fudder-Interview

Beim Labormanifest vereinen sich Improvisationstanzende aus ganz Europa

Anna Castro Kösel

Beim Labormanifest treffen sich Kunstschaffende aus ganz Europa, um den Improvisationstanz zu erforschen. Sandy ist Tänzerin und Organisatorin beim neunten Labormanifest und erklärt fudder, wie das geht.

Sandy, was ist das Labormanifest?

Im Allgemeinen ist es eine Plattform, wo Tänzerinnen und Tänzer der lokalen Szene ihre Wünsche besprechen und sich untereinander organisieren, um eine Community innerhalb der freien Tanzszene werden. Dabei werden verschiedene Perspektiven ausgetauscht. Jedes Labormanifest hat ein anderes Thema. Diesmal, beim neunten Labormanifest geht es um Improvisation und Dramaturgie.

Wer organisiert das Labormanifest?

Das Tanzprojekt wird immer von Tänzerinnen und Tänzern, die in Freiburg leben, organisiert, aber immer von anderen. Unsere Plattform heißt Tanznetz Freiburg, wir kooperieren mit dem E-Werk und dem Kulturamt Freiburg. Diesmal bekommen wir auch eine Förderung durch den Tanzpakt Stadt-Land-Bund. Dabei handelt es sich um eine Initiative, bei dem öffentliche Förderer aus Kommunen, Ländern und des Bundes, es sich zum Ziel gemacht haben, gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Tanzszene ein bundesweites Modell der Tanzförderung zu entwickeln. Dank dieser Fördermittel können wir uns besser auf den Inhalt des Tanzprojekts konzentrieren, ohne uns Sorgen um die Finanzierung machen zu müssen.
Zu Person

Sandy, eigentlich Sarantoula Sarantaki, kommt aus einer kleinen Stadt in Griechenland namens Orestiada. Erst studierte sie in Griechenland und den Niederlanden Geographie und Umweltwissenschaften. In den Niederlanden lernte sie den freien Tanz kennen und wurde Tanzschülerin. Sie entdeckte schnell ihre Leidenschaft für’s Tanzen und absolvierte zwei Jahre in Freiburgin der Tanzschule Bewegungsart eine Ausbildung für Tanz, Improvisation und Performance (TIP).Trotz Reisen ins Ausland blieb Freiburg ihre künstlerische Basis. Durch die freie Tanzszene und Tanznetz, übernahm sie mit zwei anderen Tänzerinnen die Organisation zum neunten Labormanifest.

Wer kommt diesmal zum Labormanifest?

Wir haben Tänzerinnen und Tänzer aus ganz Europa eingeladen. Sie sind alle professionelle Tänzer, aber spezialisiert auf verschiedene Bereiche innerhalb des freien Tanzes. Über 40 haben sich bereits beworben. Die Meisten sind Tänzer, wir haben aber auch Musiker und bildende Künstler, was es uns ermöglicht uns dem Thema Improvisation und Dramaturgie auf verschiedene Weisen anzunähern. Die oder der eine kann das eine besser und übernimmt somit die Leitung über diesen Bereich und bildet die anderen darin weiter.

Eigentlich hat man als Tänzerin oder Tänzer eine feste Choreographie, die man können muss. Was ist anders, wenn man auf der Bühne improvisiert?

Wie auch beim Tanzen mit einer Choreographie braucht man das vollständige Bewusstsein über seinen Körper. Jedoch entsteht die Choreographie im Moment. Ein Beispiel: Wenn du kochst, hast du entweder ein vollständiges Rezept und weißt im Voraus schon, wie das Ergebnis in etwa aussehen wird. Wenn du aber die Zutaten im Moment auswählst und das Essen einfach entstehen lässt, ist das Improvisation. Natürlich darf es nicht vollkommen willkürlich sein, man muss auch Zutaten wählen, die zueinander passen.

Was darf das Publikum erwarten?

Erstmal ist es wichtig, dass das Publikum offen ist und sich auf diese doch eher ungewöhnliche Tanzart einlässt. Es wird kein fertiges Stück geben – das Publikum und wir als Tänzerinnen und Tänzer werden aufeinander Einfluss nehmen. Wir wissen ja selbst noch nicht, was rauskommt.

Was hast Du für Erwartungen?

Mit Erwartungen bin ich beim Improvisieren vorsichtig, weil sie den Entstehungsprozess stören. Ich bin froh, dass wir so viele Leute bei dem diesjährigen Labormanifest haben. Dennoch habe ich eine Intention: Ich möchte mehr über Dramaturgie und Improvisation lernen. Wie das genau sein wird, weiß ich im Voraus, wie gesagt, noch nicht.
  • Was: Performance- Output des Labormanifests #9
  • Wann: 19.Oktober, 20 Uhr und am 4.November beim ONCE- Festival
  • Wo: Südufer, Haslacherstraße 41