zum roten Bären", das sich damit rühmt, eines der ältesten Gasthöfe Deutschlands zu sein. Das Ambiente ist hier ganz anders als zuvor in der Kneipe. Weiße Tischdecke, Leuchter, kunstvoll gefaltete Stoffservietten. Es ist leise und im Vergleich wenig los. Die Bedienung serviert im Dirndl. Auch hier werden wir sofort freundlich empfangen und zu unserem Tisch begleitet. Man schenkt uns Wasser und Wein ein. Ich mache es den anderen nach und lege die Serviette auf meinen Schoß. Auch hier bleibt es traditionell badisch: es gibt Rote-Beete-Salat und Ochs in Meerrettichsoße. "Ich hatte auf Tafelspitz getippt", sagt jemand aus der Gruppe.

Die Touren kann man auch individuell buchen. Dabei werden die Restaurants und das Essen auf die Gruppe angepasst. "Im Sommer hatten wir viele Junggesellinnen-Abschiede", sagt Tanja. Teilweise gab es so viel Nachfrage, dass die zwei Gründerinnen parallel Touren abhalten mussten. "Jetzt im Herbst ist es ruhiger geworden".

Bevor wir müde und träge werden, geht es weiter. Tanja drückt mir einen Schlüssel in die Hand: "Geht schon mal runter, ich komme gleich". Ein Stockwerk tiefer befindet sich ein historischer Weinkeller, den wir besichtigen bevor wir uns in das nächste Restaurant aufmachen.

Dritte Station: Vegan

"Zum Dessert geht es in die Studentenszene", verrät uns Tanja auf dem Weg. Der Nachtisch ist im Gegensatz zum restlichen Menü eher unkonventionell, aber trotzdem typisch Freiburg. Im El Haso, einem der wenigen komplett veganen Restaurants, essen wir leckeren No-Bake-Kuchen. Das Trinken kann man sich aussuchen, Tanjas Empfehlung ist die selbstgemachte Zitronen-Ingwer-Limonade.

"Hier ist Selbstbedienung, deshalb bediene ich euch", sagt Tanja und läuft zur Theke. Bei lockerer Atmosphäre unterhalten wir uns noch eine Weile. "Die kurioseste Tour, die wir hatten, war eine Tour mit einer Männer-Fußballmannschaft", erzählt Tanja. "Die wollten die Stadtführung weglassen und lieber mehr Bier trinken." Die Hauptzielgruppe ihrer Touren seien aber eher Frauen.

Der Abend geht schneller zu Ende als gedacht. Gegen halb 10 verabschiedet sich Tanja. Wer möchte, kann gerne noch auf einen Absacker bleiben und die neuen Bekanntschaften vertiefen.
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Restauranthopping Freiburg
Die Bächle-Tour, die fudder-Autorin Marissa mitmachte, kostet 55 Euro pro Person. Enthalten ist ein 3-Gänge-Überraschungsmenü inklusive einem Getränk pro Gang. Es gibt typisch badisches Essen und man taucht in drei verschiedene Freiburg-Szenen ein. Für Vegetarier gibt es Alternativen.