Bar, Club, Kunstort: Ende September eröffnet die Passage46

Bernhard Amelung

"Am Eröffnungsabend werden unsere Gäste schwitzen", sagt Wulf Piazolo. Zusammen mit dem Galeristen Henrik Springmann will er Ende September die Passage46 in den Räumlichkeiten der ehemaligen Jackson Pollock Bar im Theater Freiburg eröffnen. Bis Freiburgs neuester Szene-Hot-Spot aufmachen kann, gibt es allerdings noch viel zu tun. fudder-Autor Bernhard Amelung hat sich auf der Baustelle umgesehen und mit den Machern gesprochen:



Der Ort

45 Jahre Kinopassage, von 1949 bis 1994. Siebzehn Jahre Jackson Pollock Bar, von 1996 bis Sommer 2014. Einst "Diskursiver Salon" und "Performanceunternehmen". Später Musikclub. Schon immer war der Ort unterhalb des Stadttheaters ein Aushängeschild und Schaufenster des Freiburger Kulturlebens.

Diese Orte werden bald endgültig nur noch in der Erinnerung existieren. Nichts ist mehr, wie es einmal in der Theaterpassage war. Staub liegt in der Luft - so wie das auf Baustellen eben ist. Es riecht nach Mörtel, Backstein und frisch bearbeitetem Holz. Wenige Leuchtstoffröhren beleuchten den langen, schlauchartigen Gang. Drei Männer arbeiten im Halbdunkel. Sie brechen Wände heraus, tragen Putz und Mauerwerk ab. Sie bohren, hämmern, sägen.

Wo in den vergangenen Jahren Clubgänger beim Rauchen zusammen standen, Plakate von Veranstaltungen hingen, steht ein Mann. Es ist der Portugiese Alexandre Farto, 1987 in Lissabon geboren. Er kümmert sich federführend um die Gestaltung der Passage46. In der Streetart-Szene kennt man ihn als VHILS. Seinen Namen hat er sich vor allem mit Reliefs gemacht, die er in Hauswände sprengt. Sprengen darf er in Freiburg nicht. Seine steinernen Bilder fräst, meißelt, hämmert er in die Wände der Theaterpassage.

Die Macher

Wulf Piazolo, 40, steht vor vierzig, fünfzig Ghettoblastern. Sie liegen auf dem Boden der Theaterpassage. Sie bilden die Grundlage für eine Wandinstallation aus insgesamt 200 Geräten. Er wischt sich den Schweiß von der Stirn, trocknet die Hände an seiner Jeans. Ende 2013 hat der Freiburger Gastronom den Zuschlag für die Theaterpassage bekommen, zusammen mit dem Galeristen Henrik Springmann. Zuvor leitete Piazolo mehrere Gastronomiebetriebe, darunter "Karma", "Cohibar" und "Coucou".



Damit nicht genug. "Wir arbeiten mit vielen verschiedenen Menschen zusammen. Mit ihnen soll die Passage46 ein Ort werden, der Szenen zusammenbringt. Jung und alt, Studierende und Berufstätige, Theatergänger, Clubgänger, jeder, der auch nur auf einen Espresso vorbeischauen möchte", sagt Piazolo. Die Passage46 wird auch tagsüber geöffnet haben, mit Kaffee- und Kuchenbetrieb, am Landfrauenprinzip orientiert. Möglichst regional einkaufen, möglichst alles selbst herstellen.

"Die vergangenen drei Monate waren hart. Die kommenden drei Wocxhen werden hart", kommentiert Piazolo seine Augenringe und Fältchen um den Mund, ein Zeichen von Anspannung und Müdigkeit. Ein neuer Schallschutz soll eingebaut, das Lüftungssystem verbessert werden. Die Soundanlage für die Clubveranstaltungen soll auch bald kommen. Piazolo schwitzt. "Am Eröffnungsabend werden unsere Gäste schwitzen", sagt er und lacht.



Die Bar

"Boris Gröner verlässt die Hemingway Bar". Diese Nachricht sorgte Mitte August in der Freiburger Gastronomieszene für Aufsehen. Der 37-Jährige war das Gesicht der Freiburger Bar, die erst 2013 vom Fachmagazin "Mixology" zu einer der zehn besten Hotelbars im deutschsprachigen Raum gekürt wurde. 15 Jahre hatte Gröner dort gearbeitet, seit 2010 als Barchef.

