Der Sonntag

Traditionelle Techniken

Bei den "Selber Helden" kann man Anbauen, Einmachen und sogar Schlachten lernen

Katja Rußhardt

Hühner halten, Edelpilze züchten, Saatgut ziehen: Do it yourself ist angesagt. Das nötige Wissen dafür liefert die Freiburger Plattform "Selber Helden". Bettina Bachmann hat sie ins Leben gerufen.

Pak Choi und Äpfel liegen auf dem Tisch, Karotten und Knoblauch. Klein, aber nicht minder wichtig: Ingwer und Chilischoten. "Statt Pak Choi hätten wir auch Weißkohl nehmen können. Sucht euch aus, was im Garten gerade Saison hat und euch schmeckt", sagt Michael Hofer, während fünf Frauen in ihre Schürzen schlüpfen. Sommerlicher Kimchi soll heute gemacht werden und Michael Hofer und Philip Klingel, Köche und Gründer des Freiburger Feinkost-Unternehmens Hakuna Matata, zeigen an diesem Abend, wie man Gemüse nach koreanischer Art milchsauer vergären lässt.


Experten für traditionelle Handwerkstechniken gesucht

"Fermentation, also haltbar machen durch Milchsäuregärung, ist ein großes Thema und noch dazu sehr gesund", erklärt Bettina Bachmann, die Laien und Kochprofis in der Großküche über ihre Internet-Plattform "Selber Helden" zusammengebracht hat.

Seit Februar dieses Jahres bietet sie im Raum Freiburg zusammen mit Kooperationspartnern Kurse an, in denen man lernt, wie man selber Pilze züchtet, zuhause Hühner hält oder auf dem offenen Feuer kocht. "Es fing bei mir mit dem eigenen Garten an, wo ich reichlich erfolglos versuchte, Obst und Gemüse anzubauen", erinnert sich die 50-jährige Freiburgerin. In der IT-Branche hat sie gearbeitet, war im Service in der Gastronomie tätig und gründete mit 24 Jahren das Freiburger Kartoffelhaus, dessen Geschäftsführerin sie noch immer ist.

"Wichtig ist mir, altes Wissen weiter zu verbreiten, sodass viele davon profitieren können und es nicht verloren geht." Bettina Bachmann

Ein Netzwerk landwirtschaftlicher Erzeuger hatte sie zwar schon, doch suchte sie zunächst vergeblich nach Experten für traditionelle Handwerkstechniken, die zeigen, wie man Lebensmittel in bestmöglicher Qualität selbst erzeugen und verarbeiten kann. "Filme im Internet wollte ich nicht anschauen, denn sie werfen doch immer mehr Fragen auf und ersetzen die unmittelbare Erfahrung des Selbermachens nicht", erklärt Bettina Bachmann. Wenn man etwas eigenhändig macht, erfahre man mehr Freude und Genuss. Inzwischen ist sie fündig geworden. "Wichtig ist mir, altes Wissen weiter zu verbreiten, sodass viele davon profitieren können und es nicht verloren geht."

Auf den einprägsamen Namen "Selber Helden" für ihr Netzwerk kam sie beim Brainstorming mit einem Freund. Auch er findet, dass Selbermachen Entertainment ist. "Solches, das der Seele gut tut und das uns unabhängig macht. Wir brauchen genau solche Helden. Selberkönner, die sich das Denken nicht abnehmen lassen", sagt Bettina Bachmann, die mit Mann und Kindern Ende des Sommers in einen in mühevoller Kleinarbeit restaurierten kleinen Bergbauernhof bei Stegen im Attental zieht.

"Wir brauchen genau solche Helden. Selberkönner, die sich das Denken nicht abnehmen lassen." Bettina Bachmann

Dort hat bereits ein Abend zum Kochen auf offenem Feuer stattgefunden, im Herbst wird sie mit dem Koch Ben Kindler von Bensels Kochschule und dem Landwirt Julius Mager das tun, was wohl nur wenige Hähnchen-Genießer je selbst gemacht haben: drei Hühner schlachten, rupfen, ausnehmen und zubereiten. "Und gemeinsam respektvoll essen, denn schließlich hat das Tier, das sein Leben für uns lässt, das verdient", erklärt sie.

Eine Familie mit erwachsenen Kindern habe sich zu diesem Termin bereits angemeldet und ein Teilnehmer, der sein eigenes Huhn mitbringen will.

Erklären, wie das, was auf dem Teller liegt, dorthin gelangt ist – auch dazu will die Plattform anregen. Noch ist sie weitgehend unbekannt. Bis zu acht Personen nahmen bisher im Schnitt an den Angeboten der "Selber Helden" teil. Das Spektrum reicht von zwei Stunden fürs Kimchimachen bis zum Jahreskurs von Susanna Christinck im Lerngarten in Ihringen-Wasenweiler. "Mein Wunsch wäre es", sagt Bettina Bachmann, "dass vielleicht einmal ein Verein daraus wird und noch viel mehr Helden mitmachen."