Bananen schneiden im Akkord: Hinter den Kulissen des Marathons

Hannah Allgaier

11.019 Läufer gingen gestern bei den verschiedenen Läufen des Freiburg Marathon auf die Strecke. Doch was wäre die ganze Veranstaltung ohne ihre freiwilligen Helfer? Hannah hat hinter die Kulissen geschaut und den Tag mit den fleißigen Helfern in der Zielversorgung verbracht.



7:30 Uhr Der Wecker klingelt. Rolladen hochziehen. Regen. Na das kann was werden. Die Zielversorgung ist dieses Jahr unter freiem Himmel und es wird sehr ungemütlich und kalt, wenn es weiter regnet.


8:45 Uhr Messegelände: Kein Regen mehr, dafür kalt. Im Ziel versammeln sich langsam die Helfer des 6. Freiburg Marathons. Wie schon in den Jahren davor stellt der PTSV-Jahn Freiburg die fleißigen Helferchen für die Zielversorgung. Die sonstige Rivalität zwischen Fußballern und Leichtathleten wird für diesen Tag vergessen, denn hier lautet das Motto: „Zusammen sind wir stark.“

Knallig blaue Regenjacken bekommen die Helfer dieses Jahr gesponsort. In dieser Kleidung geht niemand verloren.



9:15 Uhr Die rund 80 freiwilligen Helfer werden aufgeteilt und in ihre jeweiligen Bereiche eingewiesen. Gleich wird klar, dass die Läufer dieses Jahr weder Müsliriegel noch Joghurtdrinks nach dem Lauf genießen können.

Es scheint, als hätte die Wirtschaftskrise auch vor dem Marathon keinen Halt gemacht. Auch an Bananen und Zöpfen wurde drastisch gespart. Dem erprobten Helferauge fallen sofort die wenigen Kisten auf. Wieder Kopfschütteln über die Veranstalter. Die Stimmung wird auch nicht besser, als die Sponsoren des VIP-Bereiches kommen und Bananen für die Ehrengäste wollen.

Ein Helfer zu einem der Sponsoren: „Sie können sich gerne hinstellen und einem Läufer, der gerade 42 Kilometer gerannt ist, erklären, dass die restlichen Bananen im VIP-Bereich sind.“



10 Uhr Noch eine Stunde bis zum ersten Start des 6. Freiburg Marathon. Die Versorgungsstände sind fertig aufgebaut und auch die Bänke in der Mitte des Platzes werden aufgeklappt. Kleine Pause für die Helfer, die einen kleinen Gang über die Marathonmesse machen können. Der eine oder andere kommt mit einem neuen Paar Laufschuhe zurück, die er für günstige Messepreise ergattern konnte.

Während einige Helfer weiterhin im Zielbereich sind, können andere den Start der Handbiker mitverfolgen. Zum ersten Mal starten 14 Fahrer mit ihren Rollstühlen. Die Rollstühle sind rasant tiefgelegt: der Fahrer hat eine Augenhöhe von nur 60 Zentimetern über dem Boden und kann bis zu 50 Km/h schnell fahren.



11:05 Uhr Nur zehn Minuten nach den Handbikern machen sich die Könige des Marathons auf den 42 Kilometer langen Weg. 1936 Läufer wählten dieses Jahr die volle Distanz.

11:20 Uhr Zum zweiten Mal findet der S'cool Run in Freiburg statt. Hierbei teilen sich sieben Schüler die Distanz von 21 Kilometern. 201 Staffeln gehen dieses Jahr an den Start. Und Dieter Baumann gibt das Startsignal für die Staffeln: „Kleiner Tipp von mir, ihr dürft nur nicht zu schnell losrennen."



11:36 Uhr Es wird laut im Ziel. Die Handbiker erreichen die Kaiserstuhlbrücke. Nur noch wenige Sekunden und die Ersten werden das Ziel erreichen. Klar dominierend gewinnt Reinhardt Berner die 21 Kilometer der Handbiker. Beim Zieleinlauf müssen die Helfer schnell aus dem Weg springen, denn der Gewinner rauscht an allen vorbei und kann kaum zum Stehen gebracht werden.

12 Uhr Die ersten Schüler werden bald erwartet. Jetzt geht es ans Bananen halbieren, Flaschen öffnen, Becher füllen, Tee erwärmen, Zopf vierteln, Medaillen bereithängen, Wärmedecken und Isodrinks vorbereiten.



12:40 Uhr Mit einer klasse Zeit von 1:20:45 gewinnt die Mannschaft des Walter-Eucken-Gymnasiums. Aber auch die Lehrer gingen vorbildhaft in den Wettkampf. Sie konnten ebenfalls Staffeln aufstellen. Hier gewann die Lehrerstaffel des Hans-Thoma-Gymnasiums.

„Durch solche Veranstaltungen wird den Schülern gezeigt, dass Laufen auch Spaß machen kann", sagt Max Frei, Lehrer und Betreuer des Rotteck-Gymnasiums in Freiburg.



13:36 Uhr Unruhe im Ziel. Der erste Mann des Marathon wird erwartet. Ein Start-Ziel-Sieg gelingt Steffen Häntzschel aus Esslingen. Mit einem Vorsprung von knapp neun Minuten auf den Zweiten, Josef Vogt aus Lichtenstein, erreicht Häntzschel als Erster das Ziel.

Gleich gibt es einen großen Tumult um den diesjährigen Sieger. Reporter und Fotografen umzingeln den Gewinner. Nur kurz holt sich Häntzschel einen Tee und verschwindet aus der Zielversorgung. Alle Helfer haben sich den Sieger etwas anders vorgestellt. Aber es scheint dem Läufer alles etwas zu viel zu sein.



14 Uhr Wieder das Startsignal: Halbmarathon. Das Starterfeld ist kleiner geworden. 7676 Läufer gehen auf die 21 Kilometer. Trotzdem liegt der Freiburger Halbmarathon auf Platz Vier unter allen Deutschen Läufen der Halbdistanz. Das laute Klappern von Tausenden von Schuhen ertönt über die ganze Messe.

Auch dieses Jahr sind viele Zuschauer an den Start gekommen. Mit Tröten und Pfiffen werden die Athleten angefeuert. Höhepunkt ist natürlich der Start von Dieter Baumann. Der ehemalige Olympiasieger von Barcelona geht in Freiburg auf die Strecke. Ob er sich gestern auch gut die Zähne geputzt hat?



14:05 Uhr Gewinnerin der Frauen: Annette Götz vom SV Kirchzarten erreicht mit erhobenen Armen das Ziel. In 3:00:12 bewältigte sie die 42 Kilometer.

Ab jetzt wird es das erste Mal stressig für die Helfer. Die Marathonläufer trudeln einer nach dem anderen ins Ziel. So sehen wahre Helden aus. Geschaffte, verrotze und in Schweiß gebadete Läufer sitzen auf den Bänken. Für manchen müssen die Bananen geschält werden, da ihre Hände zu sehr zittern. Beeindruckende Bilder. Doch auch die Hände der Helfer sind gezeichnet. Schnell schneidet man sich beim Zopfvierteln in die Hand.

Und die Kälte macht einem zu schaffen. Das Flaschenöffnen wird immer schmerzhafter.



15:09 Uhr Beinahe hätte der Zielsprecher den Einlauf vom Sieger des Halbmarathons verpasst, denn noch immer laufen parallel die Marathonläufer ins Ziel.

Favorit Dieter Baumann gewinnt in 1:09,26 Stunden. Sogar einen kleinen Sektstopp in Herdern hat sich Baumann nicht nehmen lassen.

Ein Betreuer von Dieter Baumann holt schnell Verpflegung aus seinem Rucksack. Enttäuschung bei den Helfern. Manche hatten ihre Blöcke für eine Unterschrift bereitgehalten. Doch er holt nur seine Medaille und verschwindet dann wieder.



Der Stress geht jetzt richtig los. Immer mehr Läufer strömen in den Verpflegungsbereich. Schnell werden die Bänke knapp.

An der Apfelsaft- und Teestation herrscht ein Daueransturm. Tausende von Bechern werden aufgefüllt und von den Läufern gierig hinuntergespült. Doch die Helfer sind dieses Jahr gut organisiert und so bekommt jeder Läufer reichlich zu trinken und zu essen.



16:30 Uhr Endlich ist der größte Ansturm vorbei. Doch auch der letzte Läufer soll behandelt werden wie der erste.



17 Uhr Der große Kiesplatz muss aufgeräumt werden. Bei den fleißigen Helfern ist das allerdings kein Problem.

Und endlich darf man auch etwas Zopf stibitzen. Anfängliche Befürchtungen, der Zopf würde nicht reichen, bewahrheiten sich nicht.

18 Uhr Alle Läufer sind im Ziel und die Zuschauer auf dem Nachhauseweg. Auch die Helfer haben ihre Stände wieder abgebaut, Bänke eingeklappt und kräftig Zopf gegessen. Mit vollen Bäuchen verabschieden sich alle. Ein eindrucksvoller Tag geht dem Ende zu. Nächstes Jahr? Gerne wieder.

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