Barcoo: Eine Smartphone-App erkennt Dioxin-Eier

Markus Hofmann, Manuel Lorenz & Dominic Rock

Eine Handy-App will Verbrauchern helfen, beim Einkauf im Supermarkt dioxinbelastete Eier zu erkennen. Die Idee dazu hatte ein ehemaliger Mathematik-Student aus Freiburg. Wie funktioniert die App und wie nützlich ist sie? Ein fudder-Test.




Barcoo
ist ein Barcode-Scanner für moderne Handys (Smartphones) wie das iPhone, mit dem man direkt im Laden Preise vergleichen, Testberichte abrufen oder Informationen über Produkte und ihre Hersteller recherchieren kann. Barcoo möchte also so etwas wie ein mobiler Ernährungs- und Produktberater sein.


Die App ist kostenlos und läuft auf allen großen Smartphone-Plattformen (iPhone, Android, Blackberry). Nach Angaben des Berliner Startups Checkitmobile, das die App entwickelt, ist Barcoo bislang 1.5 Millionen Mal heruntergeladen worden. Damit ist der mobile Dienst eine der erfolgreichsten deutschen Anwendungen.

So funktioniert der Dioxin-Test mit der App:

Bei jedem Ei, das in Deutschland verkauft wird, gibt ein  aufgedruckter Erzeugercode Auskunft über

a) die Art der Haltung
(0 = Biohaltung, 1 = Freilandhaltung, 2 = Bodenhaltung und 3 = Käfighaltung),
b) das Herkunftsland,
c) das Bundesland (08=Baden-Württemberg)
d) den Erzeugerbetrieb sowie
e) die Stallnummer.

Um herauszufinden, ob ein Ei dioxinbelastet ist, gibt ein Kunde diesen Code in den Suchschlitz seiner App ein. Die App greift nun über eine mobile Internetverbindung auf Daten zu, die die Verbraucherzentrale Hamburg bundesweit zusammenträgt und veröffentlicht. Diese Informationen werden nach Angaben der Verbraucherschützer täglich mindestens ein Mal aktualisiert.

Enthält das Ei eines Erzeugerbetriebs eine Dioxinbelastung, die oberhalb des Grenzwerts liegt, blendet die App eine Warnmeldung ein (Screenshot oben links). Eier, die bereits seit einigen Tagen im Kühlschrank aufbewahrt werden, können ebenfalls dergestalt getestet werden - dies ist deshalb sinnvoll, da das Dioxin bereits vor Wochen in die Nahrungskette gelangt ist.

Grundsätzlich also ein sehr praktischer Dienst, der Verbrauchern beim Einkauf hilft, bessere Entscheidungen zu treffen. Allerdings hat der Dioxineier-Test noch eine Schwäche: Für viele Erzeugerbetriebe liegen noch gar keine Informationen vor, ob ihre Eier belastet sind oder nicht. Der Grund: Die Dioxinuntersuchung ist sehr aufwändig und es gibt nur wenige Labors in Deutschland, die die komplizierten Prüfungen vornehmen können. Viele Landwirte, die noch über Weihnachten Proben eingesandt haben, warten auf den Befund - die Prüfer sind schlichtweg überlastet in diesen Tagen. Barcoo-Gründer Tobias Bräuer (siehe unten) bestätigt dies: "Der Datenbestand ist derzeit tatsächlich noch lange nicht umfassend genug."

Video: Barcoo-Test

 

Wer hatte die Idee?



Tobias Bräuer (31, Foto oben) stammt aus Tübingen und hat von 2001 an in Freiburg Informatik und Mathematik studiert. 2002 holte er mit einem Team der Uni Freiburg in Portugal beim RoboCup den WM-Titel in der Disziplin "Robo-Cup Rescue", bei der Roboter verschütette Menschenin Erdbebengebieten finden und eingestürzte Häuser erforschen sollen. Im Jahr 2007 hat er sein Studium mit einer Diplomarbeit über algebraische Geometrie abgeschlossen.

Bräuer ist Gründer von Barcoo, das 2009 von dem Berliner Startup Checkitmobile gekauft worden ist. Heute ist Bräuer Leiter der Anwendungsentwicklung bei Checkitmobile und arbeitet in Kreuzberg.

Der Dioxin-Test für Eier wurde erst gestern in die Barcoo-App integriert. "Wir  hatten die Idee schon lange, auch Eier in unser Angebot aufzunehmen", sagt Bräuer. "Bisher hatte das aber nie Prio 1. Aufgrund des Dioxinskandals haben wir die Funktion jetzt vorgezogen und eingebaut."

Bräuer selbst gehört übrigens nicht zur unmittelbaren Zielgruppe des Dioxineier-Warndiensts: "Meine Eier daheim im Kühlschrank sind Bio-Eier." Und die sind nach dem derzeitigen Kenntnisstand nicht von dem Futtermittelskandal betroffen.

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