Bassmelodie: Ein Leben zwischen Lehrer- und DJ-Pult

Rebekka Remus & Lucie Schaal

Was haben ein DJ und ein Lehrer gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Der Freiburger DJ Bassmelodie ist sowohl Lehrer als auch DJ. Wir haben ihn in seinem Heimstudio in Lehen und beim Auflegen im Klangraum getroffen.



Freitagabend, kurz nach Mitternacht im Klangraum. Der Club im Freiburger Hauptbahnhof füllt sich langsam. Bassmelodie steht hinter dem DJ-Pult, mischt die Tracks. Er serviert eine Mischung aus deephousigen, ruhigeren melancholischen Stücken und tiefen, treibenden, technoiden Songs. Das Ziel: das Publikum mit seinen elektrisierenden Beats für ein paar Stunden aus dem grauen Alltag entführen.


Zehn Stunden zuvor in Freiburg-Lehen. Auf den ersten Blick nicht die typische Umgebung für Nightlife-Menschen, vielleicht eher ein Ort, an dem man seine Kinder aufziehen würde. Bassmelodie wohnt hier in einem Mehrfamilienhaus in einem kleinen Hinterhof. Seine Wohnung ist hell, groß und geräumig, nur das beachtliche Equipment aus Boxen, Computern und Keyboards in einem Hinterzimmer, zeigt dem Besucher deutlich, mit wie viel Leidenschaft Bassmelodie seiner Liebe zur Musik nachgeht. Er erviert Kaffee, im Hintergrund läuft dezenter Deep-House. Darüber, was er am Abend spielen wird, hat er sich noch keine Gedanken gemacht.



Klischees gehen so: Lehrer korrigieren am Wochenende Klausuren und DJs holen nach einer durchgefeierten Nacht tagsüber den Schlaf nach. Tatsächlich gibt es beides aber auch in einer Person. Bassmelodie unterrichtet Englisch und Sport an einem beruflichen Gymnasium in Südbaden - und produziert elektronische Musik. Wie er in seinem Alltag als Lehrer heißt, das gehört für den Freiburger "Anfang 30" nicht in eine Story über den DJ Bassmelodie. „Mein bürgerlicher Name ist nicht relevant für meine Arbeit als DJ. Bassmelodie braucht keinen zweiten Namen.“ Mit fast 7000 Likes auf Facebook ist er einer der bekanntesten DJs aus der Region. "Den Leuten scheinen meine Sets und Gratis-Tracks zu gefallen", sagt Bassmelodie. Sein Logo zeigt einen Violin- und einem Bassschlüssel, passend zum Inhalt seiner Produktionen: Bass und Melodie.

Mit der Musik angefangen hat Bassmelodie vor mehr als 10 Jahren. Irgendwann begann er mit Hip-Hop-Produktionen, war zusammen mit Freunden als Trio deutschlandweit unterwegs. Gleichzeitig arbeitete er als Polizist - auch schon damals eine außergewöhnliche Kombination zweier Welten. „Ich habe mein ganzes Equipment verkauft, weil ich kein Geld mehr hatte, um mir mein Studium zu finanzieren", erzählt er vom Ende seiner Zeit als Hip-Hopper. "Der Wechsel vom Polizisten zum Lehrer war irgendwie auch der Wechsel vom Hip-Hop zur elektronischen Musik. Man entwickelt sich einfach weiter, diese Wechsel sind in meinem Leben einfach immer schon da gewesen.“

Hauptberuflich vermittelt er seinen Schülern neues Wissen, die Klangproduktion hat er sich selbst beigebracht. „Ich habe früher Schlagzeug gespielt und habe ein Gefühl für die Musik. Die Möglichkeiten sind heute einfach viel größer als noch vor zehn Jahren.“



Auch wenn Bassmelodie seinen Beruf als Lehrer und seine Berufung zur Musik weitestgehend trennt, gibt es dennoch Parallelen. Ein wichtiger Teil seiner Produktionen ist das Aufnehmen von Umgebungsgeräuschen aus dem Alltag, die er in seiner Musik verwendet. „Ich habe meine Schüler beim Fußballspielen aufgenommen und die Geräusche des Spiels in einem Track verarbeitet", sagt er. Auch während eines Schulaustauschprogramms in China nahm er Hintergrundgeräusche von Menschen auf der Straße auf, und mischte sie in Tracks. „Man kann nicht verstehen, was gesagt wird, aber das ist auch gar nicht relevant.“

Ein paar Stunden später im Klangraum. Ein Kumpel von Bassmelodie steht neben dem DJ-Pult und schaut ihm zu, wie er entspannt die Beats mixt, die Musik und den Abend genießt. "Er macht das mit der Musik alles selber", sagt er anerkennend. Der Club füllt sich weiter, mittlerweile tanzen fast alle. Das Publikum ist recht jung - ungefähr das Durchschnittsalter von Bassmelodies Schülern. „Es wissen schon ein paar von meinem Job als DJ", sagt Bassmelodie. "Die Schüler interessieren sich natürlich auch dafür, was der Lehrer privat macht und googeln dann auch mal." Ihm macht das nichts aus.  "Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn Schüler von mir anwesend sind. Allerdings trifft das eher selten zu, da ich nicht oft in Freiburg spiele und die meisten Veranstaltungen, auf denen ich spiele, ohnehin erst ab 21 sind."



Er nippt an seinem Bier. Was die Leute auf der Tanzfläche möglicherweise konsumieren, findet er nicht mehr so krass wie vor einigen Jahren: „Mittlerweile hat sich das in Freiburg auch geändert. Es nehmen gar nicht mehr so viele junge Leute Drogen.“ Dennoch gibt es viele Jugendliche, die noch auf die schiefe Bahn geraten. Um die kümmert sich Bassmelodie beim Projekt „Mitternachtssport“ des Caritasverbands, bei dem sich Jugendliche meist Freitags in Landwasser treffen, um nachts gemeinsam Sport zu treiben. „Das ist eine Möglichkeit, um sie von der Straße zu holen.“

Zusammen mit dem Offenburger DJ Unueberlegt hat Bassmelodie das Podcast-Projekt "Herztoene" ins Leben gerufen, um lokale DJs zu pushen. Außerdem nehmen an dem Projekt auch bekanntere DJs, wie beispielsweise Stefan Biniak teil, damit das Projekt auch eine breite Fanbase erreicht.





Termine

Was: Herztoene
Wann: 17. Januar und 14. März 2015
Wo: Der Club, Offenburg

Wann: 15. Mai 2015
Wo: Schmitz Katze, Freiburg

 

Die Autorinnen


Rebekka Remus (19) und Lucie Schaal (22) studieren an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Am Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS) haben sie im Wintersemester an einem Berufsfeldorientierte Kompetenzen (BOK)-Kurs zum Thema "Online-Journalismus" teilgenommen, den die Redakteurinnen Alexandra Röderer und Carolin Buchheim angeboten haben. Im Rahmen dieses Kurses haben sie diese Reportage konzipiert, recherchiert und geschrieben.

Mehr dazu:

  [Fotos aus dem Klangraum: Simon Razu]