BAP zwingt Tanzunwillige zum Tanz

Anselm Müller

Die Deutschrock-Veteranen BAP aus Köln haben beim Zeltmusikfestival einen außergewöhnlichen Auftritt hingelegt. Welch euphorische Stimmung bei den Besuchern! Dabei ist der Badner in deutschen Landen nicht für seine ungebremste Hysterie und Ausgelassenheit bekannt. Er ist vielmehr ein eher ruhiger und gemütlicher Zeitgenosse. Generell ist zu sagen, dass die Generation der Fourty-Somethings sich nicht gerade durch Kreischattacken und ausgelassene Euphorie auszeichnet. Vergesst das jetzt mal alles!





Drei dreiviertel Stunden rock pur

Denn was sich am Freitag im Zirkuszelt während des BAP-Auftritts abgespielt hat, ist für einen Badner wie mich immer noch schwer zu verstehen. Es war sicherlich einer der Höhepunkte der 24-jährigen Zeltmusikfestivalgeschichte, was sich in den drei dreiviertel Stunden (ja ihr seht richtig!!!) und den drei Zugaben abgespielt hat:

Wolfgang Niedecken und seine Combo lieferten ein Konzertereignis ab, was ich bisher in meinem Leben noch nicht gesehen und gehört habe. Auf ihrer “Dreimal-Zehn-Jahre-Tour” rockten sie das Zelt so sehr, dass der Leadsänger schon nach dem dritten Lied davon sprach, man sollte jetzt den Pfefferminz-Aufguss parat halten, da das Zelt einer Sauna glich. Kein geringeres Ziel als den Badnern das Kölsch-Abitur abzunehmen war Niedeckens Mission. Dies muss als vollkommen geglückt abgehakt werden, da das Freiburger Publikum vom ersten (Wahnsinn) bis zum letzten Song (Hungry Hearts von Bruce Springsteen) jede Textzeile euphorisch auf Kölsch/Englisch mitgesungen hat.

Seit nunmehr 30 Jahren gibt es die Kölner Rockgruppe, deren Zusammenstellungen sich öfters in der Zeit geändert hat und man heute BAP eher als Niedecken und seine Musiker beschreiben sollte. Das Publikum war zwischen vierzig und sechzig.

Tanzunwillige zum Tanzen gezwungen

Die Euphorie und Hysterie, die im Zelt ausbrach, ist eines Backstreet oder Take-That-Konzerts vergleichbar, obwohl ich beide Festivitäten nur aus Erzählungen und Musikzeitschriften kenne. Doch am Freitag kreischten, klatschten und riefen sich die Badner den Leib aus der Seele, um manche Zuchauer hatte ich echt Angst, dass sie durch ihr hektisches und ekstatisches Klatschen, Toben und Kreischen sich wohl bald auf der Liege der Sanitäter wiederfinden würden, doch dies passierte zum Glück nicht. Das musikalische Programm ließ kein BAP-Anhängerherz enttäuscht. Herausgehoben sollten die Performance von "Verdammt lang her", “Kristallnacht” und "Hurricane" werden. Bei den beiden ersten Stücken rockte die Gruppe das Zelt, wie es wohl nur Männer mit einer dreißig jährigen Banderfahrung können. Die Adaption des Dylan-Klassikers: "Hurricane" brachte auch die letzten Tanzunwilligen dazu ihre Hüften im Rhythmus zu bewegen.

Hysterie- und Kreischlevel

Das BAP-Konzert hat mir meine Augen über die badnersche Seele in Bezug auf ihr Hysterie- und Kreischlevel geöffnet. Auf jeden Fall können sie mit den anderen Feierseelen der Republik locker mithalten. In diesem Sinne mahlet juut!