Basler Botellón vom Regen davon geschwemmt

Carolin Buchheim

Barfüsserplatz, gestern Abend 21 Uhr: der Basler Botellón, auf Facebook angekündigt und von der Schweizer Presse mit genüsslich-vorfreudiger Panik erwartet, zählt ganze 15 Teilnehmer. "Der Botellón ist vom Regen davon geschwemmt worden", sagte ein Basler Polizist.



"EINS! ZWEI! DREI! VIER! FÜNF! SECHS! SIEBEN!" schreit der Junge auf Schwiitzerdütsch. Er ist vielleicht 17 oder 18 Jahre alt, trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift 'Der Küchentisch reicht auch' und hat eine Halbliter-Dose Feldschlösschen-Bier in der Hand. Er zählt die Anwesenden, mit großer, betrunkener Geste. "Und zwei kommen noch", sagt ein Junge mit kurzen Haaren und einem schwarzen T-Shirt. "ACHT! NEUN! BOTELLÓN!"


Es ist 20:30 Uhr am Samstagabend und die Jugendlichen, die sich gerade erst kennengelernt haben, stehen unter dem wunderschönen Retro-Dach der Straßenbahnhaltestelle Barfüsserplatz in der Basler Innenstadt. Hier sollte gerade eigentlich ein Macrobotellón steigen, eine Freiluft-Party mit viel Alkohol.

Stattdessen stehen neun Jugendliche – die zwei angekündigten Botellón-Teilnehmer sind tatsächlich einige Minuten nach dem Zählappell gekommen – zwischen den sich im Umbau befindenden Kiosk und dem Straba-Ticket-Laden, zu ihren Füßen ein Karton mit Feldschlösschen-Dosen und eine Flasche Ballantine's.

Es regnet in Strömen, schon den ganzen Tag. Gemütlich ist anders.



"Wie es momentan den Anschein macht, macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Naja man konnte ja nicht erwarten das Petrus sich auf die Säuferseite schlagen würde oder?", hatte die Initatorin des Botellón kurz zuvor auf Facebook geschrieben. "Ich hoffe Ihr seit immer noch entschlossen unseren Botellon durchzuziehen, denn auf dem Barfi gibt es auch Unterschlüpfe."

Doch entschlossen war in Anbetracht des Dauerregens und von Temperaturen um die 12°C nur eine kleine Zahl Jugendlicher. Bis 21 Uhr wächst die Gruppe auf gerade einmal 15 an, darunter 3 Mädchen.

"Es waren im weiteren Laufe des Abends vielleicht 30 Jugendliche da, von denen zehn offen Alkohol getrunken haben", sagte heute Mittag ein Polizist der Kantonspolizei Basel-Stadt. Ein Einsatz war nicht nötig, die Polizei fuhr nur zwei Mal Streife am Platz, um die Lage zu beobachten. "Der Botellón ist vom Regen davon geschwemmt worden."

Der Barfüsserplatz selbst – wohl in Erwartung des Megabotellóns mit der typischen Mega-Menge an Abfall mit zwölf großen blauen Mülltonnen ausgestattet – blieb den ganzen Abend leer.

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