Der Sonntag

Interview

Bei Rot über Ampeln radeln – wie soll das gut gehen, Herr Uekermann?

Jens Kitzler

Die Stadt Freiburg will Radfahrer an unkritischen Stellen über rote Ampeln fahren lassen. Tiefbauamts-Chef Frank Uekermann erklärt, wie das funktionieren soll.

Freiburg prüft, an welchen Ampeln man Radfahrer gefahrlos und künftig legal über Rot fahren lassen darf. Eigentlich spricht wenig dagegen, doch das Verhältnis zwischen Radlern und Autofahrern ist in Freiburg gespannt.

Der Sonntag: Herr Uekermann, das Freiburger Tiefbauamt testet, an welchen Ampeln man Fahrradfahrern künftig offiziell erlauben kann, auch bei Rotlicht weiterzufahren. Nicht wenige Radler tun das ja sowieso – kapitulieren die Verkehrsbehörden jetzt?



Uekermann: Das Gebot, bei Rot anzuhalten, soll ja nicht generell aufgehoben werden, sondern nur an Stellen, an denen weder dem Radfahrer noch anderen Verkehrsteilnehmern Gefahr droht, wenn Radler bei Rot weiterfahren. An Stellen, an denen die Straßenverkehrsordnung die Einhaltung von Regeln erzwingt, obwohl sie eigentlich nicht notwendig wären.

Der Sonntag: Wie muss man sich so eine Stelle vorstellen?

Uekermann:Beispielsweise haben wir das entlang der Stadtbahn in den Stadtteil Zähringen. Dort müssen die Straßenbahnen an mehreren Stellen ihren eigenen Gleiskörper verlassen und die Schienen verlaufen ein Stück in der Fahrspur der Autos. Die Ampel schaltet dann auf Rot, weil Straßenbahn und Autos nicht gleichzeitig dort fahren können. Aber die Radler passen locker neben die Tram, also müssten die eigentlich nicht halten. Die meisten tun es auch nicht. Wir haben an der Stelle in Zähringen schon seit einer Weile testweise ein entsprechendes Schild angebracht und nun können die Fahrradfahrer sich legal so verhalten.

Der Sonntag: Wie geht das rechtlich?

Uekermann: Meine Straßenverkehrsbehörde sagt: Es ist kein Standardfall, der so vorgesehen ist, aber es ist machbar.

Der Sonntag: Und ein Schild reicht?

Uekermann: Ja. Ein Schild, das besagt: "Radfahrer geradeaus frei". Falls der Ampelmast irgendwo mal zu weit weg ist, muss man vielleicht auch ein eigenes Grünlicht anbringen, aber ansonsten reicht ein Schild.

Der Sonntag: Ähnlich dem grünen Rechtsabbiegepfeil?

Uekermann: Nein, nein, der gilt ja für alle Verkehrsteilnehmer. Bei unserer Regelung erlauben wir dem Radfahrer ja etwas, was der Autofahrer nicht darf.

Der Sonntag: Und genau dieser Aspekt ist es, den in Deutschland viele Menschen kaum ertragen können: Wenn einer eine Regel einhalten muss, der andere aber nicht. Und das dann noch in der Kampfzone Straßenverkehr. Glauben Sie, dass das klappt?

Uekermann: Wenn alle über die Medien informiert sind, glaube ich schon. Wenn ein Autofahrer weiß, dass er nicht weiterfahren darf, weil es sonst zum Zusammenstoß käme, die Gefahr beim Radler aber nicht besteht, dann müsste man das doch eigentlich verstehen.