Baustellentest: Habsburgerstraße

Julia Bauer

21,5 Millionen Euro kostet die Sanierung der Habsburgerstraße. Bis zum Oktober 2010 müssen dort Durchfahrer mit Behinderungen und Anwohner mit Lärm rechnen. Aber ist die Riesenbaustelle wirklich so stressig? Zwei Testfahrten - mit Schienenersatzbus und Fahrrad.



Versuch 1: mit dem Fahrrad

Zuerst will ich ausprobieren, wie sich die "Riesenbaustelle" (Badische Zeitung) mit dem Fahrrad passieren lässt, vom Siegesdenkmal bis zur Hornusstraße. Ich starte mehr oder weniger gleichzeitig mit der Buslinie 28. Der Baustellenparcours beginnt.



Weil es rutschig ist, achte ich darauf, dass mein Vorderreifen nicht in den Straßenbahnrinnen den Halt verliert. Mehrmals muss ich diese Gefahrenzone überwinden. Rechts von mir donnert der Presslufthammer, linker Hand zieht der Gegenverkehr vorbei – in gerade mal einem Meter Abstand! Ich fühle mich ein bisschen unwohl, vor allem als ein paar Autofahrer zu gewagten Überholmanövern ansetzen.

Auf Höhe der "Fabrik" ist der 28er-Bus direkt hinter mir, ein Kopf-an-Kopf-Rennen beginnt. Ich trete fest in die Pedale und komme zeitgleich mit dem Bus an der Haltestelle Hornusstraße an.



Fahrtzeit mit Uraltrad: 09:47 Minuten (inklusive roter Ampel)
Fazit: 2 Euro gespart, den Hauch des Todes gespürt (Überholterror)

Versuch 2: mit dem Bus

Wieder am Siegesdenkmal. Als ich in den Bus steige, kommt mir angenehme Wärme entgegen. Alle Fahrgäste wirken ruhig bis apathisch, man scheint sich hier mit der Umstellung arrangiert zu haben.



Meine Vermutung wird bestätigt: für Rabia ist alles beim Alten geblieben. Die 22-Jährige absolviert gerade ein freiwilliges soziales Jahr und sagt, der Bus brauche genauso lang wie die Straßenbahn, nur müsse sie jetzt vom Bertoldsbrunnen zum Siegesdenkmal laufen. Aber das scheint sie nicht sonderlich zu stören.

Auch für Aline, 34, Biologin, ergeben sich keine großen Umstände wegen der Baustelle. Allerdings findet sie das Fahren mit der Straßenbahn sicherer, „denn da muss der Fahrer nicht so sehr auf den Verkehr achten.“ Nun ja, wenn sie meint.



Für die Schülerinnen und Schüler Theresa, 17, Anastasia, 18 und Benedikt, 18, gibt es allerdings Probleme mit dem Anschlusszug, da der Bus nur bis zum Siegesdenkmal fährt. Sie finden auch, dass die Straßenbahn schneller sei.

Wie eine große Raupe windet sich der Bus durch die Habsburgerstraße, man fühlt sich immerhin sicherer als auf dem Rad. Die Baustelle kriege ich trotzdem mit, wenn auch mit akustischer Distanz. Als ich an der Hornusstraße aussteige, kann man die Baustelle auch nicht mehr sehen, hören oder riechen.

Fahrtzeit: 10:00 Minuten
Fazit: Durch die Plauderei mit den Fahrgästen gehen die schnell rum.



Am schlimmsten macht sich die Baustelle zwischen Tennenbacherstraße und Hauptstraße bemerkbar. Der platteste Baustellenslogan findet sich aber gleich bei der Bahnunterführung: "Heute Baustelle, morgen Vorteile."