Bei der Fahrraddisco müssen die Besucher für ihre Musik stramplen

Christina Braun

"Ohne euch keine Musik", so lautete das Motto in der Fahrraddisco im Jos Fritz Café am Freitagabend. Wer hier feiern will, muss radeln, sonst geht der Beat aus. fudder war dabei.

Schweiß fließt, der Beat pumpt, die Menge tanzt. Eigentlich eine ganz normale Nacht in einer Freiburger Bar an einem Freitagabend, wären da nicht die drei Fahrradfahrenden auf der Tanzfläche. Mit dem Fahrrad zur Disco das kennt man ja in Freiburg, aber Fahrrad in der Disco – das ist neu. "Fahrraddisco" heißt das dann bei den Organisatoren vom Verein Greenmotion. Das Konzept: Radeln damit die Anlage läuft.




Eine Art des alternativen Feierns sozusagen: Der Strom, den die Anlage verbraucht, wird von den Feiernden durchs Fahrradfahren selbst erzeugt. Während ein Teil der Leute zu Reggea, Dub und Balkanklängen tanzt, schwitzen andere auf den Rädern. Die Idee ist also relativ simpel: Musik durch Muskelkraft. Damit der Beat auch läuft, muss die ganze Zeit geradelt werden. "Da merkt man erstmal wie viel Energie an einem Abend verbraucht wird und wie anstrengend das ist", sagt Peter Rinker von Greenmotion. Er hat sein Fahrrad für den Abend mitgebracht und auch schon selbst Strom erradelt.

Wer zu langsam fährt, bekommt eine Verwarnung

Wie funktioniert so eine Fahrraddisco ? Vorne neben dem DJ-Pult stehen drei Fahrräder. Die Hinterräder sind an einen Generator angeschlossen, der die Drehbewegung auf eine Batterie überträgt. Die Batterie funktioniert dabei wie ein Puffer, der die erzeugte Energie speichert und damit dann die Anlage damit speist. Ob man schnell genug in die Pedale tritt, sieht man auf dem Bildschirm eines provisorisch aufgebauten Laptops. Für jedes Fahrrad gibt es eine Säule: Grün bedeutet, dass genug Strom erzeugt wird, wechselt die Farbe aber zu rot, muss mehr Leistung her.

Die Fahrraddisco gibt es zum zweiten Mal in Freiburg. Als die Aktion im letzten Jahr startete, hatten die Veranstaltenden noch Bedenken: Wollen die Leute wirklich so lange strampeln? Immerhin geht es in der Disco immer noch ums Feiern und Abschalten. Aber ja, die Leute wollen. Und sie haben Spaß. Auch wenn die meisten nicht länger als zehn Minuten am Stück in die Pedale treten, bleibt kaum ein Sattel lange unbesetzt. Das ist auch wichtig, denn sonst geht irgendwann die Musik aus. Dabei spielen auch die Größe des Raumes und der Verbrauch der Anlage eine Rolle. "Für eine größere Disco zum Beispiel wäre der Strom von drei Fahrrädern viel zu wenig", erklärt Rinker.

Die Party läuft im Rahmen des Greenmotions Filmfestival. Das ganze Wochenende wurden kleinere und größere Filme aus aller Welt zum Thema Nachhaltigkeit und neue Energien gezeigt. Die Idee für ein Filmfestival, das grüne Konzepte auf die Leinwand bringt, hatte vor zwei Jahren eine kleine Gruppe Masterstudierender aus dem Studiengang Renewable Energy Management.

Heute ist die Gruppe ein eingeschriebener Verein. Mit dem Filmfestival will Greenmotion für Themen wie Klimawandel, Nahrungsknappheit und Umweltverschmutzung sensibilisieren. Es geht nicht um Schwarzmalerei, sondern die Filme sollen vor allem Lösungen und Alternativen präsentieren, die Ansätze geben wie Dinge anders – nachhaltiger – gemacht werden können. Die Fahrraddisco ist einer davon.
Für das Greenmotions Filmfestival 2017 können sich Filmemacher vorrausichtlich wieder ab März 2017 bewerben.Weitere Informationen auf der Homepage der Veranstalter.