Beautiful People: Hat Lucas eine Chance?

Lucas von Bothmer

Nur die Schönen haben Zutritt. Und wer schön ist, das beurteilt die Community. Die Internet-Kontaktbörse BeautifulPeople.de, die es seit kurzem auch in Deutschland gibt, ist wegen ihres Auswahlverfahrens der anderen Art etwas umstritten. Unser Mitarbeiter Lucas hat sich testweise dem knallharten Casting unterzogen. Er versuchte, den Gipfel der Selbstsucht zu erklimmen ? und stürzte ab. Ein autobiografischer Bericht:

Eine alte Binsenweisheit hat heute mehr Gültigkeit denn je: Wer im Leben immer nur zwischen Schwarz- und Weiß unterscheidet, der verbaut sich manches. Gerade im Zwischenmenschlichen darf man sich nie vom ersten Eindruck täuschen lassen, muss immer versuchen, hinter Fassaden zu schielen, darf den Facettenreichtum eines Charakters nie mit bräsiger Stigmatisierung beschneiden. Denn welcher Hobbypsychologe hat nicht schon einmal einen Befund korrigiert und dem Patienten nach irrtümlicher Hochnäsigkeit mit einem Male blanke Unsicherheit attestiert?


Fast noch schwieriger ist es, sich einzugestehen, wenn man sich im positiven Sinne getäuscht hat, doch auch bei blendenden Erscheinungen muss so mancher nach genauerer Betrachtung sein nahezu vollkommenes Menschenbild noch einmal gerade rücken. Es bleibt also festzuhalten, dass der aufgeklärte und modern denkende Mensch niemanden als vollends gut oder böse charakterisieren sollte. Das Bild, das wir uns voneinander machen, sollte nicht in schwarz oder weiß gemalt sein, denn es sind fast immer die Grautöne, die uns am Besten kennzeichnen. Wenn ich sage fast immer, dann weil es auch hier Ausnahmen gibt.

Wer schon beim Gedanken an die Upper-Class-Community asmallworld.net im Netz einen Hustenreiz bekommt, der sollte jetzt nicht weiter lesen. Aber wer dort mitmacht, entschuldigt seinen Hang zur Selbstdarstellung üblicherweise noch mit dieser etwas scheinheiligen “da-kommt-man-super-billig-an-Altbau- Wohnungen-in-Berlin”-Ausflucht. Man kann diese Seite elitär finden und sozial-darwinistisch, denn ich bezweifle, dass auch Supermarktangestellte, Kleingärtner oder PDS-Abgeordnete diese unsere als eine “small world” empfinden. Aber, wehret den Anfängen, die Grautöne sind die echten und auch unter den Snobs gibt es nette, oder zumindest einige, die einfach nur eine Altbau-Wohnung in Berlin günstig schießen wollen.

Ich habe aber ein anderes Experiment gemacht. Bei den “beautifulpeople” habe ich mein Glück versucht, denn schon auf der Eingangsseite dieser Seite heißt es “das Netzwerk für attraktive Menschen”. Natürlich war es nicht Sinn der Unternehmung herauszufinden, ob man mich gemeinhin als schön empfindet, aber, das sollte der Ehrlichkeit halber nicht unerwähnt bleiben, billigen Schmeicheleien wäre wohl jeder erlegen gewesen. Um aber der Ehrlichkeit konsequent die Vorfahrt zu gewähren ? in diese Bredouille kam ich nie!

Zunächst war ich ziemlich sicher, problemlos das dreitägige (!) Auswahlverfahren zu überstehen, während dem alle, die bereits etablierte Schönheiten sind, als Juroren fungieren. Natürlich benötigte ich ein standesgemäßes Assessment-Porträt meines überirdischen Antlitzes, für das eigens eine Starfotografin in Gestalt meiner kleinen Schwester eingeflogen wurde.

Doch schon nach wenigen Stunden im Bewerbungsverfahren erklärte mir eine weibliche Schönheit, dafür schien sie sich zumindest zu halten, dass mein Bild nur noch peinlich sei. Um meine Tarnung nicht aufzugeben verzichtete ich auf den Hinweis, dass sie, alle ihre Freunde und dieses gesamte Netzwerk wegen Peinlichkeit eigentlich ins Exil auf den Alf-Planeten Melmark zu verbannen wären.

Nach kurzer Zeit wurde dann deutlich, was der Sonnenbank-verbrämte Promo-Hase schon angedeutet hatte. Auf meinem Beauty-Balken leuchtete es knutschrot, was soviel bedeutet, wie sechs Frauen fanden mich attraktiv und 38 würden nicht mit mir schlafen wenn wir die jeweils letzten unserer Spezies auf besagtem Planeten Melmark wären.

Um Eins gleich vorweg zu nehmen: Man hat mich rausgeschmissen, bevor ich überhaupt gescheitert wäre. Klingt komisch, geht aber. Und ich kann nicht behaupten, dass es an mangelndem Einsatz lag: Als sich meine Götterdämmerung näherte, versuchte ich es mit allen Mitteln. Wirklich das ganze Repertoire hab´ ich abgeraspelt, von “du hast eine echte Fotoshop-Figur”, bis hin zu Schneepoloeinladungen auf mein imaginäres Karpatenschloss; von “hast du das hier wirklich nötig?”, bis hin zu Eigenreklame in Form von: “hinterm harten Pelz, steckt ein zarter Schmelz”. Auch der Kampfname, den ich mir zurechtgelegt hatte, erschien mir mehr als angemessen. Graf Mirosl.o.v.e. Pose.

Nachdem ich bereits über 20 Depeschen an die heißesten Zahnarzthelferinnen versandt hatte, die in der geilen Gilde zu finden waren, ereilte mich plötzlich die Nachricht vom jähen Ende meiner Beau-Karierre. Auf Grund von inakzeptablem Benehmen kickten die Schönlinge mich raus, aus dem Bewerbungsverfahren, wohlgemerkt. Bis in die Walhalla der Makellosigkeit hatte ich es gar nicht erst geschafft.

Ich muss an dieser Stelle ehrlicherweise einräumen, dass mir das retrospektiv echt entgegenkommt. Denn so blieb mir die Schmach erspart, hinter Typen, die sich “Cabrio-Junkee No1”, “Trueplaya”, oder “Alleyesonme” nennen, den letzten Rang einzunehmen.

Nun könnte man nach Erklärungen suchen. Vielleicht lag es daran, dass ich, als dann wirklich von 48 Voterinnen ganze sechs der Ansicht waren, ich sei schön genug, aus lauter Frust einer Lady mit turbo-Düsenjet-gelagtem Schlafzimmerblick und Schlauchbootlippen gesteckt habe, dass ich ihre Schlüsselqualifikation mehr im horizontalen Gewerbe, (unter der Einschränkung Edelpuff!) sehen würde.

Der eigentliche Grund für mein Scheitern in der Vorrunde aber war, dass ich die Idioten unterschätzt hatte. Bei der Rubrik Wohnsitz hab’ ich mir vollmundig ein Landgut angedichtet und auch was das Jahreseinkommen anbelangt wollte ich Nägel mit Köpfen machen, also zahlte ich mir vorsichtshalber ein Grundgehalt von unglaubwürdigen 200000 Dukaten.

Mein Foto, zugegeben eher ein Testosteron-Schlachtruf, als ein leises Flüstern, im Fuchspelz meiner Mutter geschossen, stieß bei einigen Perfektionisten auf völliges Unverständnis. Das hätte ich wissen müssen, denn erstens hat spätestens Dolly Buster das Tragen eines Pelzmantels endgültig salon-unfähig gemacht. Und zweitens sind noch alle Models irgendwann einmal unter die Tierschützer gegangen. In Zeiten toter Problembären ist es also kein Wunder, dass ich in die ewigen Jagdgründe geschickt wurde. Nun wäre es echt einfach, den 'beautiful people' die Pest an den Hals zu wünschen, oder zumindest die These aufzustellen, dass wer da mitmacht, nur eine Wesens-Ruine sein kann. Doch auch da gibt es bestimmt billige Altbauwohnungen, oder zumindest einige wenige nette Leute. Ich hab nur keinen getroffen.