"Bald werden Köpfe rollen"

Dirk Philippi

Nur mühsam und glücklich gewannen die Wölfe Freiburg gestern 2:1 nach Penaltyschießen im vorgezogenen Spiel gegen den Tabellenletzten der Oberliga-Nordgruppe aus Berlin. Nach einer grauseligen Halloween-Partie verteilte Coach Peter Salmik mehr Saures als Süßes und kündigte erneut eine harte Linie an (inkl. Audiomitschnitt der Pressekonferenz).



"Trick or Treat" (Streich oder Belohnung) haben gestern unzählige Kinder Erwachsene vor eine simple Aufgabe gestellt und wohl häufiger kleine Spenden eingestreicht als liebliche Bösartigkeiten ausgetauscht.


"Treat or Treat" dürften derweil die 937 Zuschauer (Minusrekord!) in der Franz-Siegel-Halle gedacht haben, die schlicht einen deutlichen Heimsieg gegen die Jungspunde aus der Hauptstadt erwarteten und keineswegs gewillt waren, "ihrem" Team weitere Leistungsstreiche zu dulden.

Als es nach rund 55 Minuten und einem unsäglichen Zufallshockey immernoch nur 1:1 stand, platze den treuesten der Freiburger Eishockeyfans der Kragen: Aus der Nordkurve schallte immer wieder der Name des einstigen Idols und Könners Rawil Khaidarow, "Wir haben die Schnauze voll" wurde skandiert und sogar der Name des jüngst entlassenen Sergej Svetlov wurde gerufen.

"So heftig habe ich das noch nirgends erlebt", gibt nach dem Spiel der Berliner Verteidiger und Ex-Freiburger Gregor Stein zu Protokoll und ob der schwindenden Zeit und der aufgeladenen Stimmung hatte auch Peter Salmik die Faxen schon in seinem dritten Spiel dicke. Erst tauschte er den diesmal enttäuschenden Marc Wittfoth gegen den 17-jährigen Gitterspieler Ibo Weissleder, dann setzte er die zumindest läuferisch einzig überzeugende Sturmreihe um Markus Zappe auf die Bank, um seine Leistungsträger in die Verantwortung zu nehmen.

Doch auch mit nur zwei Blöcken, gefüllt mit erfahrenen deutschen und hoch gehandelten ausländischen Cracks, gelang der Sieg in der regulären Spielzeit nicht. Mehr noch: Als "unverdient" bezeichnete Salmik den Doppelpunkt nach Penaltyschießen durch den Treffer von Peter Mares - angesichts der Berliner Torchancen absolut nachzuvollziehen.

Besonders enttäuschend agierte von Beginn an die zweite Angriffsformation um Kapitän Patrick Vozar, der nur dann in Erscheinung trat, als er vier dumme Strafzeiten (zwei zu 3:5-Situationen, eine davon zum Gegentor, eine drei Minuten vor Spielende) kassierte, und Tom Herman, der schlicht und ergreifend unsichtbar blieb. Vor allen Dingen das läuferische Engagement war einem Aufstiegsaspiranten unwürdig und dem der jungen Berliner, die ohne einen einzigen ausländischen Akteur, geschweige denn erfahrenen Spieler, antraten, in jeder Hinsicht unterlegen. Dass es erste Verbesserungen in der Defensivarbeit gab, bleibt angsichts der großen Probleme nur eine Randnotiz.

Mit langen Gesichtern und ratloser Miene trotteten die Wölfe von dannen und Trainer Salmik versprach zwar, weiter hart mit dem Team arbeiten zu wollen, kündigte aber auch an, dass es bei weiteren Unleistungen dieser Art "nicht lange dauern wird, bis Köpfe rollen".

Spiel in drei Worten:

Lauffaules willkürliches Standeishockey

Beste Spieler:
  • Tobias Güttner (Berlin)
  • Markus Zappe
  • Benjamin Wildgruber
Zitat des Spiels:

"Vielleicht wird noch vor Sonntag ein neuer Spieler kommen" (Wölfe-Gesellschafter und -Pressesprecher Holger Döpke

Spielbericht der Badischen Zeitung Online: "Kein Easy-Listening bei den Wölfen

Audio-Mitschnitt der Pressekonferenz: