Platzprobleme

Bands aus Freiburg fordern mehr Platz zum Proben

Fabian Vögtle

Freiburger Bands beklagen, dass sie kaum Proberäume finden. Die Wartelisten für die städtischen Räume sind lang und auch die kommerziellen Räume reichen nicht. Einige Musiker fordern darum ein Proben- und Produktionshaus.

Die Moondogs haben ihren Keller. Seit gut einem Jahr spielt die Beatles-Cover-Band einmal die Woche im größten von neun Proberäumen im Kunsthaus L6. "Der schönste Raum, in dem ich je geprobt habe", sagt Bandleader Ingo Rosch, der als Hauptmieter den Raum an andere Bands untervermietet. Der 54-Jährige war schon mit seiner vorherigen Band im Zähringer Kunsthaus. Rosch mietet den Kellerraum für 300 Euro im Monat vom Verein Multicore, der sich im Auftrag der Stadt um die Proberäume kümmert.


Rund 35 Bands spielen hier in der Woche, bis zu 80 weitere Gruppen stehen auf der Warteliste. "Die Lage ist noch immer prekär ", sagt Grischka Brand, Vorsitzender des Vereins, der lokale Bands fördert. Seit Jahren versuche man, an weitere Räume zu kommen, bisher erfolglos.

Hoher Bedarf an Proberäumen ist Kulturpolitik bekannt

Immer wieder scheitert es am Geld oder an strikten Auflagen. "Ich hoffe, dass die Verwaltung auf uns und die Bands zukommt", sagt Brand, der selbst Schlagzeug spielt. Das Thema sei in der Kommunalpolitik angekommen und viele zeigten sich bemüht. "Aber wir dürfen das jetzt nicht aus den Augen verliehen und müssen noch mehr dafür tun." Das sieht auch Udo Eichmeier so. "Die Kulturpolitik ist sensibilisiert", sagt der stellvertretende Leiter des Kulturamtes. Auch er sehe den hohen Bedarf und will Lücken schließen.

Derweil gibt es kommerzielle Anbieter, die Räume vermieten. So zum Beispiel Michael Simon. Der promovierte Volkswirt und Schlagzeuger der Band The Rehats hat Fachwissen und Hobby miteinander verbunden und vermietet jetzt über die Plattform "meinproberaum.com" fünf Proberäume an vier verschiedenen Standorten in Freiburg. "Als Musiker weiß ich, was die Leute so an Grundausstattung brauchen", sagt Simon. Alle Räume sind mit Mischpult, Lautsprecher und Drumset eingerichtet. Sofa, Lampen und Plakate schaffen das nötige Ambiente. "Die sollen sich wohlfühlen", sagt der 34-Jährige.

Erfolgreich: Das Sharing-Prinzip

Die Bands, von Jazz bis Metal, bringen aber auch ihre eigenen Sachen mit. Das Sharing-Prinzip erfolgt auf gegenseitigem Vertrauen. Kaputt gegangen sei bisher kaum etwas. Die meisten kommen mindestens einmal in der Woche. Im Monat zahlen sie knapp 100 Euro. "So professionell, wie Michael das organisiert, hab’ ich das noch nirgends erlebt. Er hat aus der Not eine Tugend gemacht", lobt Ralf Deckert, der mit seiner Bluesband bei Simon einen Proberaum mietet.

Andere Freiburger Musiker wünschen sich einen zentralen Ort für die Popszene. So hat eine Gruppe um den Sänger und Komponisten Jan F. Kurth bei der Online-Beteiligung zum städtischen Haushalt ein Proben- und Produktionshaus gefordert und die Debatte darüber neu befeuert. Der Gemeinderat wird darüber informiert. "So ein Haus wäre ein großes Zeichen", sagt Kurth, der selbst in einer privaten Proberaum-Gemeinschaft im Kulturpark übt. "Wenn es so weitergeht wie bisher, wenden sich viele aus Freiburg ab", sagt er.

Auch das Kulturamt bevorzuge ein festes Modell, versichert Eichmeier. "Die Idee ist schon, es nicht auf 30 Keller in der Stadt zu verteilen und künftig mehr Synergieeffekte zu schaffen", sagt Eichmeier. Jetzt komme es auf die Lobbyarbeit der Szene an.

Mehr zum Thema: