Beim Geschenke-Einpack-Service: 90 Sekunden, Schleife inklusive

Julia Sommer

Noch drei Tage bis Heiligabend. Wer am Freitag ein schön verpacktes Geschenk unter den Weihnachtsbaum legen will, der muß sich beeilen. Den Teil mit dem Geschenk-Aussuchen und kaufen, den kann einem niemand abnehmen. Den mit dem schön verpacken aber schon. Farni, zum Beispiel. Die Studentin arbeitet in einem Freiburger Kaufhaus an der Geschenk-Verpack-Station. Julia hat ihr beim Verpacken zugeguckt.

90 Sekunden.

So lange braucht Farni (Bild oben), um ein Geschenk zu verpacken. Zügig und mit gekonntem Griff reißt sie ein Stück Geschenkpapier von der großen Papierrolle rechts hinter sich ab und legt es auf der Theke ab. Das Geschenk verkehrt herum darauf daraufgelegt, die eine Seite Papier darüber gefaltet und mit Klebeband fixiert, das Geschenk umgedreht, die andere Seite Papier darüber gefaltet und fixiert, die überstehenden Enden zusammengefaltet, umgeknickt und festgeklebt.


Jetzt noch die Schleife. Farni wickelt mehrere Schlaufen grünes Geschenkband um ihre Handfläche und klebt die Schlaufe auf der Vorderseite des Päckchens fest. Einmal in der Mitte aufgeschnitten springen die Bänder auf wie ein Stern. Das Ende des Bandes am unteren Ende des Geschenks festgeklebt, und in der Mitte aufgespalten, dann kräuselt es sich schwungvoll. Fertig! 90 Sekunden. Nur Unförmiges, ein Ball zum Beispiel, oder ein großes Sportgerät, dauert schon ein mal länger.

"Bitte schön!", sagt Farni und reicht das Geschenk dem Kunden, der vor der Theke gewartet hat. "Einen schönen Tag noch!"



Farni wünscht in diesen Tagen vielen Kunden einen schönen Tag. Denn beim Geschenke-Einpack-Service in der Freiburger Karstadtfiliale, wo die Studentin jobbt, ist viel los in diesen letzten Tagen vor Weihnachten.

Den Job als Verpackerin hat Farni über das Studentenwerk bekommen. Ausschließlich Frauen machen den vorweihnachtlichen Spezialjob, meist sind drei Verpackerinnen an der Theke, seit dem vergangenen Wochenende oft sogar vier, um die vielen Geschenke schnell verpacken zu können. Einen Tag Schulung im "Schön Verpacken" haben alle hinter sich, die Einarbeitung erfolgt direkt am Stand, jetzt kurz vor Weihnachten sind alle Profis.



Die Geschenkpapierauswahl ist groß: rot beschichtetes ohne Druck, Rot mit Rentier-Aufdruck, ein Kinderpapier mit bunten Sternen, ein goldglänzendes und ein neutrales für Nicht- Weihnachtsgeschenke; außerdem mehrere Rollen buntes Geschenkband.

Eine Schlange überwiegend älterer Kunden wartet mit Geschenken beladen vor der Theke. Farni lächelt sie freundlich an. „Dürfte ich kurz den Kassenzettel sehen bitte?“  Alle Verpackerinnen müssen überprüfen, ob die Geschenke auch im Haus gekauft wurden, ansonsten dürfen sie nicht verpacken. Die Preise werden entfernt, bevor die Geschenke  in das bunte Papier gewickelt werden, „Die sollen ja nicht wissen, was es gekostet hat“, sagt ein Kunde, als Farni die Sticker von seinen Geschenken abzieht. Ein Satz, den Farni mehrmals am Tag hört.

Genau so wie diesen: „Ich kann das nicht so schön, wie die Damen hier und außerdem geht es schnell, dann hat man alles schon fertig, wenn man wieder zu Hause ist. Ich finde das praktisch“, sagt ein andere Mann, ungefähr Mitte dreißig. Überhaupt wiederholt sich hier am Stand vieles, sind die Unterhaltungen so routiniert professionell wie die verpackten Geschenke.



Eine Dame kommt an den Verpacktisch mit mehreren Geschenken für ihre Enkel. Damit sie noch erkennen kann, für welchen Enkel, welches Geschenk ist, bittet sie um verschieden-farbiges Geschenkpapier. „Ach und ich schreib's lieber noch gleich aufs Geschenk drauf, damit meine Enkelin nicht das Geschenk von ihrem Bruder auspackt.“ Eine Frau lässt sich einen Bogen Geschenkpapier - umsonst - mitgeben: „Das Bunte bitte, die Geschenke sind für die Kinder."

Solche Sonderwünsche erfüllen Farni und ihre Kolleginnen gerne. „Meistens sind die Leute nett, aber manchmal spürt man es schon, wenn die Leute vom Weihnachtsshopping gestresst sind“, sagt Farni. Sie mag ihren Job. „Das Einpacken an sich ist nicht wirklich anstrengend, aber abends bin ich dann schon müde und man kriegt viel Farbe vom Papier ab. Wenn ich nach Hause komme, sind meine Hände immer ganz rot.“ Zuhause muß sie auch keine Geschenke mehr verpacken. "Ich bin keine Christin, ich feier' kein Weihnachten."