"Ich habe eine Veränderung gesucht. Es ist unüblich, dass man in der Gastronomie so lange an einem Ort arbeitet", erklärt er den Wechsel. In die Passage46 will er die hohen Qualitätsstandards der Hemingway Bar mitbringen. "Beim Alkohol mache ich keine Abstriche", sagt er. Seine große Herausforderung: Die Arbeitsschritte für einen Drink so zu optimieren, dass die Bar ein großes Publikum zuverlässig bedienen kann. Konnte sich Gröner in der Hemingway Bar noch bis zu zehn Minuten Zeit für einen Cocktail lassen, kommt es im Club auch auf die Geschwindigkeit an. "Wenn über 300 Gäste einen Drink wollen, darf man sich nicht verzetteln", sagt er.

Unterstützung bekommt er dabei von Andreas Schöler, 29, der mit ihm schon in der Hemingway Bar zusammen gearbeitet hat. Über sich selbst sagt Schöler: "Ich bin Genussmensch." Er möchte mit komplexen Aroma-Kombinationen spielen und seinen Gästen Geschmackserlebnisse mit in die Nacht geben. Es fallen Schlagworte wie Signature Cocktails und Molekulardrinks. Sein Vorbild: der Londoner Tony Conigliaro, den der Guardian zu den modernen Pionieren der Cocktailkultur zählt.

Der Club

"Quality music for your dancefloor." So lautet der Wahlspruch von Sebastian Stangs Plattenlabel Foul & Sunk. Unter diesen stellt der Freiburger, vor allem bekannt als DJ Shaddy, auch die musikalische Ausrichtung der Passage46. 22 Jahre Erfahrung als Disc Jockey, Veranstalter und Labelbetreiber bringt er mit. Vor Jahren unterhielt er auch einmal eine Booking-Agentur und schickte Disc Jockeys quer durch Europa.

Zur Eröffnung am 26. September 2014 hat er die Züricherin Eli Verveine eingeladen. Wenige Tage später, am 2. Oktober, wird der Frankfurter Gerd Janson auflegen. Beides Disc Jockeys, die regelmäßig in Clubs wie dem Robert Johnson und der Panoramabar spielen. "Ich setze auf Künstler, die schon lange dabei sind, die Erfahrung haben, die die Musik in den Mittelpunkt stellen und trotzdem die Party nicht vergessen. Den Gästen geht es ja darum, eine gute Zeit zu haben", sagt Stang.

Einen musikalischen Schwerpunkt bilden House und Techno, wie etwa am 17. Oktober 2014, wenn der gebürtige Rumäne Cosmin Nicolae alias Cosmin TRG auflegen wird. An manchen Abenden soll auch ein zweiter, kleiner Floor geöffnet sein. Stang kann sich vorstellen, dass dort Musik gespielt werde, die in Freiburg bisher ein Nischendasein führte, Yacht Rock, Surf Rock, Italo Disco, Krautiges. Als Programmkoordinator steht ihm dabei Achim Rau, einst Projektleiter und Eventmanager im Europa-Park, zur Seite.



Die Kunst

Alexandre Farto, Brat Eltermann, Daniele Buetti: Die Liste der Künstler, die Galerist Henrik Springmann in der Passage46 vorstellen möchte, ist lang. Die Passage sei jedoch weder Museum noch Galerie. "Ich verstehe sie als einen Dialogort der Kunstgenre", sagt er. In einem fudder-Interview von 2012 träumte er von einem Ort, "an dem sich die Künste gegenseitig befruchten". Der Verwirklichung dieses Traumes könnte er mit der Passage46 ein Stückchen näher kommen.

[Fotos: Bild 1, 3 - Nichola Kirman; Bild 2 - Bernhard Amelung]

Mehr dazu:

Was: Passage46 Opening mit Eli Verveine (Tardis Records, Zürich)
Wann: Samstag, 26. September 2014, 23 Uhr
Wo: Passage46, Bertoldstraße 46  

Foto-Galerie

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.