Bahnstreik: Lagebericht aus Freiburg

Johanna Schoener

Wenngleich die Signale auf rot stehen: Freiburg ist vom bislang längsten Lokführer-Streik verhältnismäßig wenig betroffen. Die Lage am Hauptbahnhof sei entspannt, berichtet der sichtlich gut gelaunte Service-Mitarbeiter der Deutschen Bahn Eberhard Knerlein. Der überwiegende Teil der Bahnreisenden in Freiburg reagiert verständnisvoll.



Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ist am Mittwochmittag in einen 62-stündigen Streik getreten. Höhere Löhne und ein eigener Tarifvertrag sind nach wie vor ihre Forderungen. Der Güterverkehr ist bereits gestern in Teilen Deutschlands zusammengebrochen. Heute trifft es auch die Personenzüge – sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr. 


„Nach Stand von heute morgen um acht sind in Baden-Württemberg 7 Prozent der Züge im Regionalverkehr gefahren“, sagt eine Sprecherin der Deutschen Bahn in Stuttgart. Im Fernverkehr sieht es etwas besser aus: „Die ICs fallen zwar überwiegend aus, die ICEs verkehren aber zum größten Teil“, so die DB-Pressestelle.

Laut Eberhard Knerlein, einer von zwei extra eingesetzten, signalrot bejackten Service-Kräften der Bahn, ist der ICE-Verkehr in Freiburg planmäßig unterwegs. Es habe noch keinen Ausfall gegeben. Im Regionalverkehr fahren die Züge Richtung Basel, Offenbach und ins Höllental heute nur im Stundentakt. Da der Zug nach Seebrugg ausfällt, wird von Titisee aus ein Ersatzbus bereitgestellt. 

„Ich sehe die Lage in Freiburg sehr entspannt“, sagt Knerlein. Seit heute morgen um sechs stehen er und sein Kollege in der Nähe des Servicepoints in der Bahnhofshalle und informieren die Reisenden. Sie gehören zu den hunderten von Mitarbeitern, die die Deutsche Bahn aufgrund des Streiks deutschlandweit zusätzlich eingesetzt hat. Es habe noch keine größeren Beschwerden gegeben, so Knerlein, der mit seinem Kollegen für eine verhältnismäßig gute Stimmung bei den Reisenden sorgt.

Hier ein paar Meinungen:

Anna Zielinksi „Auch wenn ich Pendler bin und jeden Tag nach Basel fahre, habe ich nach wie vor Verständnis für die Bedürfnisse der GDL. Die Lokführer sollten besser bezahlt werden. In der Tat sind die Forderungen ziemlich hoch, aber man sollte sich in der Mitte einigen. Die Bahn müsste auf die Gewerkschaft zugehen. Dadurch, dass der ICE nach Basel fährt, bin ich heute nicht direkt betroffen. Aber ich arbeite ohnehin in einem kleinen Unternehmen, wo man mit Verständnis reagiert, wenn ich zu spät komme.“

Peter Schwarzmeier „Ärgerlich bei dem Streik sind vor allem die Betonköpfe an der Spitze der GDL und der DB. Dass gestreikt wird, finde ich okay – jahrzehntelang  gab es schließlich keine Streiks. Allerdings ist es schon eine zweischneidige Sache: Einerseits kann ich die höhere Lohnforderung nachvollziehen und der GDL bleibt nichts anderes übrig, als sich von den anderen Gewerkschaften loszusagen. Andererseits ist es nicht zu verstehen, warum die Gewerkschaften sich nicht untereinander vernünftig geeinigt haben. Den Standpunkt der Bahn, überhaupt keine Kompromisse einzugehen, finde ich falsch.“

Peter Hamm „Ich habe Verständnis für den Streik. Die höheren Lohnforderungen der Lokführer sind berechtigt. Es nervt mich zwar, aber da kann man nichts machen. Normalerweise fahre ich sowieso mit dem Auto nach Waldkirch.“

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fudder: Wo kann man sich über den Streik informieren?