Theatergruppe

Bei einem interaktiven Stadtkrimi kannst Du den Mörder des Nikolaus suchen

Stefan Mertlik

Wer hat den Nikolaus umgebracht? Freiburg Living History lädt zur Zeitreise ins Jahr 1562 ein. Jeden Adventssonntag inszeniert die Theatergruppe den interaktiven Stadtkrimi "Stille Nacht, tödliche Nacht". fudder war dabei.

"Die Influenza treibt ihr Unwesen", ruft Achim Freund, der den Pfarrer spielt. Nervös umkreist er die Leiche, die vor dem Fischbrunnen auf dem Münsterplatz liegt. In seiner Hand hält er eine Bibel. Immer wieder stößt er Gebete aus. Doch eine Stichwunde am Rücken verrät, dass nicht die Grippe den Mann im Nikolauskostüm dahingerafft hat, sondern ein heimtückischer Mord. Die Szene ist Teil des Stadtkrimis "Stille Nacht, tödliche Nacht" der Theatergruppe Freiburg Living History, der am Heiligabend des Jahres 1562 spielt.


Die 14 Teilnehmenden schockt dieser Vorfall nicht. Sie sind vorbereitet. Schauspielerin und Regisseurin Sybille Kleinschmitt nahm das Publikum am Münster in Empfang und erklärte das Szenario. "Ich bin ganz aufgeregt, mal sehen wie ihr euch schlagen werdet", freut sich Kleinschmitt über die bevorstehende Suche nach dem Mörder. Sie ernennt eine Gruppenführerin und händigt ihr eine Tasche aus. Darin befinden sich mehrere Briefe mit weiteren Anweisungen.

Die Altstadt als perfekte Krimi-Kulisse

"Kommt näher, damit sich die Kinder nicht erschrecken", fordert Guilia Arteman, die eine Händlerin mimt, das mitspielende Publikum auf. Der Anblick des toten Weihnachtsmannes könnte den vorbeilaufenden Kindern tatsächlich Alpträume bescheren. Freudige Neugierde überwiegt allerdings, weshalb Passanten immer wieder stehenbleiben und dem wilden Treiben auf dem Münsterplatz beiwohnen.
Seit 2011 versetzt die Theatergruppe Freiburg Living History die Teilnehmenden in längst vergangene Zeiten. Dafür nutzt die Theatergruppe die wohl beste Kulisse, die es gibt: Die Altstadt.

Stücke wie "Catharina Stadellmenin – Die Hexe von Freiburg" und "Die Wanderhure – Aus dem Leben einer Hübschlerin" lassen die Stadtgeschichte wieder aufleben. Hierfür bedient sich Living History an Märchen und Sagen, aber auch an den historischen Romanen von Astrid Fritz. Auch "Stille Nacht, tödliche Nacht" basiert auf einer alten Stadtlegende.

Weiß der Ledermacher mehr?

Der Himmel über Freiburg wird inzwischen dunkel. Weihnachtliche Lichterketten weisen den Weg durch die Gassen. Die Spurensuche führt die Gruppe ins Gerberviertel. Vielleicht weiß der Ledermacher mehr über die Mordhintergründe. Das gemeinsame Rätseln schweißt die Teilnehmenden zusammen. Gemeinschaftlich befragen sie den Handwerker. Achim Freund, der seine schwarze Pfarrerrobe gegen einen braunen Ledermantel gewechselt hat, spielt den Gerber. Er muss improvisieren und bei jeder Frage in seiner Rolle bleiben. So bezeichnet er eine neumodische Bar kurzerhand als altes Wirtshaus.

Vier Schauspielerinnen und Schauspieler schlüpfen in zehn verschiedene Rollen. In großen Rucksäcken transportieren sie ihre Kostüme. Einen Topf voller Glühwein durfte die Theatergruppe in der Wohnung einer Freundin lagern. Zur Bühne am Martinstor musste Sybille Kleinschmitt das schwere Behältnis trotzdem tragen: "Dadurch wird mir wenigstens nicht kalt", scherzt die Schauspielerin. Die Detektive scheint der "Würzwein" zu beflügeln. In der Grünwälderstraße stellen sie den Mörder.
  • Was: Stille Nacht, tödliche Nacht der Theatergruppe "Freiburg Living History"
  • Wann: An jedem Adventssonntag um 16 Uhr
  • Wo: Münsterplatz/Hauptportal
  • Preis: 18/15 Euro pro Person (inkl. Umtrunk)