Bartmenschen: Warum lassen Freiburger Männer monatelang den Rasierer liegen?

David Weigend

Beim Barte des Propheten: Acht Freiburger Männer lassen seit drei Wochen die Gesichtmatratzen sprießen und bleiben bis zum 2. Juli 2010 unrasiert, um sich dann bei einer Barty im Kamikaze eine schöne Bartfrisur machen zu lassen. Haariges Interview mit Jan Ehret, der sich nach dem "Trucker" nun einen "Friendly Mutton Chop" anzüchtet.



Jan, wann hast du an dir erstmals Bartwuchs festgestellt?

Mit 14 merkte ich, wie es unter den Achseln juckt. Damit war ich Vorreiter in meiner Tuniberg-Gang. Das wurde stolz präsentiert. Irgendwann kam ein Hauch von Flaum dazu. Den musste ich natürlich gleich rasieren, nass und mit Pinsel, um zu beweisen, dass ich rasieren kann.

Hat dich dein Vater in die Rasierkunst eingewiesen?

Nein. Komischerweise war es mir ihm gegenüber peinlich. Aber vor meinen Freunden habe ich damit angegeben. Jedenfalls ist der Bartwuchs im männlichen Zweig meiner Familie sehr ausgeprägt. Mein Papa ist überzeugter Oberfrittenträger, schon sein ganzes Leben lang.

Cool.

Einmal hat er sich den Bart im Urlaub rasiert. Er kam dann zu meinem Bruder und mir ins Zimmer. Der Anblick war für uns extrem ungewohnt. Wie, wenn man im Fernsehen die Gesichter verpixelt, um sie unkenntlich zu machen. Der Bereich zwischen Lippe und Nase war optisch taub. Papa ließ sich den Bart dann gleich wieder wachsen.

Welche Barttypen hast du schon ausprobiert?

Drei Jahre lang hatte ich den Trucker, ansonsten ließ ich mal die Koteletten komplett bis nach unten durchwachsen. Jetzt strebe ich einen Friendly Mutton Chop an.

Deine Bartidole?

Magnum ist ganz vorn dabei. Außerdem Hulk Hogan und natürlich ZZ Top.



Warum ist es zeitgemäß, sich einen Bart wachsen zu lassen?

Frauen wollen weiblich sein. Da darf man doch im Sinne der Emanzipation ruhig ein bisschen gegensteuern, oder? Es ist einfach nur schön, einen fetten Bart wachsen zu lassen und sich dazu einen Cowboyhut aufzusetzen: „Ja, ich bin männlich und ich steh dazu!“

Und Bärte bei Frauen?

Schwieriges Thema. Nicht so ganz unser Geschmack. Es war zwar im Gespräch, eine Frauenliga für Oberlippenbärte einzugliedern, doch dazu hat sich bis jetzt noch keine getraut. Aber wie gesagt, wir sind dafür offen.



Ihr lasst euch eure Talking Muschis zweieinhalb Monate lang stehen, um sie dann am 2. Juli bei der Barty im Kamikaze von einem türkischen Barbier kunstvoll frisieren zu lassen. Welche Frisuren kann man da erwarten?

Ziemlich krasse Sachen. Zum Beispiel einen Strich quer durchs Gesicht, rasierte Streifen. Der Friseur Memo hat auch die Feuerzeug- und die Bindfadentechnik drauf.

Feuerzeugtechnik?

Ja, er brennt quasi mit dem Feuerzeug die Ohren aus. An diesen Stellen ist die normale Rasur ja recht schwer. Das Wegschmoren geht einfacher.

Der DFB-Kader ist barttechnisch ja eher mau aufgestellt, seit sich Kießling seinen Rübezahl abgehobelt hat. Immerhin wartet noch Sammi Khedira mit einer annehmbaren Gesichtsmatratze auf.

Wir wollen diesem metrosexuellen Trend, der auch in der deutschen Nationalmannschaft sichtbar ist, klar entgegensteuern. Die alte Breitnerbart-Tradition muss wieder auf den Kickplatz zurückkehren. Die kommt nämlich auch bei den Frauen überraschend gut an. Denkt man ja erst gar nicht. Klar gibt es immer welche, die sich beschweren, dass es piekst. Aber viele sind wirklich angetan.



Deine Frau beschwert sich also nicht?

Nicht mehr. Am Anfang hat sie manchmal gemault, es sei zu spitzig, aber seit ich über einem Zentimeter bin, ist das sehr angenehm. Es juckt mich auch selbst nicht mehr.

Was sagen deine Kinder zum Bart?

Als ich zum ersten Mal nen richtigen Trucker hatte, hat sich meine Tochter eine halbe Stunde lang totgelacht. Sehr motivierend. Sie meint immer noch, dass ich das abrasieren soll. Mein Sohn kann noch nicht reden.



Welche Promis sollten sich dringend einen Bart wachsen lassen?

Angela Merkel, wobei die sich wahrscheinlich täglich rasiert. Auch Guido Westerwelle würde ein Hauch Männlichkeit gut tun. Bela Gurath würde ein Bart auf dem Kopf gut stehen.

Ihr seid bei eurem Blog „Barty People“ zu acht. Ist das eine geschlossene Gesellschaft?

Nein. Wir sind offen. Wenn noch Leute beitreten wollen, können sie das auf jeden Fall tun. Gern nehmen wir Männer in unseren Blog auf. Bei der Bartparty ist jedermann eingeladen, sich kostenlos einen crazy Bart schneiden zu lassen.

[Fotos & Blog: Barty People]

Was: It's Barty Time!
Wann: Freitag, 2. Juli 2010
Wo: Klub Kamikaze, Oberlinden 8

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