Interview

"Battle-Rap ist eine Kunstform, die verbindet" – der Freiburger Rapper Peedasoul im Interview

Jonathan Janz

Seit Januar lädt die Veranstaltung Rap Anker Sprechgesang-Enthusiasten auf die Bühne des Freizeichen. Das letzte Turnier hat Peedasoul, eigentlich Paul Lehle, gewonnen. Ein Gespräch über die Faszination Battle-Rap und die Freiburger Szene.

Paul Lehle, geboren in Berlin, aufgewachsen im Stuttgarter Raum, zog vor vier Jahren für ein Studium nach Freiburg. Mittlerweile arbeitet der 30-Jährige im Einzelhandel.

Paul, was begeistert dich am Battle-Rap?

Paul: Battle-Rap bringt drei Komponenten zusammen, die in meinem Leben eine wichtige Rolle spielen. Die Musik, Battle-Rap als kompetitive Sportart und das Spiel mit der Sprache. Diese drei Faktoren machen Battle-Rap aus, bisher aber meiner Meinung nach noch völlig underrated.

Wie lange machst du das schon?

Paul: Musik mache ich schon ewig, Rap etwa seit ich 15 bin. Freestyle mache ich aber erst seit ich in Freiburg bin.

Wie gehst du in ein Battle: Hast du vorgefertigte Patterns, auf die du zurückgreifst oder ist alles spontan?

Paul: Ich bin kein großer Freund davon, sich akribisch vorzubereiten. Was auf der Bühne passiert, muss sehr flüssig kommen. Ich halte es eher für ein Hindernis, wenn man sich da im Vorhinein verkopft. Vorbereitung ist für mich eher ein Stolperstein. Da hat aber jeder seine eigenen Methoden.

Stichwort Gegnerbezug: Wenn du dein Gegenüber nicht kennst, über was rappst du dann, außer seine Mutter?

Paul: Klar, man sucht sich etwas, was raus sticht, denn man kennt sein Gegenüber normalerweise nicht. Sei es äußerlich oder etwas im Verhalten. Manchmal hat man schon ein anderes Battle der Person gehört und kann darauf Bezug nehmen. Bisher kannte ich erst einen Gegner persönlich, da sind dann schon persönliche Infos geschossen worden. Für Mutter-Lines bin ich offen, ist ein Klassiker, aber auch ausgelutscht. Wenn die Line ein Treffer sein soll, muss sie echt verdammt innovativ sein.

War deine Mutter schon mal bei einem Battle dabei?

Paul: Leider nein. Man wünscht sich schon, dass die Mutter bei etwas zuschaut, was man gut kann. Sie wohnt aber leider sehr weit weg. Auf der anderen Seite ist es auch ganz gut so, denn das bietet echt viel Angriffsfläche. Ich glaube, ich könnte damit umgehen, die Frage ist eher, ob meine Mutter das kann.

Wie übt man Freestyle?

Paul: Das ist eine verzwickte Frage, ich glaube da hat jeder so seine eigene Methode. Ich übe das eigentlich nicht. Ich habe mich schon immer viel mit HipHop-Texten beschäftigt, schreibe auch selbst. Da hat man irgendwie schon unterbewusst ein Reim-Repertoire im Kopf. Manchmal freestyle ich unter der Dusche, aber sonst übe ich nicht. Ich denke, Eloquenz, Schlagfertigkeit und Begabung sind wichtig.

Beschreib mal den Moment auf der Bühne, hast du Lampenfieber?

Paul: Ich bin ein Lampenfieber-Mensch, und das ist beim Freestyle so eine Sache. Man muss total frei im Kopf sein, sonst hat man irgendwann den klassischen Eminem-8-Mile-Blackout. Das kann passieren.

Hattest du schon mal einen Blackout?

Paul: Einen richtigen Blackout noch nicht. In meinem zweiten Battle hatte ich eine Runde, in der ich nur Standartphrasen gedroschen habe, deshalb bin ich auch rausgeflogen. Gerade darum ist die Veranstaltung im Artik auch so wichtig. Da kann man sich einfach regelmäßig auf einer Bühne ausprobieren. Das ist für diese "Sportart" super wichtig.

Wie dick ist deine Haut? Hat eine Line schon mal richtig an deiner Psyche genagt?

Paul: Nein, da ist die Haut extrem dick. Ich sag mal so: Wenn du dich auf die Bühne stellst und die Lines die gedropped werden persönlich nimmst, dann hast du diese Kunstform nicht verstanden.

Battle-Rap ist eine Kunstform, bei der es keine Grenzen gibt. Ob sexistische, homophobe, rassistische oder antisemitische Äußerungen, man kann alles sagen. Hast du Grenzen?

Paul: Das ist ein kontroverses Thema. Ich versuche, mich da regelmäßig zu hinterfragen und würde niemals einem anderen Rapper eine Grenze auferlegen. Ich seh das wie eine Satire. Wenn die Punchline dadurch qualitativ und kreativ ist, und das Publikum entertaint, dann mache ich einen Witz auch mal auf Kosten einer Minderheit. Es sollte allerdings durchschimmern, dass das kein politisches Statement ist. Ich habe kein Problem mit Witzen über Minderheiten, solange sie nicht tatsächlich diskriminierend sind. Es geht nie um ein Minderheiten-Bashing. Bei Stand-Up Comedy ist das ähnlich, solange der satirische Kontext klar ist.

Wie ist deine Erfahrung mit solchen Äußerungen?

Paul: Ich glaube in Freiburg haben wir ein sehr offenes und reflektiertes Publikum. Ich denke die Zuschauer wissen sehr genau, was da vor geht. Wenn es um’s Freestyle-Batteln geht haben die Leute definitiv verstanden, worauf es ankommt. Nämlich nicht um Ausgrenzung. Battle-Rap ist eine Kunstform, die verbindet.

In Deutschland gibt es inzwischen drei große Battle-Rap Plattformen für Freestyle- und Written-Battles. Don’t let the Label label you, TopTier Takeover (ehemals RAM) und die Battlerap Bundesliga. Die kommen aber bei ihren Touren noch nicht nach Freiburg. Wie schätzt du die Freiburger Szene aktuell ein?

Paul: An der Qualität der MCs liegt es sicher nicht. In Freiburg fehlt noch die Öffentlichkeitsarbeit und es gibt ja auch erst seit kurzem ein Etablissement, wo Battles jetzt regelmäßig stattfinden. Potential ist auf jeden Fall da, die Veranstaltung war bisher auch sehr gut besucht. Offensichtlich haben die Leute in Freiburg Bock da drauf. Ich kann mir gut vorstellen, dass da was wächst.
Was: Rap Anker Battlerapturnier No.3

Wann: Donnerstag, 21. März, 21:00 Uhr

Wo: ArTik Freiburg, Haslacher Str. 43

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