Fußball

Bei der Uni-Liga steht der Spaß im Vordergrund

Luis Friedrich

An einem entspannten Nachmittag mit Freunden Sport und ein kühles Getränk genießen: Das geht bei der Fußball-Uni-Liga auf dem Freiburger Ökosportplatz. Der sportliche Erfolg ist zweitrangig, aber die Hobbykicker zeigen viel Liebe im Detail. Unser Autor war dort.

An einem der ersten warmen Tage im Mai geht es für mich raus zum Ökosportplatz des Hochschulsports an der Dreisam in Littenweiler. Von weitem sehe ich einige Fußballteams auf und ab rennen. Ich möchte bei einem Spieltag der Uni-Liga Freiburg dabei sein, die dieses Jahr ihren zehnten Geburtstag feiert.


Liebe zum Detail zeigt sich nicht nur bei den lustigen Namen

Das erste Team, das mir über den Weg läuft, ist die Mannschaft "Öttikrieger Überflieger" - eine liebevolle Hommage an das preiswerte Hopfengetränk Oettinger. Bei einem Blick auf die Liste der antretenden Mannschaften fallen mir sofort die humorvollen Namen auf: "Für Ruhm und Ehre" heißt ein Team, "Franz Beckenbauer sucht Frau" ein anderes. Und bei "Lokomotive Littenweiler" und "FC Hansa Rosskopf" lassen sich sogar regionale Nuancen erkennen.

Die Verspieltheit hört aber nicht bei den Teamnamen auf. Einige Vertreter haben sich richtig Mühe gegeben, eigene Trikots entworfen und in Produktion geben lassen. Manche haben sich einfach nur Kleidung des gleichen Farbtons übergeworfen. Einen Dresscode gibt es nicht.

Verpflichtende Frauenquote ist in den Regeln verankert

Dafür aber eine verpflichtende Frauenquote. Mindestens zwei Spielerinnen müssen bei einem Spiel, welches in zwei Halbzeiten á 15 Minuten ausgetragen wird, pro Mannschaft auf dem Feld stehen. Robert Leichter, Organisator des Konzepts Uni-Liga, sagt stolz: "Wir sind die einzige Uni-Liga Deutschlands, die das als offizielle Regel eingeführt hat." Am Spielfeldrand sitzen Freunde und Kommilitonen der Spielerinnen und Spieler. Neben zahlreichen Bierkästen wird auch ein Kinderwagen durch die Menge geschoben.

Das Erste, was ich höre, als ich den Bolzplatz betrete, ist Chartmusik und dann einen lauten Ausruf: "Hau ihn weg!" Und damit ist nicht der Ball gemeint, sondern der Gegenspieler. Diese beinharte Anweisung vom Spielfeldrand steht symbolisch für den Fußball, der hier gespielt wird. Denn die sportliche Qualität der Uni-Liga pendelt sich irgendwo zwischen Champions League und Bambini-Liga ein. Um fair zu bleiben: Einige haben hart trainiert, Taktik einstudiert und bringen feine Spielzüge auf das weiche Grün.

Viele scheinen aber eher am Stillen des Durstes interessiert zu sein. Auch der Konsum von Alkohol ist im Regelwerk festgehalten, wie Robert erklärt: "Bier darf immer nur nach dem Spiel getrunken werden." Mit einem Blick auf die Gangart auf dem Platz ist das nicht die dümmste Idee. Manche tragen zwar Schienbeinschoner, die meisten jedoch springen mit blanken Unterbeinen in Zweikämpfe, bei denen sogar Gennaro Gattuso und Roy Keane vor Neid erblasst wären.

Spielerinnen und Spieler sind über die Uni versichert

Logisch, dass es da auch mal zu Verletzungen kommen kann. Ich bin keine zehn Minuten am Spielfeldrand, da gibt es schon den ersten Pressschlag. Eine Spielerin sinkt zu Boden und bleibt liegen. Ich werde langsam nervös. Was ist, wenn wirklich mal etwas Ernstes passiert? Auf dem Parkplatz sehe ich aber einen Krankenwagen und bin etwas beruhigt. "Da das eine Hochschulsportveranstaltung ist, sind alle über die Universität versichert", beruhigt mich Robert weiter. Die Spielerin steht schließlich wieder auf. Sie war lediglich besorgt um ihr vorbelastetes Knie.

Eine kleine Rudelbildung darf später natürlich auch nicht fehlen. Ein Spieler möchte ein Foul gesehen haben und stürmt auf den Platz - es kommt zur Diskussion. Irgendwann gibt er nach und trottet vom Feld.

Jeder gewonnene Zweikampf, jede Torchance und vor allem jeder Treffer wird von den Fans am Spielfeldrand frenetisch gefeiert, auch wenn diese besonders gefährlich leben. Denn der Sportplatz ist in zwei Spielfelder halbiert, die nur durch bunte Hütchen abgesteckt sind. Im Mittelstreifen zwischen beiden Feldern tummeln sich Fans, Bier und Auswechselpersonal gleichermaßen – und werden schon mal von heranrauschenden Bällen getroffen.

Finalspieltag wird an einem Tag ausgetragen

Heute treten Mannschaften aus zwei Achtergruppen an, die jeden Freitag zu Beginn des Sommersemesters an neun Spieltagen gegeneinander antreten. Mittwochs spielen immer die Teams zweier Zehnergruppen. Insgesamt gibt es vier Gruppen, die aus insgesamt 36 Mannschaften bestehen. Im Juli werden dann die Punkte zusammengerechnet: Aus den zwei Achtergruppen kommen jeweils die ersten drei Mannschaften und das beste vierte Team in die Finalrunde. Aus den Zehnergruppen sind es die ersten Vier und der beste Fünfte. Der Finalspieltag wird dann im K.O.-System ausgetragen. "Wie bei einer Europameisterschaft", erklärt Robert. Nur wird die Finalrunde der Uni-Liga nicht über mehrere Wochen, sondern an einem Tag ausgespielt.

Mitmachen kann jeder eingeschriebene Studierende einer Freiburger Hochschule. Der Andrang ist meist so hoch, dass sich einige Mannschaften mit einem Wartelistenplatz zufrieden geben müssen. Bei der Anmeldung über die veranstaltungseigene Homepage gilt: "First come, first served". Dem Gewinnerteam winkt ein Pokal mit eingravierter Widmung und jedem Finalisten ein Carepaket mit - wie hätte es anders sein können – Bier.

Der Charme dieser Veranstaltung: Jeder darf mitmachen, der Spaß steht im Vordergrund und alle können bei einem entspannten Nachmittag mit Freunden den Sport und das ein oder andere kühle Getränk genießen.

Bevor ich den Ökosportplatz wieder verlasse, kann ich für einen Moment das komplette Paket der Uni-Liga erfahren. Neben Fachsimpeln über den letzten Spielzug, Tratsch über das gestrige Date und Planungen für die anstehende Sportlerparty, zeigt sich der wahre Geist dieser Liga. Ein wohliges Gefühl von Vertrautheit meiner eigenen Fußballjugend macht sich breit. Denn am Ende des Tages ist die Uni-Liga vor allem eins: Fußballromantik an der Basis des Sports, bei der es vor allem um eins geht: Die Freude am Spiel.
Mehr Infos unter: www.uniliga.de/freiburg/