Katrin Karmann

Bei der Ausstellung "ID" in der Stadtbibliothek geht’s um Geschlechteridentifikation

Matej Snethlage

Bis zum 16. März ist in der Stadtbibliothek die Foto-Ausstellung I*D zu sehen. Künstlerin Katrin Karmann möchte mit den Bildern Einzelschicksale von Menschen zeigen, deren Identität sich nicht im binären Geschlechtssystem wiederfindet.

Katrin Karmann, eine Fotografin aus Niedersachsen, stellt in der Stadtbibliothek Freiburg mehrere Bilder aus ihrer Fotoreihe I*D aus. Unter jedem Bild erzählt die fotografierte Person etwas aus ihrem Leben: Über fehlende Vorbilder, über Identifikation mit einem Geschlecht und über das eigene Selbstverständnis. Durch mehrere Bilder und Texttafeln zeichnet sich ein präzises Porträt von non-binary Personen.


Politisch war das Projekt für Katrin Karmann anfangs nicht: "Für mich stehen individuelle Schicksale im Vordergrund, die Frage, wie man sich persönlich mit Fragen des Geschlechts und der Sexualität auseinandersetzt." Der Versuch, das polare, zwei-Geschlechtssystem zu durchbrechen und neue Perspektiven aufzuzeigen, schwinge jedoch in der Fotoreihe mit. Es sei keine Frage, dass man den Blick weiten und über den binären Tellerrand hinausblicken solle.

Stichwort: Identität

Ein zentrales Stichwort war für Katrin Karmann Identität. Wieso müsse man seine eigene Identität gesellschaftlichen Normen anpassen? Wieso könne man nicht einfach sein, wer man will?

Die Entwicklung geht in den letzten Jahren in eine offenere Richtung. Hormontherapien werden meist von Krankenkassen bezahlt, eine Umkategorisierung des Geschlechts ist zwar schwer, aber möglich und inzwischen ist es auch medizinischer Konsens, Neugeborene nicht in eine der zwei vorgefertigten Schubladen zu stecken. Doch es bleiben Probleme: Diskriminierung, Ablehnung von Familie und Freunden und das Gefühl nirgendwo dazuzugehören sind in bigotten und konservativen Gesellschaften immer noch Alltag.

Katrin Karmann selbst habe fast nur positive Erfahrung gemacht, doch auch auf ihre Ausstellung wird ab und mal mit einem unverständlichen und wütenden Nasenrümpfen reagiert. Die meisten aber wollen lernen und mehr erfahren. Wie die Künstlerin das Toleranz-Klima in Deutschland einschätzte? "Da, wo ich herkomme, sind alle offen und divers, aber ich denke schon, dass man in vielen Teilen Deutschlands noch weit davon entfernt ist."

Die Bilder von Katrin Karmann mit kurzen Texten von den Fotografierten hängen noch bis zum 16. März in der Stadtbibliothek.
  • Was: I*D - Über die Konstruktion des Weiblichen*/ Männlichen* – mit persönlichen Texte von queeren*, trans* und inter*-Personen
  • Wann: 19. Februar bis 16. März
  • Wo: Stadtbibliothek Freiburg
  • Eintritt: frei