Initiative

Beim deutsch-arabischen Sprachcafé profitieren alle Beteiligten

Anja Bochtler

Die Sprache des Gegenübers sprechen: Beim Sprachcafé der Fachschaft Islamwissenschaften und der Initiative "Start with a Friend" lernen Geflüchtete Deutsch, angehende Islamwissenschaftler Arabisch.

Welche deutsche Vergangenheitsform passt? Und wie ist das mit den unterschiedlichen Dialekten im Arabischen? Um solche Fragen geht’s beim "Sprachcafé" der Uni-Fachschaft Islamwissenschaften und des Projekts "Start with a friend", dazu gibt’s Kuchen und Getränke. Dienstags und donnerstags treffen sich Studierende und überwiegend junge Geflüchtete im Konferenzraum des Asta an der Belfortstraße. Beide Gruppen profitieren, weil sie die Sprache der jeweils anderen üben können. Und ganz nebenbei entstehen Kontakte und Freundschaften.


Nur mit Sprachkenntnissen klappt’s mit Ausbildung oder Studium

Wie muss es heißen: "Die Ware ist verschickt?" oder "Die Ware wird verschickt?" Vor einem aufgeschlagenen Deutsch-Lehrbuch tüfteln zwei arabische junge Männer und eine deutsche junge Frau, die ihnen Tipps gibt. Nouredin Bagdai (25) aus Syrien und Haval Jaif (23) aus dem Irak dagegen haben diesmal keine Hausaufgaben aus ihren Deutschkursen mitgebracht. Aber sie wollen sich auf Deutsch unterhalten – so viel wie möglich. Nouredin Bagdai hat in Syrien als Schneider gearbeitet, in Freiburg möchte er eine Ausbildung im Tourismusbereich machen.

Haval Jaif hat im Irak Lehramt studiert, nun will er zu Jura wechseln. Doch zuerst wollen beide Männer, die vor knapp eineinhalb Jahren in Deutschland ankamen, die Sprache ihrer neuen Heimat lernen. Nicola Merz (21) und Simon Dippold (20), die neben ihnen auf dem Sofa sitzen, freuen sich aber, wenn die Gespräche auch mal ins Arabische abdriften – beide studieren Islamwissenschaften im Nebenfach, ihre Hauptfächer sind Soziologie und Politik. In Islamwissenschaften geht’s bei ihnen derzeit fast nur um Arabisch: "Einfache Sätze kann ich inzwischen sagen", erzählt Merz. Seit vergangenem Herbst hat sie drei Mal in der Woche Unterricht, natürlich läuft Uni-typisch alles sehr theoretisch. "Arabisch üben zu können ist cool", findet Simon Dippold. Da passe das Sprachcafé perfekt.

Meist kommen zu den Sprachcafés 15 bis 20 Geflüchtete und rund zehn Studierende, sagt Paulina Steinhilber (25). Sie studiert Islamwissenschaften im sechsten Semester und hatte schon länger die vage Idee im Kopf, mit ihrer Fachschaft Kontakte zu Arabisch sprechenden Geflüchteten zu knüpfen. Da kam irgendwann Hanno Dihle auf sie zu, der Regionalleiter des Projekts "Start with a friend", das Flüchtlinge und Einheimische mit verschiedenen Angeboten zusammenbringt. "Wir hatten bei mehreren Fachschaften herumgefragt, ob Interesse an gemeinsamen Aktionen besteht – die Islamwissenschaftler haben uns eingeladen", erzählt er. Seit April läuft die zehn Monate dauernde Förderung einer Stelle für Paulina Steinhilber als studentische Hilfskraft über die Initiative "Welcome – Studierende engagieren sich für Flüchtlinge" des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Darüber können auch die Ausgaben für Backzutaten oder für gelegentliche Ausflüge wie neulich zum Bodensee finanziert werden.

Bald soll es auch ein Frauencafé geben

Statt einem reinen Unterstützungsprojekt von Deutschen für Geflüchtete soll es um gegenseitigen Austausch gehen – die Studierenden brauchen Hilfe in Arabisch. Das sei schön für die Geflüchteten, betont Paulina Steinhilber: "Sie können was zurückgeben." Arabisch sprechen zu können ist aber keine Bedingung, alle sind willkommen – ebenso wie Nicht-Studierende und Ältere. Nach den Semesterferien soll es zusätzlich weitergehen mit einem Frauencafé, denn zum Sprachcafé kommen bisher vor allem Männer. Außerdem organisiert eine Gruppe von Amnesty International, in der Paulina Steinhilber engagiert ist, Workshops mit Diskussionen über Menschenrechte.

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